Luise Link legt eigene Kurzprosa vor

Rockenberg (msn). Luise Link aus Rockenberg unterrichtete fast 40 Jahre lang an der Henry-Benrath-Schule in Friedberg. Schon als Kind wollte sie Lehrerin werden und hat die Entscheidung nie bereut. Trotzdem hat sie sich nun etwas Neuem zugewendet: dem Schreiben. Im WZ-Gespräch verrät sie, was sie Ainspiriert und wie es ist, mit 65 Jahren das erste Buch zu veröffentlichen.

Es war dunkel. Die ersten Regentropfen fielen vom Himmel. Luise Link hatte ihre Tochter besucht und machte sich mit dem Auto auf den Weg zurück nach Hause. Der Regen wurde immer stärker. Unwillkürlich dachte sie an den Bericht, den sie am Morgen über einen Geisterfahrer gelesen hatte. Sofort stellte sie sich beunruhigende Fragen: Was ist, wenn jetzt einer auftaucht? Warum sollte mir nicht auch so ein Unfall widerfahren? Zuhause angekommen, setzte sie sich an ihren Schreibtisch und begann mit einer neuen Kurzgeschichte. Über den Tod, und wie plötzlich er eintreten kann.

»Meine Inspirationen schöpfe ich aus Erfahrungen und dem Leben an sich«, sagt Luise Link. Aus ihrem eigenen oder dem anderer. »Man muss beobachten.« Vermutlich hat die 65-Jährige deswegen ihren Schreibtisch zum Fenster hin ausgerichtet. So hat sie einen freien Blick in den Garten, während sie an den Entwürfen für ihre Erzählungen, Fabeln und Geschichten arbeitet.

Festgelegt auf ein Thema hat sich Link nicht. Mit Tod und Alter setzt sie sich genauso auseinander wie mit Liebe und Glück. Sie könne sich stundenlang mit traurigen Schicksalen befassen und dann an einer Liebesgeschichte arbeiten. »Das gehört alles zum Leben, das Gute wie das Schlechte«, sagt die Autorin. Die Geschichten schön zu erzählen, sei ihr jedoch am wichtigsten. 36 ihrer Texte hat sie nun in einem Band zusammengefasst. »Erzähl Dir Zeit« heißt das Buch, das Anfang des Jahres erschien. Es ist ihr erstes.

Der Schritt an die Öffentlichkeit fiel der pensionierten Lehrerin nicht leicht. »Sich als Autor zu outen, muss gründlich überlegt sein«, sagt sie. Es sei wichtig, zu seinen Texten stehen zu können. Sie sei keine bekannte Person, also sei es schwierig einzuschätzen, ob sich jemand für ihr Buch interessiere. »Weil ich dann aber meine Meinung auch zur gesellschaftspolitischen Situation kundtun wollte, habe ich es veröffentlicht.«

Mut zur Meinung

Zwar schreibe sie seit nunmehr 15 Jahren, doch auf Veröffentlichungen habe sie lange keinen Wert gelegt. Ihr Leben als Lehrerin sei kein Kompromiss gewesen. »Schon als kleines Kind wollte ich unterrichten«, erzählt sie. Fast 40 Jahre lang brachte sie Schülern an der Henry-Benrath-Schule Englisch bei und unterrichtete politische Bildung. Dass sie sich ein Leben lang mit Politik befasst und Kinder unterrichtet hat, merkt man manchen ihrer Geschichten an. In der Fabel »Ortsbegehung« geht es um die Subjektivität der Wahrnehmung. In der Erzählung »Von den Schatten. Von den Hasen. Und von der furchtbar furchtbaren Angst« geht es um Angst vor Reaktionen auf die eigene Meinungsäußerung, mithin um Zivilcourage. »Ich wollte meinen Schülern vermitteln, dass nicht nur ihre eigene Meinung zählt, aber auch, dass man alles hinterfragen muss«, erklärt Link. Nicht hinter jeder Erzählung verbirgt sich eine Botschaft. Bisweilen geht es darum, eine Stimmung zu erzeugen, oder auch einfach um Unterhaltung in bild- und detailreicher Sprache: Ausführlich beschreibt Link Orte, Menschen, Gefühle.

»Kurzprosa ist leider nicht so beliebt«, beklagt die Debütantin. Deswegen habe davon abgesehen, einen Verlag zu finden, sondern die Herausgabe in die eigene Hand genommen. Auch das Warten auf eine Zusage habe sie nicht in Kauf nehmen wollen. »Die politischen Themen, die ich behandle, könnten nächstes Jahr nicht mehr aktuell sein.«

Beim ersten Buch soll es nicht bleiben. Im März erscheint »Erzähl Dir Zeit, Band 2«. Auch darin soll es um das Leben, das Alter und Atmosphären gehen. Mehr wird aber nicht verraten«, zwinkert die Autorin.

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