Chorleiter des Immergrün nimmt seinen Hut

Rockenberg (lk/pm). Es ist vorbei: Martin Winkler ist nicht länger Leiter der Immergrün-Chöre. Nachdem er die künstlerische Führung des Gemischten Chores bereits seit einigen Wochen nicht mehr innehatte, teilte Winkler am Montag mit, Cantico Verde, den kleinen Chor des Gesangvereins, nicht länger leiten zu wollen.

Der Dirigent sehe "unüberbrückbare Differenzen in der Zusammenarbeit mit dem Vorstand", heißt es zur Begründung in einer Pressemitteilung der Vereinsspitze, die gestern die WZ-Redaktion erreichte. Und weiter: Der Vorstand bedaure die Entscheidung Winklers, der bereits am Dienstag offiziell verabschiedet wurde. "Aus meiner Sicht wären die Differenzen überbrückbar gewesen", meint hingegen Winkler.

"Ich bin ein Aufrührer, ein Drängler. Jetzt ist man mich los", sagt Martin Winkler, angesprochen auf sein Aus beim Immergrün. Er habe in den letzten zwei Jahren versucht, zukunftsträchtige Strukturen für den Verein und die Chöre, die er elf Jahre leitete, zu schaffen. Doch seine Vorschläge hätten beim Vorstand kaum Berücksichtigung gefunden. Nachdem die Vereinsspitze ihn vor einigen Wochen als künstlerischen Leiter des Gemischten Chores entlassen habe, habe er vorgeschlagen, den Wettbewerb am vergangenen Wochenende in Somborn zum Anlass zu nehmen, um sich gemeinsam zu präsentieren und zu verabschieden. Seine Nachfolgerin Rita Bayer-Groß und er dirigierten, der Gemischte Chor bekam den ersten Preis in seiner Klasse. Cantico Verde, angetreten mit fünf Stücken, errang den Silberpokal, einen Dirigentenpreis gab es ebenfalls.

Die Trennung von Winkler als Leiter des Gemischten Chores war laut Mitteilung der Vereinsspitze nach einem Vorstandsbeschluss und in Übereinstimmung mit den Sängern vollzogen worden. Laut Vorstandsmitglied Monika Johann hatte Rita Bayer-Groß schon seit längerem 45 Minuten der wöchentlichen Proben übernommen, da Winkler zeitgleich die Proben eines anderen Chores geleitet habe. Darüber, dass Winkler nun die musikalische Führung des Cantico Verde abgegeben habe, sei man bestürzt gewesen, sagt Johann auf WZ-Anfrage. "Damit haben wir nicht gerechnet." Winkler sei unglücklich darüber gewesen, dass die Anzahl der Sänger zurückgegangen sei. "Er hatte den Wunsch, dass der Immergrün sich bemüht, mehr aktive Sänger zu bekommen. Das haben wir realisiert – dadurch, dass wir das ›filmreich"-Pojekt ins Leben gerufen haben." 35 Sänger hätten neu angefangen, von diesen hätten einige inzwischen wieder aufgehört, was aber normal sei.

Trotz gegenseitiger Enttäuschungen in den letzten Monaten wolle man in Frieden und Respekt füreinander auseinander gehen, heißt es in der Mitteilung des Vorstands.

"Ein Chor darf nicht überaltern"

Er sei in sich gegangen, habe überlegt, ob es noch etwas bringe, Cantico Verde zu leiten, nachdem der Vorstand ihm von jetzt auf gleich gekündigt habe, was die Leitung des gemischten Chores anbelange, sagt Winkler. Seine Entscheidung habe er dem Vorstand am Montag mitgeteilt. Seine Vorschläge zur strukturellen Umgestaltung des großen Chores seien allesamt nicht berücksichtigt worden. "Ein Vorstand muss aktiv sein, ein Chor darf nicht überaltern", meint Winkler.

Norbert Groß, Ehrenvorsitzender des Immergrün, bewertet die Entscheidung Winklers – Cantico Verde nicht länger leiten zu wollen – als richtig. Der Beschluss des Vorstands, Winkler als Leiter des großen Chors zu kündigen, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Das es "unüberbrückbare Differenzen" gegeben habe, wolle er auf keinen Fall unterschreiben. Martin Winkler "hat immer wieder versucht, neue Ideen zu entwickeln, um die Chöre lebendig zu halten und neu aufzustellen.

" Der Ehrenvorsitzende sagt: "Ich bedaure es sehr, dass er die beiden Chöre nicht weiter leitet." Wie die Zukunft der Immergrün-Chöre aussehe, wisse er nicht.

Der Vorstand des Gesangvereins äußert sich optimistisch: Die seit langer Zeit mit dem Immergrün verbundene Chorleiterin Monika Bayer übernehme ab sofort die Leitung des Cantico Verde und damit auch das "filmreif"- Projekt. Man sei mit dieser Lösung sehr glücklich und könne nun in Ruhe die weiteren Schritte einleiten, so Vorsitzender Martin Wettner. Er sprach zudem die Hoffnung aus, dass die Mitglieder ihrem Verein auch weiterhin die Treue hielten und die kommenden Veränderungen als Zeichen eines lebendigen und attraktiven Vereins werteten. (Foto: pv)

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