Alexander Baginski zeigt mit dem Hasen-Kuscheltier Max in der Hand und der Fuchs-Mütze Wolfi auf dem Kopf, wie der Kleine den Großen austricksen kann. Die Kinder sind begeistert von der Aufführung in der Bad Nauheimer Kinder-Theater-Reihe und stehen dem Hasen lautstark zur Seite.	FOTO: NIC
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Alexander Baginski zeigt mit dem Hasen-Kuscheltier Max in der Hand und der Fuchs-Mütze Wolfi auf dem Kopf, wie der Kleine den Großen austricksen kann. Die Kinder sind begeistert von der Aufführung in der Bad Nauheimer Kinder-Theater-Reihe und stehen dem Hasen lautstark zur Seite. FOTO: NIC

Reinrufen erlaubt

  • vonSebastian Schmidt
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Theater ist nicht nur für Erwachsene, die sich einen schönen Abend machen wollen. Auch die Kleinen lassen sich mit witzigen Kostümen und einer spannenden Geschichte begeistern. In der Bad Nauheimer Kinder-Theater-Reihe hat Alexander Baginski den Kindern gezeigt, wie der Hase den Fuchs überlistet.

Im Theater versucht das Publikum normalerweise, mucksmäuschenstill zu sein. Handys werden lautlos gestellt, es wird nicht geraschelt und erst recht nicht geredet. Die Aufführungen der Bad Nauheimer Kinder-Theater-Reihe in der Musikschule im ehemaligen Balneologischen Institut sehen anders aus. Alexander Baginski hat Anfang der Woche »Wenn Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen« aufgeführt, und die Kleinen, vier Jahre und älter, haben während des Stückes lautstark ihre Begeisterung gezeigt.

Die Kinder fieberten richtig mit, während der kleine Hase den Fuchs immer wieder aufs Neue dazu brachte, ihn nicht zu fressen. Es verging keine Szene, ohne dass die Kinder reinriefen. »Nicht einschlafen!«, hieß es, als der Hase Max es sich in seinem Bau gemütlich machte. Aber »Gute Nacht, Wolfi!«, als der Fuchs sich schlafen legte.

Reaktion der Kinder macht Spaß

Das unterscheide Kinder- und Erwachsenen-Theater voneinander, sagt Baginski. »Bei Kindern merkt man schnell, wenn es ihnen gefällt oder auch nicht.« Deren Reaktion mache viel von dem Spaß an der Arbeit aus. »Es ist einfach total schön, wenn Kinder zu einem kommen und sagen, dass es toll war.« Manchmal sagen sie es erst nur zu den Eltern, und die sagen dann, sag es noch einmal zu ihm. »Das ist dann richtig lustig, wie sie sich erst nicht trauen, etwas zu mir zu sagen«, sagt Baginski mit einem Lächeln, während er von seiner Erfahrung als Theater-Schauspieler erzählt. Er mache Figurentheater. Das ist eine Theaterform, bei der Schauspieler Puppen zur Verkörperung von Charakteren benutzen. Hier wurde der Hase Max durch ein Kuscheltier verkörpert. Den Fuchs stellte der Künstler mit einer Fellmütze selbst dar. Baginski bietet diese Form des Theaters nicht nur für Kinder an, aber für Erwachsene verkaufe es sich schlechter, sagt er.

Von den Erwachsenen wirkten manche zu Beginn der Vorstellung auch ein bisschen überfordert. Die Kinder saßen in den vorderen Reihen, die Eltern auf den Plätzen dahinter. Eine Mutter ging nach den ersten Minuten des Stückes nach vorne und versuchte, auf ihr Kind einzureden, das - wie die meisten - dazwischen gerufen hatte. Das war aber zwecklos. Die Kinder kommentierten weiterhin das Stück und versuchten, mit dem Hasen und dem Fuchs zu interagieren.

»Theater ist einfach viel unmittelbarer für die Kinder. Weil ich auf sie reagiere, wenn sie etwas sagen oder Geräusche machen. Das macht ein Fernseher oder Laptop nicht«, sagt Baginski.

In dem Beruf sei er durch ein Praktikum gelandet, erzählt er. Er habe eigentlich Kunstgeschichte und im Nebenfach Theaterwissenschaften studiert. Da habe er dann ein Praktikum absolviert. Das habe ihm so gut gefallen, dass er sein Studium aufgegeben habe. Seitdem sei er Teil des Münchener Figurentheaters Pantaleon und unterhalte Kinder.

Die Kinder in Bad Nauheim waren von seiner Show sichtlich begeistert. Nachdem die Aufführung mit Applaus geendet hatte, sagte ein kleiner Junge mit traurigem Gesicht: »Oh, vorbei.« Seine Mutter erklärte ihm dann, dass sie das nächste Mal wiederkommen können.

Vorstellungen meist ausverkauft

Eine Mitarbeiterin des Kinderhauses am Goldstein, die mit einer ganzen Gruppe Kindern da war, sagte: »Wir sind immer hier, und es hat mir wieder sehr gut gefallen.« Sozialpädagogin Claudia Dienst, die die Bilderbuchwerkstatt in Friedberg betreut, ist mit ihren eigenen Kindern da gewesen und hat auch gleich die Kinder von Freundinnen mitgebracht: »Ich bin begeistert, dass es für kleine Kinder so eine tolle Theater-Reihe hier gibt.«

Die Kinder-Theater-Reihe in Bad Nauheim hat es bereits in den 1990ern gegeben. Zwischenzeitlich wurde sie aber eingestellt. »Aufgrund von Sparmaßnahmen«, sagt Organisator Björn Kral, Fachdienstleiter Kultur und Sport der Stadt Bad Nauheim. Jetzt läuft die Reihe seit 2008 wieder. »Die meisten unserer Vorstellungen sind ausverkauft.« Aber man ziehe bald um, und am neuen Ort, zwischen dem Badehaus 3 und 4, seien bis zu 150 Sitzplätze geplant. Im Moment gebe es nur 90.

Baginski war jetzt das dritte Mal in Bad Nauheim. Vielleicht kommt er auch wieder in die neue Spielstätte und singt erneut »Fuchs du hast die Gans gestohlen.«

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