Bewegende Zeremonie

Dr.-Walter-Lübcke-Platz in Rosbach eingeweiht

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Bewegend verlief die Einweihung des Dr.-Walter-Lübcke-Platzes in Rosbach. Christoph Lübcke, Sohn des ermordeten Regierungspräsidenten, appellierte, die demokratische Grundordnung zu verteidigen.

Wind blies, als sich die Menschen am Samstag zur Einweihung des Dr.-Walter-Lübcke-Platzes in Rosbach zusammenfanden. Mit Abstand standen die Stühle nebeneinander, die meisten Anwesenden behielten pandemiebedingt ihre Masken auf. Noch verhüllten Stoff und eine schwarze Schleife den Gedenkstein zu Ehren des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten. Kommunalpolitiker, Repräsentanten aus Land- und Bundestag sowie Vertreter von Kirchen und Vereinen waren da. In der ersten Reihe saßen Irmgard Braun-Lübcke und ihre Söhne Jan-Hendrik und Christoph, der etwas später eine bewegende Rede über seinen Vater halten würde.

Zunächst aber begrüßte Bürgermeister Steffen Maar (parteilos) die Versammlung: »Die Benennung des Platzes nach Dr. Lübcke leistet einen Beitrag, dass seine Person und Werte nicht vergessen werden«, betonte er. Aufgrund der Corona-Krise musste die Veranstaltung laut Maar verschoben werden, nun liege das Ereignis in der zweiten Welle. »Es gibt kein ›zu spät‹ für diesen Anlass«, sagte Maar. Es sei wichtig, sich immer und überall gegen Extremismus und Intoleranz zu stellen: »So wie dies Dr. Lübcke getan hat.«

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) erinnerte an den Verstorbenen. »Er war ein Freund von vielen, die heute hier sind«, sagte er. Lübcke habe lustig und lebendig erzählen können, er sei ein Mensch gewesen, den man mögen musste: »Weil er einfach ein Typ war.« Aber er habe auch sehr ernst sein können. »Er hat sich immer für Menschen interessiert und machte von Anfang an klar, sich in ihren Dienst zu stellen.« Sein Amt habe er als Aufgabe gesehen, um die Welt immerzu ein bisschen besser zu machen. »Vor mehr als einem Jahr wurde er durch ein widerwärtiges Attentat aus dem Leben gerissen«, sagte der Landtagspräsident. Die Lücke nach seinem Tod sei deutlich spürbar. Rhein: »In meine Trauer mischt sich auch Zorn und Wut, weil wir diesen lebensbejahenden Menschen nicht schützen konnten. Und wir mussten feststellen, ein bedrohliches Problem mit Rechtsextremisten zu haben.« Was die Gesellschaft brauche, betonte Rhein, sei eine klare Kultur des Widerstands.

Christoph Lübcke wandte sich zunächst an den evangelischen Posaunenchor Rosbach, der zwischendurch spielte: »Es hat mich sehr bewegt, zuzuhören.« Sein Bruder und er hätten lange Posaune in ihrem Heimatort gespielt, insofern stelle die Musik eine persönliche Verbindung zum Vater her. Die Familie sei stolz, dass der Platz nach ihm benannt werde. »Es schlagen zwei Herzen in unserer Brust: Unser Vater ist nicht mehr da, aber es gibt Menschen, die ihn weiterleben lassen wollen«, sagte Christoph Lübcke. Er appellierte, sich gegen »Deichbrüche« zu stellen, die die Demokratie in Frage stellten. Dazu sei die ganze Gesellschaft aufgerufen. Wie Christoph Lübcke erzählte, sei auch er in der Kommunalpolitik unterwegs. Nach dem Tod seines Vaters habe man ihn gefragt, wieso er das tue und sich Gefahren aussetze. »Aber wir möchten klar Position beziehen. Wir lassen uns das nicht nehmen, wofür unser Vater gestorben ist. Wir werden seine Werte weiterleben lassen und sein Vermächtnis fortleben lassen.« Landrat Jan Weckler (CDU) blickte auf den Moment zurück, als er von Lübckes Tod hörte. »An einen Mord hat zuerst niemand gedacht und erst recht nicht mit rechtsextremem Hintergrund.« Es mache fassungslos. »Solche Anschläge, auch in Halle und Hanau, greifen unser Grundgesetz an, unseren Grundkonsens und zwar fundamental.« Menschen, die sich während der Flüchtlingswelle 2015 für Schutzsuchende einsetzten und Entscheidungen trafen, habe oft der Wind brutal ins Gesicht geweht, auch Walter Lübcke. »Er wurde ermordet, weil er Zivilcourage hatte und sich nicht versteckte. Insofern ist er ein Vorbild für unsere Demokratie.«

Im Anschluss enthüllte die Familie, zusammen mit Maar und Rhein, den Gedenkstein und schaute lang auf das Bild ihres Lieben.

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