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Die ehemalige Blütenkönigin Monika Roth wohnt heute in Köppern, fühlt sich aber immer noch mit Rosbach verbunden. Auf dem Foto in ihrer Hand sieht man sie in ihrem Amt als Blütenkönigin im Jahr 1972. Damals gab es noch ein Wanderkrönchen.

Digitales Blütenfest

Erinnerungen einer Rosbacher Blütenkönigin

Auch dieses Jahr fällt das Rosbacher Blütenfest wieder aus. Für ein bisschen Blütenstimmung erzählt die ehemalige Blütenkönigin Monika Roth in einem Interview von ihrer Zeit im Jahr 1972.

Der Blütenball fällt aus. Schon das zweite Jahr in folge, kann das Rosbacher Blütenfest coronabedingt nicht gefeiert werden. Das Kirschblütenfest ist seit Jahrzehnten eine feste Tradition der Stadt und findet immer am letzten Wochenende im April statt. Damit die Tradition weiter besteht, hat die Stadt Rosbach ein digitales Blütenfest organisiert. Die amtierende Blütenkönigin Marisa I. darf das Ehrenamt zudem noch ein weiteres Jahr fortführen.

Für das digitale Fest hat Marisa I. unter strengen Hygieneregeln Interviews mit rund zwanzig ehemaligen Blütenköniginnen aus den vergangenen Jahrzehnten geführten. “Ich bin begeistert, so viele meiner Vorgängerinnen persönlich kennenzulernen. 1972, 1982 oder auch 1998 wurde das Blütenfest natürlich ganz anders als heute gefeiert, und auch die Anforderungen an das Ehrenamt waren in jedem Jahrzehnt einfach andere„, sagt Marisa I. Im WZ-Interview erzählt Monika Roth von ihrer Zeit als Blütenkönigin im Jahr 1972.

Warum wollten Sie Blütenkönigin werden?

Monika Roth: Nieder-Rosbach, der Ortsteil, in dem ich großgeworden bin und mit dem ich mich sehr verbunden gefühlt habe, war damals frisch eingemeindet. Als ich dadurch die Möglichkeit hatte, mich als Blütenkönigin zu bewerben, wollte ich Nieder-Rosbach repräsentieren und die anderen Ortsteile besser kennenlernen.

Was waren damals Ihre Aufgaben?

Ich war zwei, drei Mal als Blütenkönigin bei Vereinsjubiläen oder Festen in der Umgebung. Damals gab es noch nicht so viele Feste und auch keine Gemeindehäuser. Das Programm einer Blütenkönigin ist heute viel voller. Zu meiner Zeit war Rosbach noch sehr im Wandel, und mein Jahr war von dem Zusammenschluss von Ober- und Nieder-Rosbach geprägt.

Wie war es für Sie, Blütenkönigin zu werden?

Ich war total überrascht. Damals wurde die Blütenkönigin noch von den Vereinsvorstehern gewählt - es gab noch nicht so viele Vereine wie heute. Ungefähr 14 Tage vor dem Blütenfest haben sich die Bewerberinnen - wir waren sechs oder sieben - den Vorstehern vorgestellt. Wir wurden einzeln aufgerufen und haben einen ganzen Fragenkatalog beantworten müssen. Das war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, konnte ich die Fragen gut beantworten. Die Vorsteher haben sich anschließen beraten und verkündet, wer die neue Blütenkönigin ist.

Wie war das Blütenfest zu Ihrer Zeit?

Am Samstagabend wurde ich gekrönt. Damals wurde das Krönchen noch von Blütenkönigin zu Blütenkönigin weitergegeben. Eine Schärpe gab es nicht. Obligatorisch war ein Tanz mit dem Bürgermeister. Mit ihm hat man auch das Kleid gekauft. Das war mehr als ein Event für mich, mit meinen 17 Jahren. Da gab es extra einen Termin beim Modehaus Ruths oder Nobel. Wer gerne tanzt, so wie ich, kam auf dem Blütenball am Samstagabend auf seine Kosten.

Am Sonntag habe ich traditionell Brezeln an die Kinder verteilt. Danach wurden die Gewinner des Ballonwettbewerbs aus dem letzten Jahr aufgerufen. An die Ballons wurde ein Foto vom Rosbacher Kirschenberg gehangen. Damals noch in schwarz-weiß. Auf die Rückseite haben die Kinder ihre Namen und Adressen geschrieben und gehofft, dass der eigene Ballon am weitesten fliegt und die Karte zurückkommt. Im Anschluss an die Preisverleihung wurden dann die neuen Ballons losgelassen.

Das Fest war damals noch viel kleiner, aber das dreiviertel Dorf war auf den Füßen. Das Blütenfest war schon was besonderes.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Zeit als Blütenkönigin?

Der Blütenball. Wenn die Aufregung erstmal weg ist, ist es nur noch Freude. Auch toll waren die Jubiläen in den Jahren 1985 und 2000. In 1985 wurden alle ehemaligen Blütenköniginnen eingeladen, und man konnte sich austauschen. Das ist eine tolle Erinnerung.

Im Jahr 2000 kamen 16 Blütenköniginnen zusammen, und für jede gab es eine eigene Kutsche. Das war genial gemacht. Da war das Wetter traumhaft schön. Leider ist das Wetter zum Blütenfest meist schlecht. In meinem Jahr, da kann ich mich genau dran erinnern, war alles dabei: Schnee, Regen, kurz Sonne und Wind. Das war für die Fahrt im Blütenköniginnen-Cabrio nicht so angenehm.

Gehen Sie auch heute noch zum Blütenfest?

Ich gehe inzwischen nicht mehr so oft zum Blütenball, da das Programm Samstagabends für mich zu lang geworden ist. Aber vor drei Jahren war ich sonntags mit meinen drei Enkelkindern beim Fest, um mit ihnen die Ballons steigen zu lassen.

Als ich die Anfrage für die Interviews mit der aktuellen Blütenkönigin bekommen habe, habe ich mich sehr gefreut, dass man versucht, auf diese Weise das Fest zu beleben und die Tradition fortzuführen, obwohl das Fest nicht richtig gefeiert werden kann. In vielen Dörfern schlafen solche Traditionen ein, doch in Rosbach wird das Fest immer größer.

Als das Thema aufkam, habe ich direkt meine alten Zeitungsartikel herausgeholt. Wenn es mal wieder eine Veranstaltung gibt, bei der alle Blütenköniginnen zusammen kommen, bin ich gerne dabei. Es ist immer spannend sich auszutauschen, da sich das Fest, wie auch die Stadt immer weiter verändern.

Digitales Wiedersehen

Der Rosbacher Bürgermeister Steffen Maar unterstützt die Aktion und schaute sich vorab schon das eine oder andere Interview an. “Wenn ich die Erzählungen höre und die Fotos dazu sehe, fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Ich bin sicher, den Bürgern wird die Aktion genauso gut gefallen wie mir, denn ein Stück Geschichte dieser Stadt wird dadurch in unsere Wohnzimmer gebracht„, sagt Maar.

Die Interviews mit den Majestätinnen können heute ab 14 Uhr unter www.rosbach-hessen.de oder auf dem YouTube-Kanal der Stadtverwaltung angesehen werden.

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