Abt Weitzel starb vor 200 Jahren

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Heute vor 200 Jahren, am 15. Februar 1819, um 4 Uhr morgens, starb Prälat Alexander Weitzel, 53. und letzter Abt von Kloster Arnsburg, in seinem Geburtsort Rockenberg. Alexander Fiolka, Vize-Vorsitzender des Kultur- und Geschichtsvereins Oppershofen, erzählt seinen Lebenslauf.

Heute vor 200 Jahren, am 15. Februar 1819, um 4 Uhr morgens, starb Prälat Alexander Weitzel, 53. und letzter Abt von Kloster Arnsburg, in seinem Geburtsort Rockenberg. Alexander Fiolka, Vize-Vorsitzender des Kultur- und Geschichtsvereins Oppershofen, erzählt seinen Lebenslauf.

Alexander Weitzel erblickte am 8. September 1750 in Rockenberg als Sohn des Lehrers Georg Andreas Weitzel und seiner Frau Anna Juliana, eine geborene Schmitt aus Oppershofen, das Licht der Welt. Die Eltern gaben ihm bei der Taufe den Namen Johann Wilhelm. Alexander, seinen Ordensnamen, erhielt er erst, als er um das Jahr 1769 in die Zisterzienserabtei Arnsburg eintrat.

1803 aus dem Kloster vertrieben

Alexander Weitzel hatte sieben Geschwister, von denen zwei weitere einen geistlichen Beruf ergriffen: Sein ältester Bruder wurde Karmeliter in Frankfurt, eine Schwester wurde Prämonstratenserin in Kloster Altenberg bei Wetzlar. Alexander Weitzel immatrikulierte sich an der Universität in Mainz und studierte dort Philosophie. Zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag schloss er das Studium mit dem Magisterabschluss ab.

Kurz darauf trat er ins Zisterzienserkloster Arnsburg ein, das von einem anderen Rockenberger, Petrus Schmitt, als Abt geleitet wurde. Am 18. Dezember 1773 wurde ihm in Mainz die Priesterweihe gespendet. 1787 wurde er in einer Konventliste als Subprior und Novizenmeister genannt.

1795 ernannte ihn sein Abt zum Propst in das Arnsburg unterstellte Zisterzienserinnenkloster Engelthal. Dort versah er vier Jahre unter anderem das Amt des Spirituals und Beichtvaters der Nonnen. Gleichzeitig war er als Propst – gemeinsam mit der dortigen Äbtissin – verantwortlich für den Engelthaler Ökonomiebetrieb. Da die Kloster- kirche auch als Pfarrkirche für die Katholiken der umliegenden Gemeinden diente, künden zahlreiche Eintragungen von Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen in den Kirchenbüchern von seiner dortigen Tätigkeit.

Anfang Juni 1799 trat der bisherige Abt von Arnsburg, Bernhard Birkenstock, aus Altersgründen zurück. Aus der Wahl am 19. Juni ging Weitzel als 53. Abt des Wetterauklosters hervor. Drei Monate später, am 22. September 1799, wurde er in der Kirche des Arnsburger Hofgutes Wickstadt zum Abt benediziert. Als Vorsteher Arnsburgs waren Weitzels Tage jedoch bald gezählt: 1803 wurden im Reich alle Klöster aufgehoben, so auch Arnsburg, und die Ordensleute wurden aus ihren angestammten Häusern vertrieben.

Weitzel zog mit fünf weiteren Mönchen und einem Laienbruder nach Rockenberg, erst in einen Teil des ebenfalls säkularisierten Klosters Marienschloss. Mit seiner reichlichen Pension durch die Grafen von Solms, die nun die neuen Herren von Arnsburg waren, konnte er ein Haus bauen, das er 1806 mit den Seinen bezog – das heutige Rathaus.

In den folgenden Jahren musste Weitzel alle seine Mitbrüder beerdigen, bis er selbst am 15. Februar 1819 im Alter von 68 Jahren an "Zehrung und Schleimschlag" starb. Wenige Tage darauf wurde er auf dem Friedhof beigesetzt, sein Grabstein existiert noch.

In seinem Testament vermachte er seiner Heimatpfarrei alle liturgischen Gegenstände und Gewänder, die er von Arnsburg mitgebracht hatte. Außerdem bestimmte er 200 Gulden für ein jährlich zu haltendes Seelenamt, 800 Gulden als Armenkapital und 100 Gulden für die Schulkinder.

2007 hat der Kultur- und Geschichtsverein Oppershofen einen Punkt aus dem Testament aufgegriffen, in dem Weitzel verfügte, dass alle Schulkinder in der Gemeinde einmal im Jahr – zu dessen Todestag – ein Zipfelbrötchen erhalten sollten. In Zusammenarbeit mit der Sandrosenschule lässt der Verein nun schon zum 13. Mal diese Tradition wiederaufleben. Darüber hinaus werden die Schüler mit einem Faltblatt über Weitzels Person und seine Stiftung informiert. (Fotos: pv)

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