Die beiden oberen Geschosse des Alten Rathauses sind baufällig und müssen dringend saniert werden. Der Saal im unteren Teil wird derzeit von Vereinen regelmäßig genutzt.
+
Die beiden oberen Geschosse des Alten Rathauses sind baufällig und müssen dringend saniert werden. Der Saal im unteren Teil wird derzeit von Vereinen regelmäßig genutzt.

Sanierung

Altes Rathaus Ober-Rosbach: Arbeiten sollen im nächsten Jahr starten

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
    schließen

Marode Balken, loser Putz, kaputter Boden: So sieht es derzeit im Obergeschoss des Alten Rathauses in Ober-Rosbach aus. Das könnte sich bald ändern, denn das Gebäude soll saniert werden.

Büroräume, ein Adolf-Reichwein-Museum, ein Café oder ein Treffpunkt für Jung und Alt. Ideen gibt es viele, was im Alten Rathaus in Ober-Rosbach entstehen könnte. Das historische Gebäude aus dem 16. Jahrhundert soll saniert werden. Zurzeit können nur die Räume im Erdgeschoss genutzt werden. Der Rest des Hauses ist baufällig. Im Obergeschoss bröckelt der Putz von der Wand, Balken sind marode, das Dach muss abgestützt werden. Der Boden ist aufgerissen und die Dämmung kommt zum Vorschein.

"Es muss jetzt etwas passieren", sagt Bürgermeister Steffen Maar beim Rundgang durch das Gebäude. Das Alte Rathaus sei nicht nur ein Wahrzeichen Rosbachs, sondern werde auch von den Vereinen gebraucht. Der Ortsbeirat halte in der ehemaligen Gastwirtschaft seine Sitzungen ab, manchmal gebe es auch Vorträge oder kleine Konzerte.

Altes Rathaus Ober-Rosbach: Zwei Millionen Euro eingeplant

Was mit dem Alten Rathaus passiert, will die Stadt nicht alleine entscheiden. Bereits im November vergangenen Jahres hatte sie deshalb zu einer Bürgerwerkstatt eingeladen, bei der die Bürger ihre Ideen und Wünsche äußern konnten. Das Interesse daran war groß. "Rund 90 Bürger sind gekommen", sagt Maar. Dabei hätte sich ein Großteil für die Erhaltung des Gebäudes ausgesprochen. Und dafür, dass es in öffentlicher Hand bleibe. "Das Alte Rathaus hat für viele eine emotionale Bedeutung", sagt Maar.

Auch für Horst Pauly, den zweiten Vorsitzenden des Heimatgeschichtsvereins, der seine Geschäftsstelle um die Ecke hat, wäre ein Abriss oder Verkauf des Alten Rathauses unvorstellbar. Es liegt ihm am Herzen. "Aber", sagt er, "eigentlich hätte sich schon viel früher etwas tun müssen." Ortsvorsteher Christian Lamping hat einen Förderverein gegründet, um die Erhaltung, Sanierung und Nutzung des alten Rathauses zu sichern.

Was genau umgesetzt wird, steht noch nicht fest. "Wir nehmen die Ideen mit in Fachgespräche", sagt Maar. Gemeinsam mit der Verwaltung, Architekten und dem Denkmalschutz werde überlegt, was machbar sei. Dann solle noch eine zweite Bürgerwerkstatt stattfinden.

Viele Bürger hätten sich gewünscht, dass das Alte Rathaus öffentlich zugänglich bleibe und für soziale und kulturelle Projekte genutzt werde, sagt Maar. Alle drei Geschosse sollen nach der Sanierung wieder zugänglich sein und die Räume möglichst vielseitig genutzt werden können. Einige Vereine bräuchten zum Beispiel Lagermöglichkeiten.

Das große Fenster mit den zwei Wappen im Untergeschoss soll, wenn möglich, erhalten bleiben. Auch wenn es vermutlich erst in den 80er-Jahren nachgerüstet wurde. "Auf alten Bildern ist das Fenster nicht drauf", weiß Maar. Auch das Nebengebäude, in dem derzeit unter anderem der VdK und das Trauzimmer untergebracht sind, werde in die Planungen einbezogen.

Im Haushalt seien für die Sanierung des Alten Rathauses zwei Millionen Euro eingestellt, die sich auf die Jahre 2020 bis 2022 verteilten. Bis Ende des Jahres sollen die Planungen abgeschlossen sein, 2021 könnte es dann mit den Arbeiten vor Ort losgehen. "Die Beteiligung der Öffentlichkeit kostet Zeit", sagt Maar. "Aber das nehmen wir gerne in Kauf, schließlich sollen die Bürger die Entscheidung mittragen."

Altes Rathaus Ober-Rosbach: Schöffengericht und Bankfiliale

Das Alte Rathaus liegt an der alten Handelsstraße am Marktplatz in Ober-Rosbach. Der Heimatgeschichtsverein nimmt an, dass die Bauzeit um 1550 lag. Im unteren Stockwerk befand sich damals eine Gemeindewirtschaft, die auch als Wachlokal für den Nachtwächter genutzt wurde, wie Unterlagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert bezeugen. Obdachlose und Gefangene wurden dort ebenfalls verköstigt. Im Obergeschoss tagte das Schöffengericht. Dort gab es auch Räume für Versammlungen und Versteigerungen sowie Wohnräume für den Gastwirt. Eine Treppe führte zum doppelstöckigen Speicher.

Wie das Wahrzeichen des ehemaligen Schöffengerichts zeigt, durfte im Alten Rathaus auch die Todesstrafe verhängt werden. Sogar ein Gefängnis gab es in einem Nebengebäude. Aus einem Gerichtsprotokoll von 1825 geht hervor, dass ein Ober-Rosbacher wegen Hühnerdiebstahls zwei Tage Strafe im Gefängnis verbüßen musste.

1793 wurde gegenüber dem Rathaus ein weiteres Gebäude gebaut, mit einem Schlafraum für Obdachlose und einer Wurstküche für den Gemeindewirt. Heute befindet sich dort unter anderem das Trauzimmer. Bis 1939 befand sich im Alten Rathaus auch die Bürgermeisterei von Ober-Rosbach. Danach dienten die Räume verschiedenen Zwecken, bis man sie zu Wohnungen umbaute. 1971 schloss die Gastwirtschaft. Der letzte Gemeindewirt war Georg Gröninger. Das Haus wurde verkauft. Daraufhin stand es einige Zeit leer, bis es die Stadt, gemeinsam mit der Sparkasse Wetterau, zurücknahm. Die Bank richtete 1978 im Erdgeschoss eine Filiale ein. Im Obergeschoss waren bis vor einigen Jahren noch Teile der Stadtverwaltung untergebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare