Hubertus Tzschirner stellt Mittagsmenüs in Gläsern her.
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Hubertus Tzschirner stellt Mittagsmenüs in Gläsern her.

Catering in Corona-Zeiten

Mittagsmenü aus dem Glas

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Keine Veranstaltungen, keine Arbeit - Caterer haben in den vergangenen Wochen all ihre Aufträge verloren. Auch der Rockenberger Koch Hubertus Tzschirner. Doch um die Zeit zu überbrücken, hat er sein Geschäftsmodell etwas abgeändert.

In den ersten Wochen haben die meisten gekocht. Das hat sich angeboten bei der ungewohnt vielen Zeit in den eigenen vier Wänden. Mittlerweile hat die Koch-Euphorie allerdings nachgelassen. »Die Ideen gehen aus, und Kochen wird manchmal zur lästigen Pflicht.« Das hört Hubertus Tzschirner zumindest immer wieder im Gespräch mit Freunden und Gästen.

Gäste hat der Rockenberger Koch genaugenommen im Moment gar keine. Und dennoch: Wenn er von seiner neuen, durch die Corona-Maßnahmen entstandenen Geschäftsidee erzählt, spricht er meistens von »seinen Gästen«. Weil es sich über die Jahre im Catering-Geschäft so eingebürgert hat: Normalerweise kocht er für Veranstaltungen - und serviert in den meisten Fällen.

Nun hat sich alles verändert. Veranstaltungen gab es in den vergangenen Wochen keine - weder große noch kleine. Und zumindest was die Aufträge angeht, bei denen Tzschirner für mehrere Hundert Gäste Essen zubereitet, wird es auch noch eine Weile dauern, bis es wieder losgeht. »Mit Corona ging es von 100 auf 0.«

Der Koch musste sich daher etwas überlegen. Zuerst habe er über Buchprojekte nachgedacht - er hat bereits Bücher herausgegeben, zum Beispiel »Burger unser« oder eins zum Thema Vakuumgaren (»Sous Vide - Der leichte Einstieg in die sanfte Gartechnik«).

YouTube-Kanal mit der Tochter

Doch auch das Geschäft musste irgendwie weitergehen. Ein Catering-Konzept (Stella & Now) hat er in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Unternehmen »Taste Of Now« ohnehin schon seit einigen Jahren: Tzschirner stellt Essen in Gläsern her - allerdings nicht nur Desserts oder Canapés, sondern Hauptgerichte. Zum Teil mehrere Gänge.

Statt das Essen nun zu Events zu liefern, bringt er es direkt zu den »Gästen« nach Hause. Als Homeoffice-Catering quasi. Im Angebot hat er zum Beispiel »das Rindvieh im Grünen«: Rinderschulter auf allerlei Erbsen, geschmorter Roter Bete und roten Zwiebeln. Als Beilage gibt es eingelegten Röstsellerie. Das Fleisch sei von lokalen Erzeugern (und stehe bis zur Schlachtung tatsächlich im Grünen), und auch die Beilagen stammten in der Regel aus der Region.

Die Hauptidee von Tzschirners Lieferservice: »Wir unterstützen diejenigen, die neben Homeoffice und Homeschooling etwas Hochwertiges, aber vor allem Leckeres essen möchten, ohne die Zeit mit Kochen zu verbringen.«

Tzschirner weiß, wovon er spricht. Er hat zwei Kinder, seine Frau arbeitet zurzeit von zu Hause aus. Neben der Arbeit den ganzen Tag die Kinder im Haus zu haben erfordere eine Menge Organisation. »Man muss einiges wuppen.« Und dann noch kochen…

Die Gerichte, die er anbietet und montags, mittwochs und freitags zwischen Gießen und Frankfurt ausliefert, seien daher auch für Kinder geeignet - also bspw. nicht zu scharf.

Zurzeit stemmt Tzschirner noch einen Großteil alleine: »Produzieren, abfüllen, liefern.« Für das Frankfurter Gebiet ist allerdings ein Kollege zuständig.

Gekocht wird in Tzschirners Profiküche - zurzeit bietet er sechs Gerichte sowie ein Dessert (»Endlich Urlaub«) an. Der Unterschied zum herkömmlichen Lieferservice: Der Kunde wärmt das Essen selbst auf, das gekühlt zudem rund eine Woche haltbar ist.

Das Zu-Hause-Arbeiten hat zu einer zweiten Idee geführt: Da Tzschirner ohnehin berufsbedingt die meiste Zeit kocht und seine siebenjährige Tochter auch viel Spaß dabei hat, haben die zwei spontan einen YouTube-Kanal angelegt (»esskunst Hubertus Tzschirner«), auf dem sie Videos aus der heimischen Küche hochladen. »Wir wollen die Kiddies an den Herd bringen und ihnen zeigen, wie einfach man auch zusammen daheim kochen kann.« Zwei Folgen sind bisher online: Burger und Tacos.

Irgendwann wird das normale Geschäft wieder losgehen - die zwei neuen Projekte will er aber weiter verfolgen. Das, sagt er, sei überhaupt einer der positiven Effekte der aktuellen Situation: Viele kreative Ideen zum Umgang mit der Krise entstünden. Vor allem in digitaler Hinsicht. »Ich schätze sehr, was da gerade alles passiert, und hoffe, einiges davon wird beibehalten.«

Im Internet ist Tzschirner zu finden unter www.esskunst.eu sowie unter www.stella-now.com (die Seite zum Homeoffice-Catering). sda

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