Zwei Feuerwehrmänner haben einen verunfallten Kameraden gefunden. Sie müssen sich blind vortasten - die Fenster ihrer Masken sind abgedeckt. Teamwork ist gefragt: Einer sucht den Rückweg, einer hat den Verletzten im Schlepp.	FOTO: HITZ
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Zwei Feuerwehrmänner haben einen verunfallten Kameraden gefunden. Sie müssen sich blind vortasten - die Fenster ihrer Masken sind abgedeckt. Teamwork ist gefragt: Einer sucht den Rückweg, einer hat den Verletzten im Schlepp. FOTO: HITZ

Wenn die Sicht versperrt ist

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Reichelsheim (pm). Die Ausbildung ist schweißtreibend. Einen ganzen Tag lang haben Reichelsheimer Atemschutzgeräteträger für den Ernstfall trainiert. Sie tun es, um Menschen zu retten, für ihre eigene Sicherheit und um im schlimmsten Fall ihre eigenen Kameraden retten zu können.

Für diese jährliche Fortbildung hatte Stadtbrandinspektor Nicklas Pipperek für die rund 30 Teilnehmer das derzeit geschlossene Reichelsheimer Bürgerhaus von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt bekommen. In den verschiedenen, teils verwinkelten Räumen konnten so realitätsnah Einsatzübungen durchgeführt werden.

In der Großküche wurde beispielsweise die Rettung eines verunfallten Feuerwehrmannes geübt. Mit abgedeckten Sichtfenstern der Atemschutzmasken mussten je zwei Feuerwehrmänner unter Anleitung von Alexander Kleinhans und Jakob Hennigs einen im Gebäude vermissten Kameraden suchen. Dabei diente als einzige Orientierung eine Schlauchleitung, die der Verunfallte zuvor im Gebäude verlegt hatte. Erschwert wurde die Suche durch allerhand Holz und Paletten, die einen Teileinsturz des Gebäudes simulieren sollten.

Als weitere Übung waren in einem anderen Teil des Gebäudes von den Rettern vier mit Disconebel verrauchte Räume nach einer kurzen Belastungsübung systematisch abzusuchen. Dabei galt es, Hinweisschilder zu finden und die Inhalte per Funk korrekt an die Übungsleiter Markus Ritter und Alexander Hitz zu übermitteln. Beispielsweise mussten komplexe chemische Bezeichnungen oder finnische Namen buchstabiert werden.

Eine weitere Ausbildungsstation war das gegenüberliegende Gebäude des »Agendaraums«. Hier übten die Feuerwehrfrauen und -männer mit dem Atemschutzgerät auf dem Rücken, mit Feuerwehrleitern Mauern zu überwinden und auf Terrassen aufzusteigen. Die Ausbilder Benjamin Freiter und Ingo Fechtner hatten das Augenmerk auf Sicherheit, Schnelligkeit und die richtigen Knoten beim Befestigen von Schläuchen gelegt.

Einige speziell ausgebildete Teilnehmer schlüpften mit Atemschutzgerät in Chemikalienschutzanzüge. Die Arbeit in diesen Anzügen, die meist bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen zum Einsatz kommen, ist besonders belastend. Daher ist es wichtig, den Umgang damit zu üben. Dabei mussten vom Bürgerhaus zur Grundschule je zwei 20 Kilo schwere Kanister getragen werden.

Rückweg finden

Für die übrigen Teilnehmer gab es eine Orientierungsübung. Mit Nebelmaschinen hatten die Ausbilder den rund 200 Quadratmeter großen Saal des Bürgerhauses eingenebelt. Über zwei Eingänge galt es dort nach Kuscheltieren zu suchen. Das war gar nicht so einfach. Abgesehen von der eingeschränkten Sicht, versperrten Stühle, Tische und Turngeräte den Weg. Zudem mussten die Trupps sich merken, wie sie in den Saal gelangt waren, um anschließend den Rückweg zu finden. Eingespielte Geräusche sorgten für eine realitätsnahe Atmosphäre.

Auch einen theoretischen Pflichtteil beinhaltete der Tag. Dabei vermittelte Stadtbrandinspektor Pipperek wichtige Grundsätze für den Einsatz mit Atemschutzgeräten. Das Fazit fiel positiv aus. »Man kann sich intensiv mit dem Atemschutzeinsatz auseinandersetzen, zusammen neue Techniken probieren und erlernen«, sagte ein Kamerad.

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