72-jähriger "Waffennarr" muss ins Gefängnis

Rosbach v. d. H./Friedberg (lk). Nicht nur eine halbautomatische Pistole, sondern auch jede Menge Munition hatten Polizisten bei einer Hausdurchsuchung zu Beginn des Jahres bei dem 72-jährigen Dietmar F. (Name geändert, die Red.) gefunden.

Da der als "Waffennarr" bekannte Mann jedoch keinen Waffenschein hat, noch eine Sondergenehmigung ihm erlaubt, eine Waffe zu besitzen, musste der Rosbacher sich am Dienstag vor dem Friedberger Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange verantworten. Das Gericht entschied: Dietmar F., der bereits mehrfach wegen ähnlicher Delikte aufgefallen ist, muss für ein Jahr ins Gefängnis.

Dietmar F. räumte die Vorwürfe der Anklageschrift ein, wonach er neben jeder Menge Munition auch eine Pistole unerlaubt besessen hat. Die Schusswaffe, die zu einer Halbautomatik umgebaut worden war, hatten Polizisten bei einer Durchsuchung von Wohnhaus und Grundstück des 72-Jährigen im Februar dieses Jahres gefunden.

Dietmar F. teilte dem Gericht mit, dass er mit Platzpatronen Stare verjagen würde, die sich über seine Obsternte hermachten. Auch sein Vater und sein Großvater hätten die Vögel auf diese Weise vertrieben. Die Platzpatronen habe er in den 1970er Jahren von einem Landwirt bekommen. "Die waren damals noch frei, seit wann die unter das Waffengesetz fallen, das weiß ich nicht", sagte der Pensionär, bei dem allerdings nicht nur Platzpatronen gefunden worden waren.

"Mein Mandant macht keinen Hehl daraus, dass bei ihm eine gewisse Begeisterung für Waffen vorhanden ist – um es mal vorsichtig auszudrücken", sagte Verteidiger Jürgen Häller.

Der 72-Jährige ist bereits öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Mehrfach stand er wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht. 1992 wurde er wegen Nötigung mit unerlaubten Führens einer Waffe verurteilt. 1994 hatte er auf Flohmärkten in Wetzlar und Frankfurt unerlaubt einen Revolver und eine Pistole gekauft, und 2001 sowie 2003 stand er erneut wegen Verstößen gegen das Waffengesetz vor Gericht.

Richter Dr. Markus Bange wusste durch Gerichtsakten von einem Vorfall, bei dem Dietmar F. alkoholisiert in Friedberg unterwegs gewesen war und einem Unbekannten gedroht hatte, ihm "das Bein wegzuschießen". Auch hatte der 72-Jährige seine Ehefrau vor einigen Jahren bedroht und geschlagen.

Die Hausdurchsuchung beim Rosbacher war erwirkt worden, weil er seinen Nachbarn bei einem Streit mit einer Motorsäge bedroht haben soll, das Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Eine Polizistin, die bei der Hausdurchsuchung dabeigewesen war, sagte, F. habe ihr damals erzählt, er fühle sich bedroht, sein Haus sei nicht gut gesichert. Zudem habe er ihr mitgeteilt, er vertreibe damit Vögel.

Staatsanwältin Dr. Catrin Finger sprach sich für eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung aus. F. solle zudem 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Der 72-Jährige neige zur Gewalt, laufe mit seinem Colt durch die Gegend und prahle damit, diesen auch einzusetzen. Verteidiger Jürgen Häller sagte, sein Mandant habe sich seit 2008 relativ ruhig verhalten, bei vielen vorherigen Straftaten sei Alkohol im Spiel gewesen, daran arbeite F. jedoch. Der Rosbacher sei mit Waffen aufgewachsen, erinnerte der Rechtsanwalt. Sechs Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 500 Euro sollten es sein.

Richter und Schöffen verurteilten Dietmar F. letztlich zu einer einjährigen Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Seit 2001 seien drei Strafen gegen F. zur Bewährung ausgesetzt worden. Das Gericht sehe sich außer Stande, das noch einmal zu tun, begründete der Richter die Entscheidung. Dietmar F. sei bereits vor einigen Jahren gesagt worden, dass er keine Schusswaffen haben dürfe, dennoch hätten mehrere Waffen griffbereit in seinem Haus gelegen.

Von einer positiven Sozialprognose könne nicht ausgegangen werden, sagte der Richter zu F., dessen Gesicht sich zunehmend rötete. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Foto: dpa)

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