Schilder über Schilder am Bergwerksee: Während der Wanderweg mit Hinweisen zur Bergbaugeschichte unkritisch ist, fangen die Probleme am Ufer an: Die Böschung am Süd- und Westufer kann abrutschen. Auch das Schwimmen ist verboten – beides wird oft ignoriert.
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Schilder über Schilder am Bergwerksee: Während der Wanderweg mit Hinweisen zur Bergbaugeschichte unkritisch ist, fangen die Probleme am Ufer an: Die Böschung am Süd- und Westufer kann abrutschen. Auch das Schwimmen ist verboten – beides wird oft ignoriert.

Idylle mit Hindernissen bei Reichelsheim

Abkehr vom „See der Verbote“? Gefährlicher Bergwerksee bringt Stadt in Zwickmühle

  • VonOliver Potengowski
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Viele Kommunen wären froh, eine solche Idylle zu besitzen. Doch der Bergwerksee zwischen Weckesheim und Dorn-Assenheim ist für die Stadt Reichelsheim (Wetterau) bisher eher Gefahrenstelle als Chance.

Reichelsheim – Die Lebensgefahr, auf die Schilder auf der Süd- und Westseite des Bergwerksees zwischen Weckesheim und Dorn-Assenheim hinweisen, ist für die meisten Besucher weder sicht- noch vorstellbar. Sie sehen eine von Wiesen, Büschen und Bäumen umrahmte kristallklare Wasserfläche, die förmlich zum Baden einlädt. Dementsprechend waren bis in den Spätsommer immer wieder Schwimmer im Bergwerksee zu beobachten.

Doch Gutachten belegen, dass die Gefahr real ist. Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst (SPD) erläutert, dass der See wohl nie den nach dem Ende des Bergbaubetriebs vorgesehenen Wasserstand von 132,5 Metern über Normalnull (NN) erreichen wird. 2020 lag der Wasserstand bei 125 Metern über NN. Die Stadt rechnet damit, dass der See letztlich das Niveau benachbarter Seen von 127,5 bis 128 Metern über NN erreichen wird.

Wetterau: Zu wenig Wasser im Bergwerksee bei Reichelsheim

Der fehlende Gegendruck der rund sieben Meter Wasser, die der See zu niedrig ist, lässt die aufgefüllten Erdschichten auf dem Süd- und Westufer abrutschen. Zäune sollen verhindern, dass Besucher diese Uferbereiche betreten oder gar dort baden. Beschädigungen an den Einzäunungen zeigen, dass die Maßnahme nur bedingt Wirkung zeigt.

»Es ist nicht in meinem Sinne, einen See der Verbote zu verwalten«, beschreibt Herget-Umsonst die Zwickmühle, in der sie sich befindet. Einerseits wäre die Bürgermeisterin unter Umständen sogar persönlich haftbar, wenn jemand am See zu Schaden käme. Andererseits betont Herget-Umsonst, dass sie die Chancen des Naherholungsgebiets nutzen wolle. »Auch ich wünsche mir einen See der Möglichkeiten.«

Dabei dürften Nutzungen wie die Vervollständigung des Rundwanderwegs mit Hinweisen zur Bergbaugeschichte und weitere Rastplätze mit Bänken und Ruhesofas noch weitgehend unumstritten sein.

Wetterau: Hundewiese am Bergwerksee bei Reichelsheim birgt Konfliktpotenzial

Doch schon die Frage, ob man an dem See eine Hundewiese anlegen kann, birgt Konfliktpotenzial. »Ich bin an diesem Standort nicht so überzeugt«, räumt Herget-Umsonst ein. Es sei fraglich, ob die Hundewiese mit den Vorstellungen anderer Nutzer harmoniere.

Dazu kommt ein weiteres grundsätzliches Problem, das bisher jeder intensiveren Nutzung des Bergwerksees entgegensteht. Schon jetzt gehen bei der Stadt regelmäßig Beschwerden ein, weil es zu viel Verkehr zum See gibt und Fahrzeuge behindernd geparkt werden. »Von dem Gedanken, dass alle mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen, müssen wir uns verabschieden«, stellt die Bürgermeisterin klar.

Deshalb müssten bei der Ausweitung der Freizeitangebote am See voraussichtlich auch Parkplätze ausgewiesen und Zufahrten ausgeschildert werden. Herget-Umsonst skizziert in ihrem Konzept zwei Möglichkeiten: Eine Fläche liegt bei Weckesheim an der Nordostecke des Bergwerksees, eine weitere bei Dorn-Assenheim am Südufer des Sees.

Bergwerksee: Wohl keine Genehmigung aus Reichelsheim (Wetterau) für Wind- und Kite-Surfer

Kurzfristig hält die Bürgermeisterin eine Nutzung des Sees durch Angelsportvereine und Naturschutztaucher für denkbar. Dabei gelte auch für sie der Grundsatz, dass das Gelände um den See nicht mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden darf. Eine Genehmigung für die Nutzung durch Wind- und Kite-Surfer, die schon bisher auf dem See segeln, hält Herget-Umsonst dagegen für weniger denkbar.

Der See sei schon im Radio als Ausflugsziel zum Baden empfohlen worden, erinnert sie sich. Es habe einige Mühe gekostet, zu verdeutlichen, »dass das gegebenenfalls ein sehr teurer Badeausflug werden kann«. Denn derzeit wacht neben dem Ordnungsamt ein privater Sicherheitsdienst nicht nur, dass es am See nicht zu Vandalismus und Vermüllung kommt, sondern auch über das Badeverbot.

Perspektivisch wünscht sich jedoch auch die Bürgermeisterin, dass das Baden im Bergwerksee zumindest teilweise erlaubt werden kann. »Es ist keine Maßnahme, die ich kurzfristig, sondern eher langfristig sehe«, erklärt sie. »Wir sollten sie aber auch nicht ausschließen.«

Wetterauer Bergwerksee: Wie geht es in Reichelsheim weiter?

Zunächst sollen jetzt die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat sich über die weitere Entwicklung einig werden. »Wir müssen uns erst einmal verständigen, wo die Reise hingehen soll, und dann können wir die Bevölkerung einbinden«, sagte Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst.

Wenn die Bürger schon zu Anfang Vorschläge machen könnten, gebe es die Gefahr, dass sie nachher enttäuscht würden. Parallel dazu erörtert Herget-Umsonst mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund und der Versicherung der Stadt, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Besucher des Sees ausreichend zu schützen.

U. a. muss Reichelsheim dafür den Zugang zu den gefährlichen Ufern mit einem mannshohen Zaun verhindern.

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