Die Keramikerin Claudia Nitsch aus Beienheim ist eine von vielen, die am kommenden Wochenende, 14. und 15. März, ihre Werkstätten zum Tag der offenen Töpferei für Besucher öffnen.
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Die Keramikerin Claudia Nitsch aus Beienheim ist eine von vielen, die am kommenden Wochenende, 14. und 15. März, ihre Werkstätten zum Tag der offenen Töpferei für Besucher öffnen.

Tag der Offenen Töpferei

In der Kermaikwerkstatt: Schönes und Nützliches

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Zum Tag der Offenen Töpferei zeigt Claudia Nitsch ihre Keramikwerkstatt - und erzählt, was sie besonders mag an ihrem »Individualistenjob«.

Vor dem Umzug hatte Claudia Nitsch eine Bedingung: Sie kommt mit in die Wetterau, wenn sie ihre eigene Werkstatt bekommt. Sie und ihr Mann zogen um, von Heusenstamm auf einen Aussiedlerhof, den Pappelhof, nach Beienheim. Er stieg in die Landwirtschaft ein, und sie eröffnete auf dem Hof ihre Töpferwerkstatt.

Früher sind die Räume einmal ein Schweinestall gewesen. Heute erinnert nichts mehr daran. In jeder Ecke stehen getöpferte Schalen, Tassen und Kannen. Der lehmig-erdige Geruch von Ton hängt in der Luft. Dazwischen Farbeimer, Pinsel, Spachteln. Werkstoffe und Werkzeuge, mit denen Claudia Nitsch täglich arbeitet. Im Raum daneben stehen die Öfen.

Die Ergebnisse von Claudia Nitschs Arbeit sind in einem weiteren Raum ihrer Keramikwerkstatt zu sehen - der kleine Laden. Hier reihen sich die bunten Keramikprodukte: Eierbecher sind dabei. Weinkorken, Kerzenständer.

Tag der Offenen Töpferei: Kaum noch Nachwuchskräfte

Seit 1993 ist Claudia Nitsch selbstständig - in einem Handwerk, das sehr alt ist und in dem es heutzutage schwer ist, Nachwuchs zu finden. Nur einen Lehrling hatte sie in all den Jahren, erzählt sie. Nicht, weil sie nicht mehr junge Menschen ausgebildet hätte; nur gebe es heutzutage kaum noch jemanden, der das Töpferhandwerk als Beruf erlernen wolle. »Reich wird man in diesem Job nicht«, sagt Claudia Nitsch. »Es ist eher ein Individualistenjob.«

Dass die Reichelsheimerin ihr Geld einmal als Handwerkerin verdienen will, wusste sie schon recht früh. »Als Kind habe ich schon immer gerne gebastelt. Aber zur Schule bin ich eher mittelgerne gegangen«, sagt sie lachend.

Eigentlich sollte es deswegen nach dem Abi eine Schreinerlehre werden - damals, Anfang der 80er, aber noch ein reiner Männerberuf. Als Frau bekam sie keine Stelle. Die Alternative war eine Töpferausbildung, die sie 1986 begann und an die sie 1992 die Meisterprüfung anschloss.

Das Stück, das sie in der Prüfung angefertigt hat, steht noch immer in ihrem Laden, ist aber nicht verkäuflich. Ein großer Tonkrug, bemalt mit Kühen.

Tag der Offenen Töpferei: Nach dem Trocknen werden die Stücke bemalt

Das Töpfern an sich ist nur ein Teil der Arbeit. Nachdem Claudia Nitsch aus einem Klumpen Ton mithilfe der Töpferscheibe ein Gefäß modelliert hat, müssen die Stücke trocknen. Im Anschluss werden sie bemalt. Das wird die Reichelsheimerin übrigens auch ihren Gästen anbieten, wenn sie am kommenden Wochenende ihre Werkstatt zum deutschlandweiten Tag der Offenen Töpferei präsentiert: Wer möchte kann sich selbst am Bemalen von Tassen oder Schalen probieren.

Nach dem Malen kommen die Gefäße oder Figuren zwei Mal in den Ofen, beim zweiten Mal werden sie bei 1120 Grad gebrannt. »Bis ein Stück endlich fertig ist, habe ich es an die 15 Mal in der Hand gehabt«, sagt Claudia Nitsch. Deswegen ist handgemachtes Geschirr nicht so billig wie industriegefertigte Massenware. Töpfern ist eher eine Nische. Die Wochenenden sind für die Selbstständige deswegen auch oft Arbeitszeit. Mit ihren Stücken fährt sie auf Töpfer- und Kreativmärkte - manchmal bis zu 200 Kilometer entfernt.

Dennoch: Die Entscheidung, das alte Handwerk zu erlernen und zum Beruf zu machen, hat Claudia Nitsch nie bereut. In all den Jahren hat sie aus etlichen Tonnen Ton nützliche und schöne Gegenstände hergestellt. »Es ist ein sehr kreativer Beruf«, sagt sie. Der Werkstoff sei unglaublich vielseitig, die Materialien und Arten zur Verarbeitung ganz unterschiedlich. »Und am Ende des Tages sehe ich, was ich mit meinen Händen gemacht habe.«

Tag der Offenen Töpferei: Vielseitig und historisch

Seit vielen Tausend Jahren nutzen Menschen Ton als Werkstoff - um Gefäße für den täglichen Gebrauch herzustellen, um Skulpturen zu fertigen. Die ältesten Keramikfunde lassen sich etwa auf die Zeit vor 20 000 Jahren datieren, Archäologen haben sie in der chinesischen Provinz Jiangxi entdeckt. In all den Jahrtausenden gab es zahlreiche Arten, mit Ton zu arbeiten. Auch heute noch ist Ton ein Werkstoff, der genutzt wird.

»Keramik ist sehr vielseitig«, sagt Claudia Nitsch. Die Keramikerin aus Beienheim ist eine von vielen, die am kommenden Wochenende, 14. und 15. März, ihre Werkstätten zum Tag der offenen Töpferei für Besucher öffnen. Die können dort erleben, wie aus einem Klumpen Ton ein fertiges Produkt wird. 

Tag der Offenen Töpferei

Zum Tag der offenen Töpferei am Wochenende öffnen Keramiker am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr ihre Türen für Besucher. Hier ein Überblick zu den teilnehmenden Töpfereien in der Wetterau und in der Nachbarschaft.

Echzell: Die Töpferei der Lebensgemeinschaft Bingenheim (Weidgasse 27) stellt den Besuchern am Aktionstag Produkte aus ihren unterschiedlichen Werkstätten vor. n Friedberg: Elisabeth Reuter öffnet ihre Keramikwerkstatt in der Verbindungsgasse 4. Sie bietet Kindertöpfern an und führt historische Keramik vor. n Bad Vilbel: Karin Ostendorf öffnet ihre Türen in der Rhönstraße 11. Sie bietet auf Wunsch Ikebana-Vorführungen an und bietet den Besuchern die Möglichkeit, in Fachbüchern zu stöbern.

Büdingen: Sebastian Scheid lädt Besucher in seine Keramikwerkstatt in den Kirchweg 11 nach Düdelsheim ein. Er wird an der Fußscheibe vordrehen und Kollegenarbeiten ausstellen. n Reichelsheim: Claudia Nitsch bietet in der Dorheimer Straße 107 (Pappelhof) ihren Besuchern an, Pötte zu bemalen. Es gibt Kaffee, Kuchen, Brot und Aufstriche.

Nidderau: Birgit Großmann-Kraus öffnet die Türen ihrer »gk Töpferei«. Besucher können »den Werkstattalltag authentisch erleben«. Zudem gibt es Naturkosmetik, Imkereiprodukte und Tischwäsche aus Skandinavien. n Lich: Ursula Starke lädt in ihre Werkstatt ein (Am Schwanensee 5) und bietet Raku-Aktionen für Erwachsene an. In der Heinrich-Neeb-Straße 1 öffnet Kati Gerstmann ihre Töpferei Dippmühl. Besucher können selbst töpfern.

Gießen: Berthold-Josef Zavaczki öffnet »Z-Keramik« (Pfingsweide 8). Samstag ab 15 Uhr: Herstellen eines Doppelwandobjekts. Sonntag ab 15 Uhr: Präsentation Teeschalen.

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