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»Wir stehen zu den Jägern«

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Von: red Redaktion

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Reichelsheim (pm). Der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn war neulich im Bingenheimer Ried, um sich über die aktuelle Situation dort zu informieren, aber auch, um über den von der Landesregierung vorgelegten neuen Entwurf zur Hessischen Jagdverordnung zu sprechen. Eingeladen zu dem Gespräch hatte der Naturschützer und Jäger Michael Schwarz. Auch Vertreter des Landesjagdverbands Hessen waren gekommen:

Dr. Nadine Stöveken und Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann.

Das Ried bietet zahlreichen Vogelarten einen Brutplatz. In der Vergangenheit seien die Bruterfolge der Bodenbrüter aber mäßig, weil Gelege und Jungvögel von Raubsäugern erbeutet worden seien, heißt es in der Pressemitteilung.

Auf Vorstoß der Landesregierung werde dort nun auf Staatskosten rund 81 Hektar Fläche mit einem fuchs- und waschbärsicheren Zaun geschützt, sagte Schwarz. Es stelle sich die Frage, ob es zum Schutz der bedrohen Bodenbrüter nicht ausgereicht hätte, kleine Areale von bis zu fünf Hektar zu zäunen. Dies habe in der Wetterau an mehreren Orten gereicht, um die Bodenbrüter zu schützen. Damit stünden die Restflächen des Naturschutzgebiets weiterhin auch anderen Wildarten zur Verfügung, die nun aus- oder eingesperrt seien, beispielsweise Rehwild, Feldhase, Igel oder andere Kleinsäuger.

Während man im Ministerium die Bejagung des Raubwildes in der Landschaft kritisch sehe, wolle man hier ein Naturschutzgebiet prädatoren- oder raubwildfrei machen. Dies sei ein Widerspruch in sich, da auch in der übrigen Landschaft bedrohte Bodenbrüter von hohen Raubwildbeständen bedroht seien. Eine Einzäunung sei hier aber nicht möglich, also brauche man die Jagd auf Raubwild, wenn man diese Arten schützen wolle, sagte Schwarz weiter.

Kritik an geplanter neuer Verordnung

Es sei nie das Ziel der Jäger gewesen, das Raubwild auszurotten, »wie dies nun im Naturschutzgebiet wohl erfolgen soll«. Der zu erwartende Anstieg der Gänsepopulation, die jetzt schon zu Konflikten mit der Landwirtschaft führe, sei ausgeblendet worden. Eine entsprechende Regulierung müsse gemäß dem Jagdrecht und den Jagdzeiten erfolgen.

Besonders irritiere es, sagte Schwarz, dass die Einzäunung des Schutzgebiets wohl ohne Anhörung der anerkannten Naturschutzverbände erfolgt sei. Zudem seien Anfragen zur Rechtsgrundlage der Einzäunung bisher unbeantwortet geblieben. Es sei auch ungeklärt, ob ein naturschutzrechtlicher Ausgleich erfolgen soll.

Auch Bretschneider-Hermann rügte den Zaun: »Wir benötigen eine offene Kulturlandschaft, in der das jagdliche Prinzip nicht ausgebremst und Jäger nicht zurückgedrängt werden.« Hahn sicherte zu, das Thema auf die Agenda des Landtags zu setzen.

Die Vertreter des Landesjagdverbands sprachen auch die geplante neue Hessische Jagdverordnung an. Demnach sollen Rebhuhn und Feldhase nicht mehr bejagt werden dürfen. Sachargumente würden nicht gehört, klagten die Jäger. »Der allgemeine Tierschutzgedanke ist als solcher nicht geeignet, ganzjährige Schonzeiten auszusprechen oder die Liste der jagdbaren Arten insgesamt einzuschränken.«

Hahn betonte, die FDP stehe zu den Jägern in Hessen als aktive und staatlich geprüfte Naturschützer. Die Jagd trage zum Artenschutz, zur Landschaftspflege, zur Seuchenvermeidung und zur gesunden Ernährung der Bevölkerung bei.

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