Ein Herz und eine Seele: Birgit Quasnitschka und ihr Pferd Smári.
+
Ein Herz und eine Seele: Birgit Quasnitschka und ihr Pferd Smári.

Inspirierende Geschichte

Pferdeliebhaberin sitzt nach Reitunfall wieder fest im Sattel – und gibt sogar Unterricht

  • VonHarald Schuchardt
    schließen

Ein Leben ohne ihre Islandpferde kann sich Birgit Quasnitschka nicht vorstellen - und dies, obwohl die Rosbacherin seit einem schweren Reitunfall vor gut 20 Jahren im Rollstuhl sitzt. Die heute 46-Jährige hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, gibt Reitunterricht und ist - auch international - als Wertungsrichterin tätig.

Rosbach – Kaum zu glauben, dass diese Frau als Kind Panik vor Pferden hatte. Aber so war es, erzählt Quasnitschka lachend. Das änderte sich im Grundschulalter. Eine Klassenkameradin bekam bei den Islandpferde-Freunden in Rosbach Reitunterricht. »Alle Mädchen liebten Pferde, da habe ich dem Gruppendruck nachgegeben«, sagt die gebürtige Friedbergerin, die seit 1998 selbst in Rosbach lebt. Zu jener Zeit habe ihr das Turnen in der Friedberger Turngemeinde viel mehr Spaß gemacht. »Aber das Reiten wurde immer mehr«, erinnert sich die begeisterte Sportlerin, die mit 14 das Leistungsturnen aufgab. »Viermal die Woche Turntraining und dazu Reiten, das ging nicht mehr zusammen.«

Schon mit 16 Jahren betreute Quasnitschka die ersten Kindergruppen und ritt auch erste Turniere. Mit 18 kaufte sie sich ein eigenes Pferd. Ihre sportlichen Erfolge bezeichnet die Pferdeliebhaberin als »ganz ordentlich«. So qualifizierte sie sich einmal für eine deutsche Meisterschaft. Umso mehr engagierte sie sich im Ausbildungs- und Funktionärsbereich, absolvierte die Trainerausbildung und wurde bereits mit 18 Jahren Mitglied im Vorstand der Islandpferde-Freunde. Zwei Jahre später wurde sie in den Landesvorstand gewählt, später wurde sie hessische Kadertrainerin.

Rosbacherin über Einschränkungen nach Reitunfall: „Es geht alles, außer laufen“

Quasnitschka studierte Mathematik und Sportwissenschaften und begann eine Schiedsrichterausbildung - als sich von einer auf die andere Sekunde alles ändern sollte. Bei einem Ausritt scheute ihr Pferd und raste an einem Baum vorbei. Sie blieb an einem Ast hängen und wurde »regelrecht vom Pferd runterkatapultiert«, wie sie den Unfall beschreibt. Sie lag am Boden, konnte nicht mehr aufstehen. »Ich konnte die Beine nicht mehr bewegen. Das Rückenmark war durchtrennt.«

Eines sei für die damals 25-Jährige jedoch schnell klar gewesen: »Ich wollte weiter was mit Pferden machen.« Während der Reha durfte sie an den Wochenenden nach Hause und gab ersten Reitunterricht im Rollstuhl.

»Natürlich hatte ich auch mal Zweifel, aber ich bekam von meiner Familie und Freunden unglaublich viel Unterstützung«, erinnert sie sich. Die Wahl-Rosbacherin definiert ihre Motivation so: »Ich habe nicht darauf geschaut, was nicht mehr geht, sondern was kann ich machen und mir gesagt: Es geht alles, außer laufen.«

Dennoch: Ihr Berufsziel, Lehrerin für Mathematik und Sport, gab sie auf, schloss ihr Studium der Sportwissenschaften mit der Magisterreife erfolgreich ab.

Heute unterrichtet sie zwischen 15 und 20 Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger regelmäßig. Das sind jedoch nicht nur Kinder und Jugendliche. »Einige sind in meinem Alter, gestern bin ich mit zwei ausgeritten, die sind beide über 60«, erzählt die Reitlehrerin.

Birgit Quasnitschka aus Rosbach: Zwei Jahre nach Reitunfall wieder im Sattel

Zwei Jahre nach dem Unfall hatte Quasnitschka erstmals wieder auf ihrem Pferd gesessen. »Mit einem normalen Sattel ging es ganz gut, doch viel besser war ein Westernsattel, den mir eine Reiterin geliehen hatte.« Fast täglich sitzt sie heute auf ihrem elf Jahre alten Pferd Smári, der isländische Name für Kleeblatt. Immer wieder wird sie als Preisrichterin eingesetzt, auch bei internationalen Turnieren, in diesem Jahr unter anderem in Österreich, Holland und in der Schweiz.

Vor zwei Jahren war sie Equipe-Chefin der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft der Islandpferde in Berlin. Anfang letzten Jahres wurde sie als eine von zehn Preisrichtern für die WM 2021 in Dänemark nominiert. Quasnitschka »Ich wollte das schon immer gerne machen.« Doch coronabedingt wurde die WM abgesagt.

Nun hofft sie, dass die für 2022 geplante Islandpferde-WM in den Niederlanden stattfindet und sie erneut nominiert wird. So könnte auch dieser große Wunsch noch in Erfüllung gehen. (Harald Schuchardt)

Sie interessieren sich für weitere Geschichten und Nachrichten aus der Wetterau? Hier erfahren Sie mehr über unseren kostenlosen, wöchentlichen Mail-Newsletter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare