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Der Junge, der eine Band ist - Wetterauer bald im TV

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Wie lange er schon Musik macht? Mika Mai strahlt . "Schon immer!" Der neunjährige Autist spielt bei Jam Sessions und komponiert Stücke. Ein Fernsehteam hat nun eine Sendung über den Jungen aus Oppershofen gedreht.

Sprechen konnte Mika damals noch nicht. Er war sogar noch zu klein, um alleine zu sitzen. Wenn er Keyboard gespielt hat, musste seine Mama ihn festhalten. Neun Jahre ist das her, Mika war noch ein Baby, und am liebsten hat er mit seinen Fingern Musik gemacht. "Nicht wie andere Kinder, die mit den Händen auf die Tastatur hauen", erzählt Mama Minou Mai. Mika hat schon immer die Lieder aus seinem Kopf gespielt. Ohne dass ein einziger Ton falsch klingt.

Aber erzählen kann man viel. Mika möchte lieber alles zeigen. Vor allem sein Lieblingsinstrument. Er sitzt am Tisch in seinem Oppershofener Zuhause und deutet strahlend auf den Flügel. "Einmal gab es ein tierisches Unwetter. Ich habe zehn Minuten gespielt und es waren 21 Grad." Er sieht zu seiner Mutter. "Darf ich was vorspielen?" Sie nickt und er springt auf. Dann spielt Mika Klavier.

Die Notenblätter beachtet er nicht. Die Musik, die aus dem Flügel kommt, entsteht in dem Moment, in dem Mika spielt. Er sagt, es sei, als habe er Schubladen in seinem Kopf und immer, wenn sich eine öffnet, kommen 1000 Lieder heraus. Seine Mama sagt: "Beim Spielen sortiert Mika sein gesamtes Innenleben."

Mit dem Wohnmobil aufs Festival

Der Neunjährige ist Autist und hat das De-Morsier-Syndrom sowie CVI, beide Erkrankungen äußern sich durch eine Sehstörung. Zudem trägt Mika ein Ventil-Implantat im Kopf, um den Wasserhaushalt in seinem Kopf zu regulieren. Er besucht die Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg, wenn er vor die Tür geht, trägt er eine Blindenbinde.

Zu Hause kennt er jedoch jeden Winkel. Nachdem er Klavier gespielt hat, steht er auf, verschwindet um die Ecke und ruft: "Jetzt kommt ein Instrument, von dem alle Musiker nur träumen." Als er wieder auftaucht, trägt er ein Umhängekeyboard um den Hals - eine Keytar, sein neuestes Instrument. Hat er selbst gekauft; da ein Filmteam ein von ihm komponiertes Stück verwendet hatte, bekam er eine Gage. Seine Mama lacht. "Eigentlich war das hier mal unser Wohnzimmer, aber Mika investiert sein gesamtes Taschengeld in Instrumente." Ein Schlagzeug steht neben der Couch, Bongos und Cajons dazwischen, dahinter Akustik- und E-Gitarren.

Wie viele Instrumente er hat? Mika grinst. "Ungefähr 20." Und da er an seinem Computer Tonspuren übereinanderlegen kann, komponiert und spielt er oft Stücke mit mehreren Instrumenten. Wie das neueste, 15 Minuten hat er dafür gebraucht. "Es ist Filmmusik", kündigt er an. "Wenn es losgeht, wird unser Haus wie eine Rakete ins All fliegen."

Raketen sind sein Hobby. Er hat ein PC-Programm, mit dem er den Bau simulieren kann. In seinem Zimmer hat er auf eine Tafel eine Rakete gemalt, daneben stehen Zahlen.

Bevor Mika sich mit Raketen beschäftigt hat, waren es andere Dinge - der Big Ben zum Beispiel. Oder der Marianengraben. "Und es gab eine Zeit, in der ich Züge liebte." Irgendwann konnte er anhand des Geräuschs erkennen, um welches Modell es sich handelt.

"Mika hat das absolute Gehör", erklärt Minou Mai. Alles hat für ihn einen Ton. Zum Zeigen muss die Mama ans Klavier und Töne spielen. Erst einen, dann drei auf einmal. Mika errät alle. Und egal, welche Musik er hört, er kann sie nachspielen.

Doch diese Fähigkeit hat eine Kehrseite: So gut er seine Umwelt über sein Gehör wahrnimmt, so sensibel reagiert er auf Misstöne. Wenn im Kindergarten "Happy Birthday" gesungen wurde, hat er geweint, erzählt seine Mutter. Bei manchen Liedern muss sie das Radio ausschalten, und es gab eine Zeit, da durfte sie zu Hause nicht singen.

Nebenbei ein Meister im Witzeerzählen

Mittlerweile kann er besser damit umgehen. Deswegen will er auch im Juni mit seinen Eltern im Wohnmobil zu "Rock am Ring" fahren. Er freut sich riesig, weil er auch Rock und Metal besonders gerne hört, vor allem aber, weil seine Lieblingsband SDP auftritt. Von denen hat er ein Lied gecovert und auf seinem Youtube-Kanal hochgeladen - "Hurra, hurra, die Schule brennt". Im Video sagt er: "Hallo, SDP, ich bin Mika. Wenn ihr mal ’ne Band braucht: Ich bin eine." Dann legt er los. Singt, spielt Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Melodica.

Aber er musiziert nicht nur alleine; in regelmäßigen Abständen spielt der Neunjährige mit anderen - abends im Pastis in Friedberg bei der Jam Session oder im Jazzkeller in Hanau. Das, erzählt er, wird auch in der Sendung vorkommen, die der Kinderkanal mit ihm gemacht hat. Die Kameraleute haben ihn in die Schule begleitet, ihn beim Basketballspielen und beim Musikmachen gefilmt. Eben bei all den Dingen, die Mika mag und die er gerne zeigt. Eine Sache, sagt er, kommt aber nicht in der Sendung vor: Dass er ein Meister im Witzeerzählen ist. Sein bestes Beispiel: "Was ist klebrig und in der Wüste?" … … …"Ein Karamel."

Die Sendung im Kinderkanal über Mika ist am Sonntag, 19. Mai, um 20.30 Uhr zu sehen.

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