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Alarmstufe Rot auch in Rosbach

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach(sky). Tausende Mitarbeiter und Selbstständige aus der Veranstaltungsbranche demonstrierten am Mittwoch in Berlin für mehr Gerechtigkeit gegenüber ihrer Branche in Corona-Zeiten. In Rosbach sitzen gleich mehrere Firmen aus der Branche, etwa der Messestandbauer IBC.

Während andere, weit kleinere Branchen in den Mittelpunkt gestellt würden und mit Unterstützung rechnen dürften, gingen sie immer öfter leer aus, klagen Kulturschaffende, Messebauer, Beleuchter, Eventfirmen und andere Betroffene. Sie zogen aus Protest und als Warnung vor einem Kollaps "ihr letztes Hemd" aus und legten es auf den Rasen vor dem Reichstag. "Alarmstufe ROT" lautete die Devise, unter der sich ein breites Bündnis zusammengetan hatte.

In Rosbach solidarisierte sich der Messestandbauer IBC und der Messebeleuchter Floodwave aus Ockstadt mit den Demonstrierenden in der Bundeshauptstadt, indem sie das IBC-Firmengebäude in der Rosbacher Carl-Benz-Straße bis tief in die Nacht hinein rot anstrahlten. Tief rot sind auch die Umsatzzahlen der beiden Unternehmen, die noch zu Jahresbeginn mit einem außerordentlich guten Geschäftsjahr gerechnet hatten. Die Auftragsbücher waren prall gefüllt, bis sich das Blatt im März coronabedingt schlagartig wendete. "Am 6. März kam die erste Stornierung, und dann ging es Schlag auf Schlag", sagt IBC-Geschäftsführerin Irmina Bültmann. Manche Messestände waren bereits auf Lkw verladen und auf dem Weg zum Bestimmungsort, als die Absage kam. Nicht immer hat sich die Frage, wer dann die Kosten zu tragen hat, zufriedenstellend lösen lassen. "Wir befanden uns oft in extremen Grenzsituationen, denn einerseits wollten wir die Kunden nicht verlieren, andererseits aber nicht auf den Kosten sitzen bleiben", ergänzt ihr Neffe Arnim Scheugenpflug. Er hatte zum zweiten Quartal 2020 die Firma als Nachfolger übernehmen wollen - ein Risiko, auf das er sich schließlich doch nicht einlassen wollte. Irmina Bültmann und ihr Mann Ulrich machen weiter.

Vor drei Jahren hatte IBC den Neubau in der Carl-Benz-Straße bezogen. "Im Februar waren wir wieder schuldenfrei, doch dann machte Corona einen Strich durch die Rechnung", schildert die Geschäftsführerin. Nach und nach mussten alle 18 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. "Wer aber ein halbes Jahr lang absolut nichts zu tun hat, verliert die Lust am Arbeitsplatz", weiß auch Stephan Meuser von Floodwave. Beide fordern mehr Flexibilität beim Kurzarbeitergeld.

"Wir Unternehmer kämpfen genau wie unsere Mitarbeiter um das wirtschaftliche Überleben." Da seien eindeutige Richtlinien wichtig, doch die vermisse man mehr und mehr. Bei der Überbrückungshilfe sei es ähnlich. Die bemesse sich an den Umsatzzahlen, doch bei rund 100 000 Euro monatlichen Nebenkosten müsse das Unternehmen erst einmal genau so viel Umsatz machen, bevor echte Einnahmen generiert werden. "Liegt der Umsatz - und das ist nicht gleichbedeutend mit Gewinn - nur um wenige Euro zu hoch, muss die gesamte Hilfe zurückgezahlt werden", klagt Scheugenpflug. Außerdem bedeute ein Auftrag nicht automatisch, dass auch sofort Geld in die Kasse fließt. Bis das Geld kommt, müsse man überbrücken.

Keine Vorlaufzeit

Alle drei bemängeln, bei den derzeitigen Regelungen keine Planungssicherheit zu haben. Es würden zum Beispiel auch die Höchstgrenzen bei den Teilnehmerzahlen zu variabel gehandhabt, heißt es bei dem europaweit tätigen Unternehmen. Von Ort zu Ort und von Woche zu Woche gebe es neue Vorgaben, die über das Zustandekommens einer Messe oder eines Events entscheiden. "Wir brauchen aber Vorlaufzeit für unsere Planungen, um zuverlässig arbeiten zu können", sind sich Bültmann und Meuser einig. Die Unterstützung durch die Regierung lasse zu wünschen übrig. Neuestes Beispiel sei die Absage der Frankfurter Buchmesse.

Ein weiteres Problem ist in beiden Betrieben die Lehrlingsausbildung. "Wenn wir keine Arbeit für die Azubis haben, können wir ihnen beim besten Willen auch nicht zeigen, wie etwas funktioniert", sagt Arnim Scheugenpflug. Den jungen Leuten fehle ein ganzes Jahr in der Ausbildung. "Ich weiß nicht, wie sie ihre Prüfungen ablegen sollen."

Die Sorgen sind also groß, und noch ist keine Lösung in Sicht - während die Kosten weiterlaufen. "Bald sind auch die letzten Reserven aufgebraucht", fürchtet Irmina Bültmann. Doch sie ist sich auch sicher: "Wir lassen uns nicht unterkriegen."

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