Lebenstraum erfüllt

Kuh und Schaf überwintern in Oppershofen im Stall

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Für Stefan Heller und seine Frau Victoria erfüllt sich ein Lebenstraum. Strahlend stehen sie im eigenen Schaf- und Mutterkuhstall. Besser gesagt: auf dessen Fundament.

Es ist ein kalter Novembertag, der Wind pfeift übers freie Feld am westlichen Zipfel von Oppershofen. Zu Füßen eines riesigen Krans liegt eine glatte, helle Fläche, die man fast für eine Eisbahn halten könnte. Das riesige Betonfundament ist auch fast so kalt. Hier und da ist es von rohen Wänden umstellt, Pfosten ragen in den grauen Himmel. Schaut man in die Gesichter der jungen Familie, die mitten auf der Fläche steht und Pläne schmiedet, geht die Sonne auf. Mit dem Bau ihres eigenen großen Stalles geht ihr Lebenstraum in Erfüllung.

"Landwirt sein ist der wichtigste Job der Welt", strahlen der 28-jährige Agrarwissenschaftler Stefan Heller und seine 26-jährige Frau Victoria. Töchterchen Lotta hat mit ihren 15 Monaten dazu zwar noch keine Meinung, genießt aber ganz offensichtlich den Auslauf. Mit von der Partie ist fast immer auch Cleo, der junge Altdeutsche Hütehund. "Er muss noch viel lernen, sein Kumpel Ole ist schon in Rente." Was aussieht wie ein lockerer Familienausflug, ist zwar entspannt, aber auch verbunden mit einem knochenharten Job. "Andere studieren noch in meinem Alter, wir haben schon eine Menge Schulden", lächelt ein Agrarwissenschaftler, dem die Leidenschaft für die praktische Landwirtschaft in die Wiege gelegt wurde.

Dem Tierwohl zugewandt

Mit fünf Jahren bekam der Oppershofener Landwirtssohn sein erstes Schaf geschenkt. Seitdem habe ihn die Haltung dieser Tiere nicht mehr losgelassen, erzählt der ehemalige Bad Nauheimer ELS-Schüler. Parallel zum Studium in Gießen kaufte er seine ersten Rinder. Heute bewirtschaftet er den elterlichen Hof mit Schafzucht, Mutterkuhhaltung und Futterbau komplett.

"Natürlich hilft die ganze Familie mit", erzählt Victoria Heller von Großeinsätzen, wenn ihr Mann zum Beispiel die 180-köpfige Schafherde von der Rockenberger "Hölle" zum Oppershofener "Wingert" führt, nach Bad Nauheim oder Steinfurth. Die Pflege von Naturschutzgebieten liegt den Schafen im Blut. "Braune Bergschafe gehören zu den vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen", erklärt Heller und weiß das ruhige Temperament ebenso zu schätzen wie die Fleischqualität.

Dank seiner schmackhaften und zarten Qualität gehört das Hellersche Lammfleisch zu den begehrten Produkten, die sowohl ab Hof als auch über die Direktvermarktungsplattform GreenOx verkauft werden. Dass seine Schafe in diesem Winter zum ersten Mal ein Dach überm Kopf haben werden, dürfte dem Jungbauern die Arbeit erheblich erleichtern. Am meisten freue er sich, kein Wasser mehr fahren zu müssen: Mindestens 1000 Liter pro Tag hat er sonst zu den Tieren gebracht. Laufhof wächst seit August

Neben den Schafen – geplant ist eine Aufstockung auf 150 Mutterschafe plus Lämmer – sind dies seit zehn Jahren auch Rinder, derzeit 15 Mutterkühe und ihre Kälber. Deshalb wird es am Schafstall auch einen Bereich für die Mutterkuhhaltung geben. "Wir denken an 25 Muttertiere." Nach den robusten, hörnerlosen Galloways und Angusrindern steht bei Heller das für seine hervorragende Fleischqualität berühmte Gelbvieh auf der Wunschliste.

Lange hat er sich mit seiner Frau verschiedene Stallkonzepte angeschaut und sich schließlich für einen Tiefstreulaufstall entschieden – also für eine dem Tierwohl zugewandte Variante, bei der die Tiere im Winter ein Dach über dem Kopf haben und den Rest des Jahres auf der Weide stehen. Auf gut 1200 Quadratmetern wächst seit Ende August der Schafstall mit Laufhof und einem Offenfrontstall für die Mutterkühe. Bis Weihnachten soll der Holzaufbau stehen. Stefan und Victoria Heller freuen sich, ihren Nutztieren ein Winterquartier zu bieten, das ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht – auch in einer Landwirtschaft, von der die junge Familie über die Direktvermarktung leben will.

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