Tim Frühling hat vom noblen Kronberg bis zum eher ländlichen Ockstadt viel Hessen in seinen neuen Krimi "Hessentagtod" gepackt. Bei seiner Lesung in Rosbach dürfen Gesten zu den Szenen um den Bad Hersfelder Kommissar Daniel Rohde nicht fehlen. FOTOS: LH
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Tim Frühling hat vom noblen Kronberg bis zum eher ländlichen Ockstadt viel Hessen in seinen neuen Krimi "Hessentagtod" gepackt. Bei seiner Lesung in Rosbach dürfen Gesten zu den Szenen um den Bad Hersfelder Kommissar Daniel Rohde nicht fehlen. FOTOS: LH

Gelungener Abschluss

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach(sky). Es sollte ein kulturelles Jahr geben mit vielen frischen Ideen und Ereignissen - ein Jahr, das Rosbach endgültig in die Reihe der kulturfördernden Städte einfügt. Ein ausgewogenes Gemisch aus Dichterlesungen und Konzerten, Kabarett und Kindertheater und mehr mit unterschiedlichen Stilrichtungen für jedermann sollte das Programm 2020 kennzeichnen. Marion Hallwirth und Tina Danglidis vom städtischen Kulturamt hatten Vorlaufzeiten von einem Jahr und länger einkalkuliert, um Besonderheiten für ein interessiertes Publikum herauszupicken. Doch dann kam Corona und damit die Schockstarre.

Eine Absage nach der anderen flatterte ins Rathaus, Räumlichkeiten mussten wegen der Pandemie-Bestimmungen aufgegeben werden und Besucherzahlen waren zu begrenzen, sodass manch ein Auftritt nicht mehr lohnte oder undurchführbar wurde. Nur wenige Programmpunkte blieben übrig, doch die beiden Damen ließen sich nicht abschrecken. Ihnen kam zugute, dass auch die Künstler auf der Suche nach Alternativen für ausgefallene Auftritte waren, und so wurden sie mit Ideen zu ihrem neu aufzulegenden Programm schneller fündig als gedacht.

Kultur unter freiem Himmel, "Kultur an der Wasserburg" nannten sie ihr neues Projekt, das anfangs als Notlösung herhalten sollte, sich aber zu einem vollen Erfolg mit beachtlichem Niveau und mit großartigen Künstlern entpuppte. Zwei Wochenenden in kompakter Form an der frischen Luft anstelle von übers Jahr verteilten Einzelveranstaltungen in einem Saal kamen heraus.

Den Abschluss lieferte am Sonntagabend der aus HR-Rundfunk und Fernsehen bekannte Buchautor und Moderator Tim Frühling, der es inzwischen auf vier Krimis und drei Reiseführer gebracht hat.

"Hessentagtod" lautete der Titel seines mit viel Humor bestückten, aktuellen Werkes, in dem eine von sechs Bewerberinnen um die Krone der Hessentagskönigin von Bad Hersfeld eines unnatürlichen Todes stirbt. Für Rosbachs amtierende Blütenkönigin Marisa I. und zwei ihrer Vorgängerinnen - Jana I. und Franziska I. - war es ein so spannendes Thema, sodass sie gleich zu dritt in der ersten Reihe Platz nahmen und sich das kleine Kulturspektakel in dem toskanaartig angelegten Burgvorplatz nicht nehmen ließen. "Sie sollen auch lachen dürfen", munterte der Autor sein Publikum auf und begann sogleich mit der Schilderung der Todesumstände. "Ab dann wird es lustig", versprach er danach mit einem Augenzwinkern. Seine Zuhörer genossen den mit sichtlicher Freude vorgetragenen Dialekt einer der Bewerberinnen, die in ihrem Amt alle ein typisches Produkt ihrer Heimat umwarben und nun nach Höherem, dem Titel "Hessentagkönigin" greifen wollten.

Echte Königinnen sind dabei

Die Schilderung ihrer Charaktere von unsicher bis überheblich passte hervorragend zu der jeweiligen Stadt, aus der sie kamen. Vom noblen Kronberg bis zum eher ländlichen Ockstadt war alles dabei, und die Zuhörer bekamen zu der Beschreibung der Personen auch gleich ein bisschen Landschaftsbeschreibung mitgeliefert.

Frühlings Hang zum Verfassen von Reiseführern war unverkennbar zu spüren. In den vier kampfeslustigen jungen Feministinnen, die gegen eine Königinnenwahl waren, bekam man auch noch etwas Zeitgeist präsentiert, weshalb Königin Öslem aus Ockstadt, ein Mädchen mit Migrationshintergrund, natürlich auch nicht fehlen durfte.

Die mehrfach zwischendurch ans Publikum gerichtete Frage, ob die Temperaturen des Abends noch erträglich seien, wurde mit einem unmissverständlichen Kopfschütteln beantwortet. Viel lieber wollte man das unterhaltsame, mit viel Humor gespickte Buch kennenlernen, als eine Unterbrechung hinnehmen. Alles in allem genossen die Zuhörer den Abend, der seiner Rolle als krönender Abschluss einer gelungenen Kulturreihe rundum gerecht wurde.

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