Rockenberg

Wetterau: Obstbaum-Enkel und gelbe Bänder - Pflanzprojekt in Rockenberg startet

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Herbstzeit ist Apfelzeit - und Äpfel gibt es einige in der Wetterau. Deshalb setzt sich der NABU Rockenberg nun mit einem besonderen Projekt für den Erhalt der Streuobstflächen ein.

Wetteraukreis (sda). Herbstzeit ist Apfelzeit. Und Äpfel gibt es einige in der Wetterau. »Der Wetteraukreis gehört mit seinen rund 230 000 Obstbäumen auf einer Fläche von annähernd 3000 Hektar zu den streuobstreichsten Landkreisen Hessens«, heißt es auf der Webseite des Naturschutzfonds Wetterau. Doch das ist nur eine Seite. Die andere, wie es weiter heißt: »Streuobstflächen sind vielerorts überaltert und durch mangelnde Nutzung und Pflege gefährdet.«

Daher engagierten sich Naturschutzgruppen, Obst- und Gartenbauvereine, Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden sowie Städte und Gemeinden für den Erhalt der Flächen.

Wetterau: Baumbestellungen bei NABU Rockenberg möglich

So nun auch in Rockenberg: Dort hat die örtliche Arbeitsgruppe des NABU die Aktion »Obstbaum sucht Enkel« ins Leben gerufen. »In den Rockenberger und Oppershofener Gemarkungen gibt es einige Streuobstwiesen. Zum Erhalt dieser wertvollen Flächen ist eine Verjüngung unbedingt notwendig«, heißt es in der Ankündigung der Aktion.

Wer eine Streuobstwiese im Gemeindegebiet besitzt oder gepachtet hat, kann bis zum 20. Oktober einen jungen Obstbaum beim Ortsverband des NABU bestellen, um diesen auf seiner Fläche einzupflanzen. Zu dem Paket, das dank eines Zuschusses der Gemeinde 30 Euro kostet, gehört neben dem Obstbaum auch ein Pfahl, Anbindestrick und Maschendraht. Zudem hat sich die Firma Weil bereiterklärt, beim Baggern der Pflanzlöcher auf Nachfrage behilflich zu sein, berichtet Pia Rolly vom NABU.

Wetterau: »Das ist ein Projekt für unsere Enkel«

Der Name für die Aktion, sagt Rolly, sei deswegen ausgewählt worden, weil eine Obstbaumpflanzung ein langfristiges Projekt sei. Der Baum, der geliefert wird, ist noch jung und braucht einige Jahre, bis er Früchte trägt. Bis er seine volle Kraft entfalte, dauere es zehn Jahre. Deswegen der Name: »Das ist ein Projekt für unsere Enkel.« Zudem ist es mit der Pflanzung allein nicht getan: Der Baum muss gepflegt werden. Schneiden sei kein Muss, wenn man jedoch einen guten Ertrag haben wolle, schon. Die Bäume, die ab sofort bestellt werden können (siehe Kasten), werden am 6. November ausgeliefert - und sollen dann auch schnellstmöglich eingepflanzt werden.

Rund um die Streuobstwiesen im Gemeindegebiet sei für kommendes Jahr ein weiteres Projekt geplant, sagt Rolly: die Gelbe-Band-Aktion, die schon in vielen Kommunen in Deutschland läuft und immer beliebter wird. Kommunen, aber auch Privatbesitzer, die Streuobstflächen haben, die nicht verpachtet sind und auf denen nicht geerntet wird, markieren Bäume mit einem gelben Band. Das heißt: Hier kann jeder kostenfrei ernten. Zum Beispiel von Bäumen im Butzbacher Stadtgebiet.

Wetterau: Markierte Bäume für Selbstpflücker

Wie Thorsten Haver von der Stadtverwaltung berichtet, hat sich Butzbach dieses Jahr der Aktion angeschlossen. Bisher sind zehn Bäume markiert, die auf städtischen Flächen stehen - ein Birnenbaum sowie neun Apfelbäume. Theoretisch gibt es noch mehr Bäume, die infrage kommen, sagt Haver. Nur sei dieses Jahr kein gutes Erntejahr, deswegen habe man keine Bäume markiert, die keine Früchte tragen.

Wer als Obstbaumbesitzer ebenfalls seinen Baum für Selbstpflücker zur Verfügung stellen möchte, kann sich an die Stadt wenden (0 60 33/99 5-2 07), die die Markierung übernimmt, oder man kann den Baum selbst mit einem gelben Band markieren.

Bäume in Rockenberg bestellen:

Um die Streuobstwiesen zu verjüngen, hat die örtliche Arbeitsgruppe des NABU das Projekt »Obstbaum sucht Enkel« gestartet, das von der Gemeinde bezuschusst wird. Voraussetzung für den Zuschuss ist die Pflanzung auf nicht eingezäunten Grundstücken außerhalb der bebauten Ortslagen und die Verpflichtung, die Bäume auf Dauer zu pflegen. Das Bestellformular gibt es auf der Website der Gemeinde (unter »Natur & Umwelt«) oder in Papierform auf der Gemeinde. Bestellungen können ab sofort bis zum 20. Oktober erfolgen. In der Ankündigung des Projekts heißt es weiter: »Die Streuobstwiesen Deutschlands sind mit weit über 5000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sowie rund 6000 Obstsorten biologische Hotspots der Artenvielfalt. Auch deswegen wurde die Streuobstwiese im Frühjahr 2021 in die deutsche Liste des ›Immateriellen Kulturerbes‹ aufgenommen. Abgesehen davon liefern sie Obst aus der Region, das zu leckeren Produkten weiter verarbeitet werden kann.«

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