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Diskussion um Bauplätze: Von Eidechsen und Propaganda

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Die Christdemokraten hätten lieber den Grüngürtel erhalten. Die Mehrheit der Gemeindevertreter entschied jedoch: Auf das Gelände kommen drei Bauplätze.
Die Christdemokraten hätten lieber den Grüngürtel erhalten. Die Mehrheit der Gemeindevertreter entschied jedoch: Auf das Gelände kommen drei Bauplätze. © Sabrina Dämon

Rockenberg (sda). Drei Bauplätze, dafür viele erhitzte Gemüter. Der Bebauungsplan »Am Kirschenberg« sorgte für eine lange Diskussion in der Gemeindevertretersitzung. Um Eidechsen ging es, von einem Schaden für die Kinder wurde gesprochen und es fiel das Wort »Wahlpropaganda«.

Doch allen Einwendungen der Christdemokraten zum Trotz: Der Bebauungsplan tritt in Kraft – so die Entscheidung der Mehrheit, auch wenn es eine knappe war.

Entscheidend ist, was am Ende des Tages herauskommt, heißt es oft. Am Ende des Tages standen die Mitglieder von SPD, CDU, Grünen und Dorfpartei in geselliger Runde zusammen, feierten die Amtseinführung ihres neuen, alten Bürgermeisters Manfred Wetz und redeten über die zu Ende gehende Legislaturperiode. In der war etwa zwei Stunden zuvor der Bebauungsplan »Am Kirschenberg« abgesegnet worden, was für großen Unmut in den Reihen der CDU-Fraktion, vor allem bei Berthold Wild sorgte. »Die Kinder, die schwächsten unserer Gesellschaft, wurden nicht gefragt«, beklagte er das Vorhaben, im Rödenweg drei Bauplätze zu schaffen. Seiner Meinung nach schränkten die drei geplanten Plätze die eventuell notwendig werdende Erweiterung des daneben liegenden Kindergartens ein. Er sprach von »Maßnahmen gegen Kinder« und betonte: »Wir brauchen diese drei Bauplätze nicht.

« Ein weiteres Argument, das laut Christdemokraten gegen die Erschließung der Fläche spricht: die dort lebenden Eidechsen. »Aus naturschutzrechtlichen Gründen ist das nicht zulässig«, sagte Karl Maria Weckler.

SPD, Grüne und Dorfpartei wehrten sich gegen diese Vorwürfe: Tobias Gniza (SPD) betonte, der Kindergarten sei nach wie vor erweiterbar; die von CDU so dargestellte »Kinderfeindlichkeit« sei nicht nachvollziehbar. Die Grünen, mit dem Vorwurf der CDU konfrontiert, gegen den Naturschutz zu handeln, protestierten: Die Erschließung von Baugrundstücken sei immer ein Eingriff in die Natur, »aber die Frage ist, was machen wir daraus«, entgegnete Theo Pauly. Dieser Eingriff sei ein weitaus geringerer als es bei Neubaugebieten im freien Gelände der Fall sei. Damit stimmte auch Anton Hieronymus überein, der die Entgegnungen der CDU als »Wahlpropaganda« bezeichnete.

Wolfgang Langsdorf (Dorfpartei) zitierte in diesem Zusammenhang aus einem Hinweis der Unteren Naturschutzbehörde, von deren Seite sich positiv geäußert worden war, da die Gemeinde der innerörtlichen Verdichtung Vorrang vor der Erschließung neuer Außenflächen gebe.

Die kontroversen Ansichten der langwierigen Diskussion spiegelten sich sodann auch in der Abstimmung wieder: Mit zwölf Jastimmen, zehn Gegenstimmen und einer Enthaltung beschlossen die Parlamentarier den Bebauungsplan als Satzung. Damit steht der Erschließung nichts mehr im Weg, die Bäume sind bereits gefällt worden, und wie Wetz sagte, sei geplant, dass in diesem Jahr auf den Plätzen gebaut werden könne.

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