In der Rodheimer Straße in Rosbach appelliert ein Schild an Autofahrer, freiwillig Tempo 30 einzuhalten. Ortsvorsteher Dr. Volker Hoffmann ist das zu wenig. FOTO: LH
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In der Rodheimer Straße in Rosbach appelliert ein Schild an Autofahrer, freiwillig Tempo 30 einzuhalten. Ortsvorsteher Dr. Volker Hoffmann ist das zu wenig. FOTO: LH

Rosbach

Freiwillig Tempo 30: Guter Wille muss reichen

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Keine strikte Temporeduzierung auf der Rodheimer Straße in Rosbach. Jetzt sollen die Autofahrer freiwillig vom Gas gehen. Zwei Schilder weisen darauf hin, maximal 30 km/h zu fahren.

Mit der Errichtung von zwei Tempo-30-Schildern auf der Rodheimer Straße scheint das jahrelange Tauziehen zwischen der Stadt, Hessen-Mobil und der Fachaufsicht des Wetteraukreises um die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen dem Bahnübergang (aus Richtung Westen) und dem Ortseingang aus Richtung Rodheim (aus Richtung Süd-Ost) ein Ende zu haben.

Mit nur einem Schönheitsfehler: Es handelt sich nicht um ein Schild, das den Autofahrern eine Geschwindigkeit von mehr als 30 km/h in diesem Streckenabschnitt untersagt, sondern um ein "freiwillig-Tempo-30"-Schild, das lediglich an den guten Willen der Fahrer appelliert. Wer hier mit bis zu 50 km/h durchfährt, begeht also keine Ordnungswidrigkeit.

Messanlage mit Anzeigetafel

Die Stadtverordnetenversammlung sprach sich kürzlich für diese Lösung aus, nachdem Alternativen nicht zum Tragen gekommen waren. Zuvor hatte man bereits eine Geschwindigkeitsmessanlage mit Anzeigetafel für die Autofahrer installiert. Sie macht darauf aufmerksam, falls ein Fahrzeug zu schnell unterwegs ist.

Ortsvorsteher will Temporeduzierung

Seit Ende 2005 gilt im ganzen Stadtgebiet von Rosbach Tempo 30, manchenorts sogar weniger. Nur für die Rodheimer Straße gelten die Höchstgeschwindigkeiten wie allgemein in geschlossenen Ortschaften üblich, denn sie ist eine Landesstraße.

Hoher Verkehrslärm

Ortsvorsteher Dr. Volker Hoffmann moniert die 50 km/h, die hier gefahren werden dürfen. Der Verkehrslärm in der dicht besiedelten Wohngegend sei zu hoch, die Verkehrssicherheit zu niedrig, weshalb es sich sogar auf einen Rechtsstreit hatte einlassen wollen, um ein uneingeschränktes Tempo 30 durchzusetzen.

Wetteraukreis gegen 30 km/h

Das hatte Ex-Bürgermeister Alber als zuständige Verkehrsbehörde bereits 2017 versucht, nachdem Hessen-Mobil als Straßenbaulastträger im September grünes Licht dafür gegeben hatte.

Doch daraus wurde nichts: Der Wetteraukreis als übergeordnete Behörde, sah "die rechtlichen Vorgaben für die Einführung einer Tempo-30-Zone nicht erfüllt" und ließ die Sache platzen.

Stadtparlament einbezogen

Inzwischen war Steffen Maar zum Bürgermeister gewählt und nahm den zweiten Anlauf. Er signalisierte, dass auch er je nach Lage sogar den Rechtsweg beschreiten würde, um Tempo 30 durchzusetzen. Entgegen der Vorgehensweise seines Amtsvorgängers würde er die Sache allerdings auf breitere Füße stellen und auch das Stadtparlament stärker mit einbeziehen.

Abgespeckte Lösung

Im Mai dieses Jahres nahmen sich die Grünen ebenfalls der Sache an und reichten im Parlament als abgespeckte Lösung einen Antrag für eine Zone "Freiwillig Tempo 30" ein. Hierfür gibt es weniger strenge Vorschriften. "Es muss endlich gehandelt werden", sagte Grünen-Vorstandssprecherin Michaela Colletti. Bevor man überhaupt keinen Schritt weiter käme, wäre der Appell an die Freiwilligkeit wenigstens eine kleine Lösung.

Rechtsweg noch nicht vom Tisch

Ortsvorsteher Hoffmann zieht die vom Wetteraukreis angeführten Zahlen und Argumente nach wie vor in Zweifel, und die bereits gefertigte Klageschrift gegen den Wetteraukreis hat er immer noch in der Schublade liegen. "Wir werden uns die Sache noch eine Weile ansehen und dann entscheiden, ob wir doch noch vor Gericht ziehen oder nicht."

Keine Verkehrsentlastung

Trotz der 2014 fertiggestellten, zehn Millionen Euro teuren Ortsumgehung K11 habe es auf der Rodheimer Straße nämlich keine Entlastung gegeben. "Richtig ist, dass immer noch rund 500 Fahrzeuge pro Tag die zulässige Geschwindigkeit überschreiten. Das ist unerträglich", sagt er.

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