Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Am Heiligen Stein“ und Häuser im Hintergrund.
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In Kürze werden alle 41 Grundstücke für Einfamilienhäuser im Baugebiet »Am Heiligen Stein« verkauft sein, aber jetzt gibt es eine Diskussion um mögliche Bergbauschäden.

Setzungsbewegungen denkbar

Stadtverordneter warnt vor Bergbauschäden im Weckesheimer Baugebiet

  • vonOliver Potengowski
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Die Grundstücke im Baugebiet »Am Heiligen Stein« in Weckesheim sind fast alle verkauft. Doch jetzt wird vor Bergbauschäden gewarnt – im 19. Jahrhundert wurde hier Braunkohle abgebaut.

Reichelsheim – Gut läuft der Verkauf der Grundstücke im Baugebiet »Am Heiligen Stein« in Weckesheim. In der jüngsten Stadtverordnetensitzung wurde ausgelost, welche Interessenten die letzten vier Grundstücke erwerben dürfen. Die Entscheidung über die Bauleitplanung zur Erschließung des angrenzenden Misch- und Gewerbegebiets wurde dagegen in den Ausschuss verwiesen, da insbesondere die Freien Wähler noch Klärungsbedarf wegen des früheren Bergbaus in dem Bereich haben.

Vor mehr als drei Jahren hatte Reichelsheim mit der Erschließung des Baugebiets begonnen. Im Spätsommer vor zwei Jahren begann der Verkauf der 41 Grundstücke für Einfamilienhäuser. Dabei war bei allen Vergaberunden die Nachfrage größer als die Zahl der Grundstücke, die jeweils zum Verkauf standen.

Weckesheimer Baugebiet: Grundstücke unter Kauf-Interessenten verlost

Die Stadtverordneten hatten für solche Fälle bereits im September 2018 eine Vergaberichtlinie beschlossen. Darin sind Kriterien wie der Bezug der Interessenten zu Reichelsheim oder soziale Aspekte (wie die familiäre Situation oder die Pflege von Angehörigen) aufgeführt, nach denen Punkte an die Bewerber vergeben werden. Die Summe entscheidet, welche Interessenten zuerst berücksichtigt werden. Weil es dabei immer wieder zu gleichen Punktzahlen kommt, mussten die letzten Grundstücke »Am Heiligen Stein« verlost werden.

Dass den jeweiligen Interessenten durch das Los das Recht zugesprochen wurde, ein Grundstück zu kaufen, bedeutet zwar noch nicht, dass alle davon auch Gebrauch machen. Trotzdem geht Horst Wenisch von der Stadtverwaltung davon aus, dass alle Grundstücke verkauft werden. Für die verbliebenen vier Bauplätze des ersten Erschließungsabschnitts gebe es mehr als 20 Interessenten.

Weckesheimer Baugebiet: Größtes Baugebiet „seit Menschengedenken“ in Reichelsheim

Wenisch weist darauf hin, dass das nächste Wohnbaugebiet voraussichtlich erst in drei bis vier Jahren erschlossen wird. Es sei zwecklos, sich derzeit um einen Bauplatz zu bewerben. Es werde keine Warteliste angelegt - der Zeitpunkt einer Bewerbung um einen Bauplatz sei für die Vergabe ohnehin ohne Bedeutung.

Zunächst steht in Weckesheim jedoch der Bau einer Erschließungsstraße für das Gewerbegebiet an, für den in der Sitzung eigentlich ein Vorentwurf des Bebauungsplans beschlossen werden sollte. »Wir denken, angesichts der Tatsache, dass es sich hier um das größte Baugebiet seit Menschengedenken in Reichelsheim handelt, sollten wir Fragen im Ausschuss gründlich klären«, plädierte Holger Hachenburger (CDU) jedoch für eine nochmalige Diskussion. Diesem Vorschlag schlossen sich auch die anderen beiden Fraktionen an.

Weckesheimer Baugebiet: Stellungnahme der Botanischen Vereinigung Hessen

Hachenburger schlug insbesondere vor, auf die Stellungnahme der Botanischen Vereinigung Hessen einzugehen. Diese hatte vorgeschlagen, die Dachausrichtung im späteren Baugebiet so vorzuschreiben, dass Fotovoltaikanlagen möglich sind. Diskussionsbedarf sieht er auch bei dem Parkplatz, den die Stadt auf 3500 Quadratmetern Fläche errichten möchte. Die Anwohner befürchteten, dass sich hier in den Abendstunden und am Wochenende durch Besucher des Bergwerksees eine Lärmbelästigung entwickle. Deshalb sollten die Zahl der Stellplätze auf rund 30 begrenzt und ein Lärmschutzwall errichtet werden.

1842: Braunkohleabbau im heutigen Weckesheimer Baugebiet

Grundsätzliche Bedenken zieht auch Hans-Günter Scholz (FW) aus einer Stellungnahme des früheren Kraftwerksbetreibers. Dieser weist auf den Braunkohleabbau in den Jahren 1842 bis 1962 hin. Der Abbau sei auch unter Tage erfolgt, jedoch weder hinsichtlich des genauen Bereichs noch der Abbautiefe und der angewandten Verfahren dokumentiert.

Zwar seien Setzungsbewegungen des Erdreichs üblicherweise 10 bis 20 Jahre nach dem Ende des Abbaus abgeschlossen. Weil der Baugrund dauerhaft gestört sei, müsse jedoch über längere Zeiträume mit weiteren Bewegungen im Untergrund gerechnet werden. Deshalb müsse die dauerhafte Standsicherheit baulicher Anlagen und Versorgungseinrichtungen gewährleistet und im Genehmigungsverfahren nachgewiesen werden.

Weckesheimer Baugebiet: Bereits Senkungen in einer vorhandenen Straße

Scholz weist auf Senkungen in einer bereits vorhandenen Straße hin. Um zu entscheiden, ob das betroffene Gebiet wie vorgesehen bebaut und genutzt werden kann, müssten geologische Gutachten zur Statik erstellt werden. Ohne die vorgesehene Entlastungsstraße sei das Gewerbegebiet Weckesheim nicht realisierbar, warnte er.

Wenisch teilt diese Bedenken nicht. Schließlich sei die stark befahrene Landesstraße mit der Überführung genau auf dem gleichen ehemaligen Bergbaugebiet errichtet worden. »Wir prüfen schon den Baugrund, bevor wir eine Straße bauen«, versicherte er.

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