Rheuma und Herz: Drei Fragen an den Experten

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
    schließen

Wie gefährlich kann Rheuma für das Herz werden?

Rheuma hat viele Gesichter und kann jede Altersklasse treffen. Einfach erklärt ist Rheuma der Sammelbegriff für zahlreiche, teils sehr unterschiedliche entzündliche Krankheiten, die vorwiegend Gelenke, Wirbelsäule und Muskeln, häufig aber auch Organe, Blutgefäße oder sogar den ganzen Körper betreffen können. Die rheumatischen Erkrankungen gehören zu der großen Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Das heißt, dass das Immunsystem, welches eigentlich dafür sorgt, Krankheitserreger in unserem Körper zu bekämpfen, die eigenen Gewebe und Organe angreift. Die Folgen können u. a. schmerzhafte Entzündungen der Bindegewebe sein, die auch auf das Herz übergreifen können. Im schlimmsten Fall werden der Herzmuskel oder die Herzklappen so schwer geschädigt, dass Medikamente nicht mehr helfen und eine Herztransplantation notwendig wird.

Besteht gegenüber dem sonstigen Risiko bei einer Herztransplantation ein erhöhtes Risiko bei der Operation, wenn Patienten an Rheuma leiden?

Jede Herztransplantation birgt gewisse Risiken. Patienten, die zusätzlich an einer rheumatischen Grunderkrankung leiden, werden vorab intensiv behandelt, um die Entzündungen so weit wie möglich abzuschwächen. Leider ist es häufig so, dass durch die chronische Entzündung auch andere Organe beeinträchtigt sind und somit dem Körper weniger Energie zur Regeneration nach einer Operation zur Verfügung steht. Gerade deshalb ist es für die betroffenen Personen wichtig, sich in einer Spezialklinik wie beispielsweise der Kerckhoff-Klinik behandeln zu lassen. Hier arbeiten Ärzte und Ärztinnen verschiedenster Fachrichtungen sowie speziell geschultes Pflegepersonal und Mitarbeitende im Bereich Physiotherapie im Team zusammen und sorgen gemeinsam für die optimale Betreuung der Patienten vor, während und nach einer Transplantation.

Welche Möglichkeiten gibt es, das "neue" Herz vor Rheuma-Auswirkungen zu schützen?

Alle Patienten, die ein neues Herz erhalten haben, werden engmaschig bei uns im Herzzentrum überwacht, müssen lebenslang Medikamente einnehmen und besondere Hygiene- und Verhaltensregeln einhalten. Die rheumatische Erkrankung bleibt auch mit "neuem" Herz bestehen und kann nur durch eine konsequente Weiterbehandlung in unserem Rheumazentrum im Rahmen der Nachbehandlung unter Kontrolle gehalten werden. Alle organtransplantierten Patienten müssen ihr Leben lang Medikamente einnehmen, die die Abstoßung des Organs verhindern, wovon einige direkt eine antirheumatische Wirkung haben. Zusätzliche Physio- und Ergotherapie, abgerundet durch eine gesunde Ernährung, notwendige Schutzimpfungen und regelmäßige Bewegung helfen, dass Rheumapatienten weiterhin gut durch das Leben kommen.

Dr. Ingo Tarner ist Oberarzt der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare