Ein reines Nest für Störche

Altenstadt-Lindheim (geo). Der vorgezogene Frühjahrsputz des Storchennests auf dem Kamin des Hofguts "Westernacher" ist geschafft. André Reich und Harald Salathé von der Büdinger Feuerwehr waren kürzlich zur Säuberungsaktion mit der Drehleiter angerückt.

Die Wehr unterstützt die Lindheimer Natur- und Vogelschutzgruppe mit ihrem Einsatz bereits seit sechs Jahren in Sachen Nesterhaltung.

Wilhelm Fritzges, Vorsitzender der Natur-und Vogelschutzgruppe, berichtete, die jährliche Reinigung des Nests sei wichtiger Baustein der positiven Entwicklung des Weißstorchbestands. 2001 und 2002 hatte es keine Jungstörche gegeben. Der Grund: Durch das ganzjährige Bewohnen des Nests hatte sich dessen Untergrund verdichtet, Wasser konnte nicht mehr abfließen. Seit 2003 wird das Nest daher regelmäßig gereinigt.

Seit 1997 haben insgesamt 40 Jungstörche das Nest verlassen. Um den Vögeln auch weiterhin einen attraktiven Brutplatz auf dem Kamin der ehemaligen Schnapsbrennerei des Hofguts zu bieten, soll der Schornstein im Herbst eingerüstet, verfugt und mit einer neuen Holzunterlage versehen werden. "Mit der Installation einer neuen Kamera können künftig fortlaufend Bilder vom Nest gesendet werden", sagte Fritzges. Die Renovierung werde jedoch nicht günstig.

"Der positive Bestandstrend des Weißstorchs im Wetteraukreis hält ungehindert an", sagte Fritzges. Laut Naturschutzbericht seien 2012 insgesamt 37 und 2013 sogar 41 Brutpaare im Kreisgebiet gewesen. Dennoch weist der Bericht 2013 als sogenanntes Störjahr aus. Der lange Winter habe die Neuansiedlung erstbrütender Störche negativ beeinflusst und zum Verlust von Jungen geführt. In Lindheim überlebten von fünf Jungstörchen nur drei. Laut Bericht konnte auch der hessische Brutbestand 2012 mit 300 Brutpaaren und 650 flüggen Jungen zulegen. Der Bestand stieg deutschlandweit 2012 auf 5197 Storchenpaare, 300 mehr als im Vorjahr.

Die Entwicklung der Weißstorchpopulation lag laut Bericht im Wetteraukreis 1904 am höchsten, 56 Storchenpaare brüteten damals im Kreisgebiet. In den Jahren 1980 bis 1992 sank der Bestand auf Null.

Bei der Errichtung neuer Storchennester im Wetteraukreis hilft auch der Energieversorger Ovag, der Maschinen und Personal zur Verfügung stellt. Masten und Nestkränze werden von der Oberen Naturschutzbehörde aus Artenschutzmitteln finanziert. Pro Nest fallen 1500 Euro an. 2012 wurden neue Nester in Berstadt, Hitzkirchen, Höchst, Rendel, Bisses, Ober-Mockstadt, Nidda und Stammheim aufgestellt. Zwei alte Nester wurden nachgerüstet, weitere sind geplant.

Die Störche als Wahrzeichen von Lindheim wurden übrigens nicht – wie bislang angenommen – 1790 erstmals erwähnt, sondern bereits wesentlich früher. Bei der Renovierung der Lindheimer Kirche legte ein Kirchenmaler jüngst ein Bild frei, das bis dahin unbekannt war. Fritzges: "Die Bemalung datiert aus der Zeit vor 1600 und bildet auch einen Storch ab. Es gab also damals bereits Störche in Lindheim."

Wer die Lindheimer Natur- und Vogelschutzgruppe bei der Renovierung des Kamins und der Kameraanschaffung unterstützen möchte, kann ihr eine Spende zukommen lassen, VR Bank Main-Kinzig-Büdingen, Bankleitzahl: 50 66 16 39, Kontonummer: 6 04 51 46.

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