Fingerschnippen und Füßewippen: Das Publikum freut sich über das Event in der Alten Feuerwache.
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Fingerschnippen und Füßewippen: Das Publikum freut sich über das Event in der Alten Feuerwache.

Ein bisschen Satchmo in Rosbach

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach(sky). "Heute haben wir die Bestätigung dafür, dass eine kleine Besetzung nicht weniger Intensität herüberbringt", sagte ein zufriedener Verzauberwelt-Initiator Gottfried Blöcher anlässlich des Sunday-Morning-Jazz der Clubhouse Jazzband in der Alten Feuerwache. Schon häufiger ist die für ihre Virtuosität bekannte Band in dem alten Gemäuer Homburger Straße zu Gast gewesen - erst zu viert, dann dank der Ergänzung um Schlagzeug und Gesang zu sechst, und nun wieder zu viert, diesmal allerdings in anderer Besetzung als zu den "Gründerzeiten".

Werner Rittershofer am Klavier nutzte die Gelegenheit, aus seinem "Versteck" heraus Piano-Klänge erster Sahne zum Besten zu geben und beeindruckte wieder einmal bei bekannten Titeln wie dem Basin Street Blues oder der Honeysuckle Rose durch Improvisationstalent und Spielfreude. Echtes Jazz-Feeling ergab sich im Zusammenspiel mit Kontrabass, Percussion und Euphonium, und Neuzugang Benny Muhle (vocal) holte mit seiner kehligen Stimme auch ein bisschen Satchmo nach Rosbach. Da genügte ein spontaner Zuruf, um Musik lebendig und erlebbar zu machen, und die Zuhörer mit Leichtigkeit durch die Besonderheiten des Jazz zu führen.

"Lisbeth", der Kontrabass

Man genoss einfach das Gefühl des American Way of Life an einem sonnig-warmen Sonntagvormittag in einer Umgebung, die so viel Individualität und Menschlichkeit ausstrahlte, dass sogar der Kontrabass von Christof Altmann beim Vornamen gerufen wurde. "Lisbeth", wie das bauchige Monstrum mit der kräftigen Schnecke am Ende des Halses liebevoll getauft wurde, ließ es sich denn auch nicht nehmen, die Bühne mit einem Corona-Mund-Nasen-Schutz zu erobern. Launige Kommentare und kurzweilige Einschübe ihres Begleiters wurden von kleinen musikalischen Tupfern aus dem Euphonium von Martin Schürle hervorgehoben, und ein kleiner Spaziergang ("Just a closer walk") endete an diesem warmen Sunday Morning bei den beliebten "Red Roses for a blue Lady".

Im Publikum machten nicht selten Fingerschnippen und Füßewippen die Runde, wenn der nächste Hit aus jazziger Zeit den Raum erfüllte, und hier und da bekamen die Musiker tatkräftige Unterstützung durch das rhythmische Klatschen der Zuhörer, wenn auf der kleinen Bühne so richtig "die Post abging". Zustimmendes Kopfnicken folgte auf die Einladung, mal an einem Montagabend bei einer Bandprobe dabei zu sein und mitzuerleben, wie die Interpretation eines Jazz-Titels entsteht.

Es bleibt zu hoffen, dass das Miteinander von Verzauberwelt Baidergasse und der Clubhouse Jazz Band noch über viele Jahre erhalten bleibt, und dass dem historischen Gemäuer mit den intensiven Farbtönen in seinem Inneren eine lange Zukunft geschenkt sein möge. Schließlich gibt es an diesem Ort immer wieder Beweise dafür, dass Kultur nicht nur in großen Städten wie Frankfurt oder Wiesbaden stattfindet, sondern auch in einer kleinen Taunusstadt wie Rosbach.

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