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Hilfsprojekt

Rockenbergerin startet Hilfsprojekt in Ecuador und bittet um Spenden

Eigentlich wollte Jenny Bayer nur dem Winter in Deutschland entfliehen. Deshalb ist sie im Januar nach Ecuador geflogen. Doch wegen der Ausbreitung des Corona-Virus steckt sie dort fest - und hat kurzerhand ein Hilfsprojekt ins Leben gerufen.

Jenny Bayer steht vor einem großen Tisch. Darauf sind Lebensmittel wie Reis, Mehl, Haferflocken und Thunfisch ausgebreitet. Jeweils eine Packung kommt in eine blaue Plastiktüte. Bayer verschließt sie und legt sie in einen Karton. Den wird sie später zu einer Familie im Ort bringen.

Jenny Bayer lebt zurzeit in Olón, einem kleinen Küstenort in Ecuador. "Eigentlich wollte ich nur den Winter hier verbringen", sagt die 32-Jährige, die aus Rockenberg kommt und inzwischen in Berlin lebt. "Aber jetzt stecke ich fest. Men Rückflug wurde gestrichen, ein neues Datum ist vor Juli nicht in Sicht."

Ecuador gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern in Südamerika. Vielerorts wird von Leichen auf den Straßen und überforderten Krankenhäusern berichtet. Offiziell soll es rund 24 000 bestätigte Infektionen und über 800 Todesfällen geben. "Die realen Zahlen liegen aber viel höher", sagt Bayer.

Corona-Hilfe in Ecuador: Tourismus zusammengebrochen

Olón gilt als Surferparadies. Mit langen Stränden, vielen kleinen Restaurants, Bars und Surfschulen. "Die Menschen hier leben vom Tourismus", sagt Bayer. "Sie verdienen tagsüber das, was sie am Abend oder am nächsten Tag essen." Doch der Tourismus ist wegen des Corona-Virus komplett zusammengebrochen. Seit sechs Wochen schon dürfe niemand mehr surfen. Dabei sei bis Mai eigentlich Hauptsaison. "Viele meiner Freunde wissen nicht, wie sie sich und ihre Familie jetzt versorgen sollen." Die Arbeitslosigkeit sei von einem auf den anderen Tag auf 90 Prozent angestiegen.

Deshalb hat Bayer ein Hilfsprojekt gestartet, gemeinsam mit anderen Europäern, die in Olón leben oder gestrandet sind, und ecuadorianischen Freunden. Über Facebook rief sie Anfang April zu Spenden auf. "In weniger als 24 Stunden hatten wir genug Geld beisammen, um direkt am nächsten Tag die ersten 20 Essenspakete zu verteilen." Mit einem Paket könne sich eine Familie ein paar Tage ernähren. "Zwei US-Amerikaner, die in Olón leben, haben ein Video über unsere Aktion gedreht und über Youtube Spenden gesammelt."

Corona-Hilfe in Ecuador: Über 500 Pakete verteilt

Inzwischen stellt die Gruppe täglich rund 45 Pakete mit Lebensmitteln zusammen. "Wir konnten so insgesamt schon über 500 Essenspakete verteilen." Und es sollen noch mehr werden. Denn seit vergangenem Freitag gibt es die ersten Corona-Fälle in Olón. Das Militär ist vor Ort, ab 14 Uhr gilt eine Ausgangssperre. "Wir dürfen unsere Pakete aber trotzdem am Nachmittag verteilen, dabei werden wir vom Militär begleitet", sagt Bayer. Angst habe sie keine. Die Gruppe müsse jetzt aber noch besser darauf achten, das Virus nicht von Haus zu Haus zu tragen. Deshalb warte sie auf Schutzanzüge.

Der Ort ist in Sektoren unterteilt. Jeden Tag wird in einem anderen verteilt. "Manchmal leben bis zu 16 Leute gemeinsam in einem Haus", erzählt Bayer. Die Lebensmittel kauft das Team am Vormittag im Supermarkt ein, inzwischen haben sie Verträge mit Bauern und Bäckereien geschlossen. Die Zusammenarbeit, auch mit den Verantwortlichen im Ort, klappe gut. Schon vor Corona sei die Hilfsbereitschaft groß gewesen. "Die Menschen hier denken nicht an morgen. Was heute zu viel ist, wird geteilt." Oft bekomme sie von ihren Nachbarn Obst aus dem Garten geschenkt. Diese Mentalität ist es, die Bayer schon 2018, bei ihrem ersten Besuch in Olón, so gut gefallen hat.

Corona-Hilfe in Ecuador: Hilfsprojekt soll Zukunft haben

Nach aktuellem Stand geht es für sie nicht vor dem 1. Juli zurück nach Deutschland. Die Rückholflüge der Bundesregierung kommen logistisch nicht in Frage, denn sie starten von der rund neun Stunden entfernten Hauptstadt Quito. Bayer sieht das aber recht entspannt. "Ich möchte in Olón eine Surfschule eröffnen", sagt sie. Das sei auch der Grund für ihren Besuch. "Ich kann mir vorstellen, hier zu leben."

Auch das Hilfsprojekt soll eine Zukunft haben. Das Virus sei gerade erst angekommen. Ab Mai starte zudem die Regenzeit, ohne Einnahmen. "Der Tourismus ist ein wackeliges Standbein", sagt Bayer. Aus dem Hilfsprojekt könnte eine Hilfsorganisation werden. "Die Menschen hier sind zurzeit mehr denn je auf Hilfe von außen angewiesen. Und sie werden auch in Zukunft Unterstützung brauchen."

Corona-Hilfe in Ecuador: So kann gespendet werden

"Schon jede kleine Spende hilft", sagt Jenny Bayer. Ein Essenspaket koste zurzeit rund 10 Dollar. Das sind etwa 9 Euro. Für diesen Betrag kann sich eine Familie einige Tage versorgen. Wer spenden möchte, kann dafür PayPal nutzen und das Geld an jennifer.bayer279@gmail.com senden oder den Spendenbetrag auf ihr Bankkonto in Deutschland überweisen: Volksbank Mittelhessen, Jennifer Bayer, IBAN: DE 94 51 39 00 00 00 86 22 11 01, Betreff: Hilfe Ecuador. Weitere Informationen zur aktuellen Entwicklung postet Jenny Bayer auf ihrer Facebook-Seite.

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