Julien Wirkner mit dem Malstock seines Großvaters beim Bundesleistungswettbewerb im Chemnitz.
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Julien Wirkner mit dem Malstock seines Großvaters beim Bundesleistungswettbewerb im Chemnitz.

Sieger des Bundeswettbewerbs

Deutschlands bester Maler und Lackierer kommt aus der Wetterau

  • VonKim Luisa Engel
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Im September hat Julien Wirkner den Landes-Leistungswettbewerb für Maler und Lackierer gewonnen und sich damit für den Bundesleistungswettbewerb qualifiziert - aus dem er ebenfalls als Sieger hervorgegangen ist. Nun erzählt der Weckesheimer, wie der Wettbewerb ablief und was es mit dem Maler-Nationalteam auf sich hat.

Ich konnte es gar nicht richtig glauben, war wie gefesselt«, sagt Julien Wirkner über seinen Sieg beim Bundesleistungswettbewerb. Anfang November hatte sich der Maler und Lackierer in Chemnitz gegen elf weitere Landesgewinner durchgesetzt. Als Gewinner darf sich der 24-jährige Weckesheimer neben dem ersten Platz auf dem Siegertreppchen auch über seine Berufung in das Maler-Nationalteam freuen.

Die sechs Mitglieder des Nationalteams werben an Berufsschulen für ihr Handwerk, besuchen Seminare und Workshops. Sie dürfen auch bei den Herstellern hinter die Kulissen blicken und das neustes Material testen: Pinsel, Tapeten und Farben - eben alles, was das Malerherz begehrt. Außerdem, sagt Wirkner, treten die sechs Teammitglieder in einer ähnlichen Aufgabe wie beim Bundeswettbewerb gegeneinander an.

Wetterau: Julien Wirkner hat Chance auf Teilnahme an EM

»Der Gewinner darf Deutschland bei den ›EuroSkills‹ 2023 vertreten«, erklärt er - das sei so etwas wie die Europameisterschaft der Berufe. Stattfinden wird diese in Sankt Petersburg, was auch das Motto des Bundesleistungswettbewerbs in Chemnitz war. Eineinhalb Wochen vor der Meisterschaft bekam der 24-Jährige das Thema »St. Petersburg 2023« und hatte Zeit zum Üben. Das Material dafür hat Hagen Jung, sein Chef und »Hessens bester Ausbilder«, zur Verfügung gestellt. Vor Ort galt es dann eine Koje, ähnlich einem Messestand, mit dem Stadtportrait zu gestalten. Zudem mussten alle Teilnehmer eine Tür lackieren und eine weitere Fläche passend zum russischen Thema tapezieren.

Julien Wirkner hat den Bundesleistungswettbewerb der Maler und Lackierer gewonnen und wurde in das MalerNationalteam berufen.

Am zweiten Tag kam es auf Schnelligkeit an: Im »Speedwettbewerb« sollte eine dritte Seite der Koje frei nach Wunsch gestaltet werden - Wirkner brauchte für die Aufgabe weniger als 50 Minuten. In den eineinhalb Tagen Wettbewerb hatte er nur 14 Stunden Zeit, um alle Aufgaben zu meistern. »Es war machbar, aber die Zeit hat schon gegen einen gekämpft.«

Wetterau: Millimeter entscheiden über Sieg bei Bundesleistungswettbewerb

Am Ende, sagt Wirkner, waren es wortwörtlich Millimeter, die über seinen Sieg entschieden haben. Die vierköpfige Fachjury bewertete die fertigen Kojen nach Kriterien wie Sauberkeit und Exaktheit der Arbeit - und nahm es dabei ganz schön genau. »Ein Millimeter Abweichung wurde als Toleranz gewertet«, sagt Wirkner, alles darüber gab Punktabzug. Nach mehreren Stunden Bedenkzeit stand fest: Der Sieger kommt aus der Wetterau!

Hat der Weckesheimer mit seinem Sieg gerechnet? Die Chance zu gewinnen war da, sonst hätte er sich nicht qualifizieren können, sagt Wirkner. Seine Konkurrenten seien alle enorm talentiert, das Niveau sehr hoch gewesen. »Es hat zwei bis drei Tage gedauert, bis ich den Sieg realisiert hatte.« Für ihn sei die Teilnahme allein und die Chance, Hessen zu vertreten, schon eine Ehre gewesen.

Wetterau: Opas Malstock ist Julien Wirkners Glücksbringer

Vater Jens erzählt, dass der Gewinn die große Familie in Glückseligkeit gestürzt habe. »Der Sieg beim Landeswettbewerb war schon fantastisch, da sind einige Tränen gelaufen.« Juliens Mutter war beim Wettbewerb dabei, hat ihn für alle über Facebook gestreamt. Das künstlerische Geschick liegt in der Familie, meint Julien, fast alle seien Maler. Sein Vater und Schwester Cindy arbeiten sogar im selben Betrieb wie er in Steinfurth. Der 2015 verstorbene Großvater, Karl Wirkner, sei in der Wetterau als Künstler bekannt gewesen - er habe zahlreiche Häuserfassaden mit Bergbaumotiven bemalt. Seinen Malstock hatte Julien beim Bundeswettbewerb als Glücksbringer im Gepäck - und im Einsatz. Denn dort durfte nichts abgeklebt werden, als einzige Hilfsmittel für eine gerade Linie fungierten ebenjener Malstock und ein Pinsel.

Eine Seite der von Julien Wirkner gestalteten Koje.

Gerne würde Julien Wirkner den Wettbewerb innerhalb des Nationalteams gewinnen und Deutschland bei den Euro-Skills vertreten. »Aber ich bin schon zufrieden und stolz, es so weit geschafft zu haben.« Als nächstes großes Ziel habe er sich erstmal gesetzt, seinen Meister zu machen. Der Beruf mache ihm viel Spaß, sei vielfältig und kreativ. »Maler und Lackierer sein bedeutet schon lange nicht mehr, nur eine Wand zu streichen.« (Kim Luisa Engel)

Die Geschichte von Julien Wirkner ist auch deshalb eine Erfolgsgeschichte, weil es den Wetterauer Handwerkern sonst notorisch an Nachwuchs fehlt. Andere Gewerke werden deshalb bereits überaus kreativ, wie dieser Bericht zeigt.

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