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Gegen die Einsamkeit

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach(sky). Seit vielen Jahren klingelt es in der Vorweihnachtszeit bei den über 80-jährigen Rosbachern an der Haustür. Davor stehen Helferinnen und Helfer, die im Auftrag der Stadt ein Weihnachtspäckchen mit süßem Gebäck und Piccolo überreichen und Weihnachtsgrüße aus dem Rathaus überbringen.

Auch Bürgermeister Steffen Maar ist dieser Tradition treu geblieben und hatte ein knappes Dutzend Mitarbeiter aus der Verwaltung für einen Tag freigestellt, um die Tüten zu verpacken und den Adressaten zuzuordnen. Azubi Lea Dinske und Praktikant Jesse Cofie zählten zu der Helferschar im Rathaus und waren erstaunt, dass knapp 900 Tüten zusammengekommen waren. Geschätzt hatten sie 500 bis 600. "Wir wollen, dass die alten Menschen sich nicht allein fühlen. Das ist gerade in Corona-Zeiten ganz wichtig", waren sie sich nach getaner Arbeit einig. Sie freuten sich, daran mitgewirkt zu haben.

Andrea Hanne aus Rodheim hat schon zum wiederholten Mal die fertigen Tüten abgeholt und sie an die Senioren weiterverteilt. So wie sie engagieren sich an die 100 Bürger, um den Senioren im Stadtgebiet eine kleine Freude zu bereiten. "Wir wissen, dass es bei uns immer noch Menschen gibt, die zu Weihnachten allein sind und sich auch so fühlen", berichtet Sebastian Briel, Stabsstellenleiter im Rathaus. Die Mehrheit der Austräger konnten aber auch Gutes sagen: "Die meisten älteren Leute in Rosbach haben viele Kontakte und kommen gut mit ihrem Leben zurecht." Dennoch freuten sich alle über die nette Aufmerksamkeit.

Am liebsten geht Andrea Hanne mit ihren beiden Söhnen Iven (8) und Jarne (10) zum Päckchen austeilen. "Die Leute freuen sich immer sehr, wenn sie Kinder sehen." Bei den Kindlers klingeln sie diesmal zuerst. Das rüstige Ehepaar erkennt die Jungs gleich wieder und bittet sie in das kleine Jagdzimmer, wo es allerhand prächtige Geweihe zu bestaunen gibt. Wie es denn so in der Schule geht, und ob sie dort Einschränkungen wegen Corona haben, wird gefragt. Schnell entwickelt sich ein Gespräch und man spürt, dass Iven und Jarne nicht nur ein Weihnachtspäckchen, sondern auch Freude ins Haus gebracht haben.

Weiter geht es zu Leni Hoffmann, einer agilen älteren Dame in der gleichen Straße. Es ist früher Abend, und im Haus duftet es nach Weihnachten. Die Kerzen am Adventskranz sind angezündet, und man könnte meinen, es würde noch jemand erwartet. Es werden Erinnerungen an früher hervorgeholt und manch eine Geschichte erzählt.

Gesundheit ist großes Thema

"Wenn ihr zu mir kommt, empfinde ich nur Glück", sagt die Seniorin beim Abschied. Wären da nicht noch die anderen, die man auch noch besuchen will, hätte man hier stundenlang Plätzchen essen und Tee trinken können. So muss man das dankend ablehnen. Ein kleines Erinnerungsfoto am Adventskranz, und schon geht’s weiter - mit den besten Wünschen für eine gute Gesundheit.

"In diesem Jahr ist es auffällig, dass die Gespräche sich hauptsächlich um die Gesundheit drehen", sagt Andrea Hanne über ihre insgesamt zehn Besuche. "Wir sprachen immer darüber, dass bald hoffentlich wieder "normalere" Zeiten kommen werden und dass das Wichtigste die Gesundheit ist." In den Vorjahren wurden eher allgemeine Weihnachtswünsche ausgesprochen. Man merke, dass Corona auch bei den Senioren ein besorgniserregendes Ereignis sei.

So wie Hanne und ihre Söhne haben viele Austräger die Reaktion der Beschenkten erlebt, manche haben sich im Rathaus bei Tina Danglidis und Marion Hallwirth gemeldet. An Ideen, das Präsent der Stadt zu überreichen, hat es nicht gefehlt. "Meine Frau hat ein Weihnachtsgedicht aufgesagt, und ich habe ›Stille Nacht‹ im Elvis-Style gesungen", schrieb einer. Es habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er auch nächstes Jahr wieder mitmachen möchte. Mit einem Schwätzchen auf Abstand habe man viel Freude bereiten können, das wolle man gern wiederholen.

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