Norbert Röstel von der Bürgerinitiative warnt vor Gesundheitsschäden durch Windkraftanlagen.
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Norbert Röstel von der Bürgerinitiative warnt vor Gesundheitsschäden durch Windkraftanlagen.

"Wahnsinn, hier Windpark zu errichten"

Rockenberg-Oppershofen (fef). "Ich fühle mich von der Politik hintergangen." Oder: "Das ist ein Unding, was die mit uns machen." Solche Aussagen waren am Freitag im vollen Sportlerheim zu hören. Dorthin hatte die Bürgerinitiative eingeladen, um über die Risiken von Windkraftanlagen zu informieren.

Besonders die Angst vor Gesundheitsschäden treibt die Menschen um. Darüber werde viel zu wenig geredet, sagte Mitorganisator Norbert Röstel. Mehr noch: In Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung bekomme man das Gefühl, dass diese Debatte unerwünscht sei. Konkret fürchten sich die Initiatoren vor Schlafstörungen, Herz- und Kreislaufproblemen, Angstzuständen und Depressionen – dies alles seien "unkontrollierbare Folgen des Infraschalls". Die Gefahren seien wissenschaftlich belegt, weltweit renommierte Forscher warnten davor. Der Arzt, der an diesem Abend dazu sprechen sollte, Dr. Holger Repp vom Unabhängigen Ärzteforum Bad Orb, hatte seinen Vortrag aus beruflichen Gründen abgesagt.

Dass während der Versammlung klare Worte fallen würden, war keine Überraschung. Ein Satz war zum Beispiel: "Schluss mit dem Schmusekurs." Diese Forderung unterstützte Hans Teegelbekkers von der Bürgerinitiative "Gegenwind Vogelsberg", der als Gastredner eingeladen worden war. Teegelbekkers plädierte für eine einheitliche und klare Linie. Nur durch genügend Druck auf die Politik sei ein dermaßen großangelegtes Windvorranggebiet zu stoppen.

Es sei "Wahnsinn", einen Windpark gerade hier aufstellen zu wollen. "Es gibt bei euch einfach nicht genügend Windgeschwindigkeiten, um die Windräder wirtschaftlich betreiben zu können."

Der Schottener bezeichnete erneuerbare Energien als Gewissensberuhigung und Geldvernichtungsmaschinerie. Mit ihnen lassse sich Strom nicht zuverlässig erzeugen. "Lieber mehr Strom einsparen und konventionell produzieren", sagte der Vogelsberger und plädierte vor allem für Energie aus Gas.

Im Gegensatz dazu sieht Ingenieur Ralf Schmidt sehr wohl Möglichkeiten, mit Windkraft Energie zu erzeugen, aber in einem deutlich kleineren Stil. "Nur mit einer besseren Speichertechnologie kann Windkraft effizient und in einem vernünftigen Maß genutzt werden." Dann würden sich Anlagen in eher unwirtschaftlichen Gebieten wie Rockenberg respektive Oppershofen allerdings nicht mehr rentieren, betonte er.

Schmidt untermauerte seinen Vortrag nicht nur mit technischen Details, sondern auch mit persönlichen Erfahrungen. Denn ein Kritiker von Windkraftanlagen war Schmidt nicht immer: Von 2000 bis 2007 war er stiller Teilhaber eines Windparks, investierte also in die Anlagen. "Aus blankem Idealismus. Weil ich dachte, dass man damit die Umwelt und Natur retten kann." Er sei eines Besseren belehrt worden: "Es ging nur um den Profit." An den Anlagen verdienten in erster Linie Wartungs- und Hausmeisterfirmen, Projektierer, Gutachter, Bauunternehmer, Grundstückseigentümer und Anlagenhersteller. Besonders die Dienste letzterer seien gefragt: "Ich kenne keine Anlage, die die versprochenen 20 Jahren funktioniert hat." Die komplexen Systeme seien störanfällig: Ihnen machten UV-Strahlung, Frost, Sturm, Hitze, Vogelschlag, Hagel und Blitze zu schaffen.

Zudem müsse man sich Gedanken über die Ökobilanz bei Errichtung, Austausch oder Abbau der Anlagen machen. Wege und Fundamente müssten zementiert, Wälder teilweise gerodet und schadstoffbelastete Anlagenteile entsorgt werden.

Geplant: Bis zu sechs Windräder im Hinterfeld

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