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Benzindieb wider Willen?

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An der Shell-Tankstelle in Rosbach hat ein 45-Jähriger dreimal getankt, ohne zu zahlen. Jetzt muss er ins Gefängnis.
An der Shell-Tankstelle in Rosbach hat ein 45-Jähriger dreimal getankt, ohne zu zahlen. Jetzt muss er ins Gefängnis. © Nicole Merz

Rosbach/Friedberg (lk). Hat er in drei Fällen an der Shell-Tankstelle in Rosbach getankt, ohne zu zahlen? Oder wurde er Opfer seines Chefs, der ihn beauftragte, Kanister zu befüllen und ankündigte, die Rechnung zu begleichen es aber dann nicht tat?

Das versucht seit Donnerstag Dr. Oliver Buckolt, Richter am Friedberger Amtsgericht, zu klären. Dem Angeklagten, ein 51-jähriger Bad Nauheimer, droht im Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe. Er stand zur Zeit der angeblichen Tat unter laufender Bewährung, hat bereits 22 Vorstrafen.

Laut Anklage soll der 51-Jährige am 10. und 30. Juli sowie am 5. August 2013 für insgesamt knapp 50 Euro in Rosbach getankt, dann aber nicht gezahlt haben. In zwei Fällen sei er sogar in den Verkaufsraum der Tankstelle gegangen, habe sie dann aber wieder verlassen. Der Beschuldigte gab während der Verhandlung zu, Kanister mit Benzin befüllt und nicht bezahlt zu haben. Aber nur, weil sein damaliger Chef gesagt habe, er gehe an die Kasse und bezahle.

»Ich habe die Kanister nicht für mich betankt«, betonte der Angeklagte. Das Benzin sei für die Winkel- und Trennschleifer seines Bosses gewesen. Der habe in der Wetterau, im Kreis Gießen und Frankfurt, aber auch bei Aschaffenburg und Hanau Altmetall eingesammelt und mit dem Werkzeug zerteilt. Kennengelernt habe er den Mann vor dem Arbeitsamt. Nach seinem monatelangen Drogenentzug habe er einen Job gebraucht, besagter Schrotthändler habe ihn angesprochen, gesagt, er könne einen Monat bei ihm Probearbeiten.

Einen Vertrag habe er nicht bekommen, genausowenig wie die Kontaktdaten des Mannes. Der habe ihn täglich mit seinem Lieferwagen, »einem orangefarbenen Mercedes-Transporter«, an einer Tankstelle in Bad Nauheim abgeholt. Dann habe er in der Regel fünf bis zwölf Stunden pro Tag für den Mann gearbeitet, habe Altmetall auf die Transporterfläche gezogen. Als er nach etwa drei Wochen um eine Festanstellung und Gehalt gebeten habe, sei er auf den Folgetag vertröstet worden. Doch an dem Tag sei sein Chef einfach nicht erschienen. »Ich habe keinen Cent Gehalt gesehen.« Der Mann habe sich nie wieder bei ihm gemeldet. Er habe bereits das Internet nach ihm abgesucht. Das Kennzeichen des Transporters habe er sich nicht gemerkt.

Filialleiterin: Er hat auf Pump getankt

Von den unbezahlten Tankrechnungen habe er nur durch Zufall erfahren. »Ich bin in die Shell rein und dann sagte mir eine Verkäuferin, dass ich Hausverbot habe«, berichtete der Bad Nauheimer. Er habe nach dem Warum gefragt, die Kassiererin habe geantwortet: »Das wissen Sie besser als ich.« Er habe Kontakt mit der Leiterin der Tankstelle aufgenommen, habe ihr die Situation erklärt und ihr gesagt, dass er die Rechnungen begleichen werde. Doch das habe er nicht mehr geschafft, da er wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe im September 2013 ins Gefängnis musste. Er habe der Filialleiterin aus der Haft heraus zwei Briefe geschrieben, sein Anwalt habe das Benzin dann im Dezember bezahlt. »Ich tanke seit fünf Jahren dort. Die Mitarbeiter kennen mich. Ich würde so etwas nie machen«, betonte der Angeklagte.

Die Leiterin der Tankstelle bestätigte, dass der 51-Jährige telefonisch und schriftlich Kontakt zu ihr gesucht habe. Sie selbst kenne den Mann nicht, aber einige der Kassierer. Der Angeklagte habe schon öfter Schuldeingeständnisse unterschreiben müssen, »weil er auf Pump getankt hat«, sagte die 63-Jährige.

Noch ist kein Urteil gesprochen worden. Die Shell-Angestellten, die an den angeblichen Tattagen Dienst hatten, oder die den Angeklagten kennen, sollen gehört werden. Auch will Richter Buckolt den Schriftverkehr zwischen der Tankstellenleiterin und dem Angeklagten einsehen.

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