1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Rockenberg

Vom Fußballplatz ins Soccer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sabrina Dämon

Kommentare

An den Wochenenden strömten Tausende in das Gebäude am Rande Rockenbergs. Los ging es 1978. Nach 34 Jahren war Schluss mit dem Soccer-Club. Wir öffnen noch einmal die Türen.

Es war die Zeit, als die Bee Gees mit »Night fever« einen Riesenhit landeten, als in den Discos literweise Asbach-Cola über die Theke ging, und als sich zwei Männer auf dem Fußballplatz in Steinfurth trafen. Der eine war Trainer, der andere Spieler, beide waren Geschäftsleute. Zumindest sollten sie das bald werden. Es war das Jahr 1975, Rainer Hofmann und Gerold Rosenauer wollten Geld verdienen. Und Geld ließ sich damals bestens mit Discotheken machen.

Weit und breit nichts

Die Idee war im Raum, »dann haben wir eine Location gesucht«, erzählt Rainer Hofmann. Bad Nauheim sollte es ursprünglich einmal sein, Rockenberg ist es letztlich geworden. Weil alles gepasst hat, wie der ehemalige Besitzer Hofmann erzählt: Das Gebäude, »eine alte, verfallene Ziegelei«, lag zwischen Rockenberg und Oppershofen (»Da war damals weit und breit nichts«). Die offizielle Adresse: Außerhalb 5. Musikaufdrehen und Parkplätze – die besten Voraussetzungen für eine Disco.

Drei Jahre bauen

Die zwei mieteten das Gebäude an und machten sich an den Umbau. »Drei Jahre haben wir gearbeitet, alles selbst gemacht, die Stühle, den Boden, die Toiletten. Das würde ich heute auch nicht mehr machen.«

Jedenfalls haben die zwei gebaut und gebaut – drei Jahre lang –, und dann, als es endlich losgehen sollte, am 31. März 1978, war die Theke nicht fertig.

Willst Du mich heiraten?

Es waren nur noch wenige Stunden bis zur Eröffnung, ein Provisorium musste her. Die zwei Männer stapelten Hohlblocksteine, legten zwei Bohlen darauf, Tuch darüber – und los ging’s. Die erste Party im Soccer begann (der Name kam übrigens durch die Verbindung der beiden Geschäftsführer, erzählt Hofmann – da sie sich beim Fußball kennengelernt haben). Unzählige folgten.

Nie werde ich vergessen, als ich das allerletzte Lied, den Soccer-Hit »Detroit City«, spielte und danach das Soccer seine Türen für immer geschlossen hat

Micky Hofmann, DJ

Rosenauer und Hofmann schmeißen den Laden. »Wenn es Ärger gab, habe ich mich darum gekümmert«, erzählt Rosenauer. Türsteher gab es erst später, Mitte der 80er. Aber allzu viel Ärger habe es ohnehin nicht gegeben – nichts Großes zumindest, und nichts, was an Orten, an denen getrunken wird, selten ist. Streitereien zwischen Gruppen, Pöbeleien, große und kleine Beziehungskrisen.

Jürgen Drews zu Gast

600 bis 700 Leute waren durchschnittlich an einem guten Abend im Soccer, sagt Rosenauer – nicht auf einmal, aber über den Abend verteilt. Regelmäßige Höhepunkte waren Gast-Stars. Jürgen Drews war zum Beispiel 1979 und 1980 in Rockenberg. »Die Hütte war jedes Mal voll bis zum Anschlag«, erzählt Hofmann. Woran sich die ehemaligen Geschäftsführer auch gut erinnern: an Tommy, der viele Besucher anlockte. Ein Frankfurter DJ, der den US-DJ Wolfman Jack imitierte und damit sehr gut ankam.

Nach vier Jahren Soccer geht Hofmann, wenige Jahre später eröffnet er das Flash in Ober-Mörlen, in den 90ern ein Fitnessstudio in Butzbach, das er noch heute betreibt.

2012 ist Schluss

Der Steinfurther Gerold Rosenauer betreibt die Rockenberger Disco noch weitere 34 Jahre. 2012 schließt das Soccer. Doch davor, zwischen 1978 und 2012, wird ordentlich gefeiert. Es wird getanzt und getrunken, und, das gehört wohl zu jeder Disco, es wird sich verliebt. Einmal, erinnert sich Rosenauer, gab es einen Heiratsantrag vor versammelter Mannschaft. Eine Frau kam zu ihm, bat um das Mikrofon und fragte ihren Freund, ob er sie heiraten will. Er wollte.

»Asbach-Time«

So sind all die Jahre vergangen, die Disco-Zeit kam und ging genauso wie die ein oder andere Liebe, die im Soccer angefangen hatte. Ja, es war eine tolle Zeit, sagt Rosenauer. Und auch Hofmann erinnert sich gerne daran – wie er und Rosenauer bis zur Eröffnungsparty gewerkelt haben, wie sie die »Asbach-Time« und die »Bacardi-Time« eingeführt haben, und wie die alten Disco-Hits durch das Soccer schallten. »Le freak, see’est Chic. Freak out!«

Auch interessant

Kommentare