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Teufelsküche: Mulden und Damm gegen die Fluten

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Rechts die Mulde, links der Damm: Noch hält’s, doch vor allem  die CDU ist skeptisch.
Rechts die Mulde, links der Damm: Noch hält’s, doch vor allem die CDU ist skeptisch. © Walter Engel

Rockenberg (en). Keine nassen Füße holten sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses des Gemeindeparlaments, als sie am frühen Montagabend oberhalb des Neubaugebiets »Teufelsküche« an der Södeler Straße in Oppershofen zusammenkamen.

Kurzfristig war die Sitzung trotz Ferien anberaumt worden, nachdem die Häuslebauer an der Rosenstraße und vor allem im Schlehenweg nach zwei starken Gewittern in den letzten Wochen bei der Gemeinde und auch der Presse »Land unter« gemeldet hatten (wir berichteten).

Bürgermeister Manfred Wetz hatte nach dem bisher letzten Starkregen lang- und kurzfristige Hilfe angekündigt, die ersten Projekte konnten die Parlamentarier und etliche Gäste am Montag bereits begutachten.

Und debattieren. Denn kaum jemand war richtig glücklich mit den 10 000 Euro teuren Bauarbeiten am Feldweg oberhalb der Rosenstraße. Die Raab’schen Rosenfelder bekommen dort eine rund einen Meter breite und 30 Zentimeter tiefe Rinne – und westlich des geschotterten Weges wird die zuvor ausgehobene Erde zu einem kleinen, etwa 50 Zentimeter hohen Wall aufgeschüttet.

Vor allem aus der CDU kam die Kritik. Arnold Peichl sprach von einem »typischen Schnellschuss«, der nächste größere Regen werde die Mulde mit verschlammter Erde aus dem Rosenacker füllen, das Wasser werde sich auch von dem losen Damm auf der anderen Seite des Weges nicht aufhalten lassen und sich seinen Weg bahnen durch die Obstgärten hinunter zu den Häusern. Die Mulde müsse freigehalten werden, der Damm befestigt, und der Weg nach jedem Starkregen vom Schlamm befreit.

Wasser-Autobahn

Das Problem sahen alle Versammlungsteilnehmer schnell: Rosenzüchter Stefan Raab hat seine Rosenreihen längs zum Hang gepflanzt, und oberhalb gibt es zwei weitere Rosenfelder in gleicher Richtung, eins von ihm, das obere von einem anderen Oppershofener. Auf den 2,60 Meter breiten, unbepflanzten Zwischenstreifen kann das Wasser ungehindert fließen und nimmt eine Menge Schlamm vom Acker mit. In der Parlamentssitzung hatte Bürgermeister Manfred Wetz, der derzeit im Urlaub weilt, bei der Ursachenforschung von einer »nicht immer optimal funktionierenden Wasserführung« und der »Art des Anbaus von Pflanzen« gesprochen. Es sei aber sicher nicht richtig, den Rosenkulturen die alleinige Schuld zuzuschreiben.

Alternativen waren schnell zur Hand: Raab könne doch das nächste Mal quer zum Hang pflanzen – »in Ordnung«, sagte er, »aber das nächste Mal ist erst in zehn Jahren«. Zudem müsste er dann bei der Bodenbearbeitung auf dem eigenen Land wenden und nicht auf dem Weg. Der zweite Vorschlag: Gras zwischen den Rosen könnte den Strom bremsen und vor allem den Schlammabtrag minimieren – »vielleicht«, räumte Raab ein, doch der Streifen werde nicht breit, schließlich müsse er im Herbst die Rosen anhäufeln, damit sie im Winter nicht erfrieren.

Irgendwer nahm in der Diskussion im Zusammenhang mit den Kosten das Stichwort »Verursacherprinzip« in den Mund, doch Raab zeigte mit dem Finger senkrecht nach oben: »Höhere Gewalt«. Er will nicht »den Schwarzen Peter zugeschoben« bekommen. Vor zwei Jahren, nach dem ersten großen Regen, habe er in Abstimmung mit der Gemeinde und anderen Behörden einiges an Vorkehrungen getroffen. Zum Beispiel oberhalb der unteren Gewann einen Grünstreifen angelegt, auch habe er mit Wasser aus dem nahen Regenrückhaltebecken das anzulegende Grün bewässern wollen, was aber nicht genehmigt worden sei.

Die Politiker sahen Raab hierbei ihrerseits in der Pflicht, verwiesen auf die große Dachfläche seiner Halle, die er in die Landschaft entwässere statt in eine Zisterne.

Raabs Vorschlag freilich entlockte nicht nur etlichen Parlamentariern, sondern auch Diplom-Ingenieur Harald Winkler ein Nicken: »Oben muss das Wasser schon abgefangen werden, mit einer Mulde und einem wasserführenden Weg zum Rückhaltebecken.«

Diese Mulde gab es schon, am Weg zum Ovag-Wasserhäuschen, doch laut Ingenieur Winkler war sie zumindest nach den jüngsten Unwettern nicht mehr vorhanden. Sie wieder auszubaggern, gehört zu den von Bürgermeister Wetz angekündigten kurzfristigen Maßnahmen. Ferner will man an dem gepflasterten Weg oberhalb der nächsten Gewann die Wasserführung an ein paar Stellen verbessern. Das alles soll so ausgerichtet sein, dass das Wasser ins obere Rückhaltebecken gelangt.

15 Millimeter überstanden

Langfristig ist vorgesehen, im Rahmen einer Masterarbeit und mit Unterstützung des Fachdienstes Landwirtschaft und des Büros Schnittstelle Boden die Situation vor Ort zu erfassen und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Dies wird allerdings mindestens zwei Jahre beanspruchen.

Gemeinde, Rosenzüchter und Behörden sollen sich nun noch einmal an einen Tisch setzen und über weitere Möglichkeiten beraten – das war die beschlossene Botschaft des Abends.

Die folgende Nacht zum Dienstag überstand der Weg unterhalb der Rosenäcker übrigens schadlos. Trotz der beiden Gewitter und der 15 Millimeter Regen auf den Quadratmeter war so gut wie keine Erde vom Acker in die Mulde geschwemmt worden.

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