Im April ist sie nach Rosbach gezogen und sofort Blütenkönigin geworden: Marisa I. mit ihren Blütenkindern Ella Déal, Madeleine Knechtges und Anais Topp. 	FOTO: PM
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Im April ist sie nach Rosbach gezogen und sofort Blütenkönigin geworden: Marisa I. mit ihren Blütenkindern Ella Déal, Madeleine Knechtges und Anais Topp. FOTO: PM

Interview

Blütenkönigin Marisa I.: Mit Spaß bis zum Blütenfest 2022

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Seit 100 Jahren krönt man in Rosbach alljährlich am letzten Wochenende im April eine Blütenkönigin. Die diesjährige heißt Marisa Henning, aber bisher hat man noch wenig von ihr wahrgenommen. Das soll sich ändern.

Der große Blütenball fiel der Corona-Pandemie zum Opfer, und bei der feierlichen Inthronisation im August in kleiner Gesellschaft musste sich die junge Hoheit selbst die Krone aufsetzen. Im Rathaus fasste man den Entschluss, ihr ein weiteres, hoffentlich ereignisreicheres Jahr als Blütenkönigin zu gönnen. Ihre Amtszeit endet also erst im April 2022. Im WZ-Interview schildert Marisa I., wie sie in der ungewöhnlichen Situation das Beste aus ihrem Amt macht, und wie sie Tradition und Moderne miteinander verbinden möchte.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von den Corona-Einschränkungen erfuhren?

Bitte, bitte - hoffentlich darf das Blütenfest stattfinden... Leider kam dann der Anruf, dass es abgesagt werden muss. Mit daran hing die Absage für den Fototermin, die Schneiderin und auch alle weiteren Veranstaltungen im Sommer, sowie die Fahrten in die Partnerstädte. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, also ich von der Inthronisation im August erfuhr. Da habe ich dann sehr darauf gehofft, dass nicht doch noch etwas dazwischenkommt.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sich selbst krönten?

Ich war etwas aufgeregt und habe gehofft, dass die Frisur nicht kaputt geht und die Krone hoffentlich richtig sitzt, denn schließlich hatte ich keinen Spiegel. Die Blütenmädchen haben dann schnell die Frisur und die Krone überprüft und mir das Okay gegeben, dass alles in Ordnung ist.

Wie fühlt man sich als moderne junge Frau in der traditionellen Rolle einer Blütenkönigin?

Ich freue mich, dass ich solch eine Rolle ausüben darf. Dies ist eine einmalige Chance. Die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert hervorragend und macht viel Spaß. In dem Amt habe ich die Möglichkeit Projekte anzupacken und selbst Ideen einzubringen. Außerdem lerne ich viele Vereine, andere Projekte und vor allem auch unterschiedliche Menschen kennen.

Welche Rolle wollten Sie für die Rosbacher Bürger spielen, als Sie sich als Blütenkönigin bewarben?

Bei meiner Bewerbung dachte ich zunächst bloß, dass ich die Stadt bei offiziellen Veranstaltungen repräsentiere. Nach einem Gespräch mit Marion Hallwirth und der ehemaligen Blütenkönigin Franziska I. wurde mir bewusst, dass hinter dem Amt viel Mühe steckt. In der ersten Zeit wollte ich zunächst einmal die Bürger kennenlernen und vor allem die Kinder. Geplant waren zum Beispiel Besuche im Kindergarten. Das musste jedoch erstmal verschoben werden.

Sie sind erst im April nach Rosbach gezogen. Wer hat Ihnen geholfen, sich im Ort mit all seinen Gepflogenheiten zurechtzufinden? Was hat Ihnen das Einleben erleichtert?

Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und darüber bin ich sehr dankbar. Ich fühle mich sehr wohl hier. Rosbach ist eine moderne und innovative Stadt, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, und ich freue mich Teil dieser Entwicklung zu sein. Rosbach hat mit seinem Wald und den Streuobstwiesen direkt vor der Tür eine wunderschöne Lage und einen hohen Freizeitwert. Da gibt es ein paar Menschen, denen ich sehr dankbar bin. Marion Hallwirth und Tina Danglidis aus dem Rathaus haben direkt ihre Hilfe angeboten, selbst bei meinem Umzug. Eng in Kontakt stehe ich mit Franziska I., die mir direkt Fitnessstudios, Einkaufsmöglichkeiten oder Joggingstrecken zeigte. Durch das Amt bin ich dann zu den Jagdpächtern gekommen, insbesondere Heiko Blecher, der mir die schöne Gegend um Rosbach gezeigt hat. Durch ihn habe ich wieder weitere Menschen kennengelernt. Horst Pauly vom Heimatgeschichtsverein versorgt mich regelmäßig mit interessantem Wissen zur Geschichte der Stadt und nimmt sich immer Zeit, um Fragen zu beantworten.

Hat eine Stadt mit einer Königin, also einer kulturellen Repräsentantin, einen anderen Stellenwert als eine Stadt mit nur einem politischen Repräsentanten?

Repräsentant ist Repräsentant - unabhängig auf welcher Ebene. Sicherlich spricht eine junge Hoheit eine andere Personengruppe an als ein politischer Repräsentant. Gemeinsam kann man die Stadt umso besser repräsentieren. Eine gute Zusammenarbeit ist wichtig. Mit unserem Bürgermeister habe ich an meiner Seite einen professionellen Ansprechpartner, mit dem die Zusammenarbeit sehr viel Spaß macht.

Haben Sie als Blütenkönigin Privilegien?

Ehrlich gesagt, nein. Ich möchte allerdings auch keine Extra-Behandlung. Klar, bin ich die Rosbacher Blütenkönigin, aber trotzdem möchte ich mir selbst treu bleiben und einfach nur Marisa sein.

Wie gelingt es Ihnen, die Stadt trotz Corona »nach innen und außen« zu repräsentieren?

Meine Vorgängerinnen waren bereits bei Facebook aktiv. Den Account durfte ich übernehmen. Auch habe ich einen Instagram-Account erstellt (rosbacher_bluetenkoenigin). Regelmäßig berichte ich dort über Veranstaltungen oder aktuelle Themen und Projekte. Durch den Online-Auftritt kann ich so Kontakt zu Vereinen und den Rosbachern halten, aber auch darüber hinaus Kontakte pflegen und knüpfen. Seit Beginn meiner Amtszeit bin ich auf den Social Media Kanälen aktiv. Dort gab es zum Beispiel im Dezember einen Adventskalender. Außerdem bin ich gelegentlich bei dem Youtube-Kanal der Stadt dabei (discoveRosbach). Des Weiteren halte ich stets Kontakt zur Jugendarbeit und besuche die Jugendzentren etwa bei den Ferienspielen.

Haben Ihre Hobbys unter dem Amt gelitten?

Absolut nicht. Ich habe ausreichend Zeit zum Kochen und um Sport machen. Außerdem kann ich häufig eine Begleitung mit zu Veranstaltungen nehmen. Ansonsten bin ich gut organisiert, sodass ich morgens durch den Wald rennen kann und nachmittags gestylt auf der Bühne stehe - alles eine Frage der zeitlichen Einteilung. Außerdem sehe ich das Amt in gewisser Weise nun auch als Hobby, da ich es sehr gerne ausübe.

Hatten Sie früher mehr Respekt vor Würdenträgern als heute?

Andersrum. Ich habe das Amt zuvor tatsächlich etwas unterschätzt - »bloß auf Veranstaltungen gehen und ein nettes Gesicht machen«. Heute weiß ich, dass hinter einem Amt als Würdenträger viel Vorbereitung und auch Nachbereitung steckt. Heute habe ich mehr Respekt vor der Aufgabe und finde es toll, was andere Hoheiten und alle anderen Würdenträger und auch Ehrenamtliche alles leisten.

Ihre Vorgängerinnen hatten rund 80 Einsätze als Blütenkönigin. Wie viele hatten Sie bisher und welcher Art waren sie?

Die Einsätze sind nicht messbar, da ich mit vielen Personen auch telefonisch Kontakt halte, und meine Aufgaben sich durch die Corona-Pandemie einfach verändert haben. Offizielle Präsenzveranstaltungen gab es jedoch dennoch ein paar. Etwa fanden im Spätsommer die Open-Air-Kulturveranstaltungen an der Wasserburg statt und ich durfte bei der Inthronisation der Rosenkönigin von Steinfurth teilnehmen. Außerdem fanden ein paar Veranstaltungen in der Adolf-Reichwein-Halle statt sowie im Oktober die Einweihung des Dr.-Walter-Lübcke-Platzes.

Sie wollen Botschafterin für die Jugend sein. Hat es bisher Gelegenheiten dazu gegeben?

Viele Sachen laufen im Hintergrund. Regelmäßig stehe ich im Austausch mit der Stadtverwaltung und der Jugendarbeit Rosbach. Sobald es offizielle Neuigkeiten gibt, teilen wir diese natürlich gerne mit.

Was werden Sie zuerst nachholen, wenn die Corona-Beschränkungen aufhören?

Die Kindergartentour! Und Besuche in den Partnerstädten.

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