Im Landschaftspflegeplan von Reichelsheim sind zum Beispiel Blühstreifen aufgeführt, aber auch Uferrandstreifen und Streuobstwiesen, die sich im Eigentum der Stadt befinden. FOTOS: DPA/PV
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Im Landschaftspflegeplan von Reichelsheim sind zum Beispiel Blühstreifen aufgeführt, aber auch Uferrandstreifen und Streuobstwiesen, die sich im Eigentum der Stadt befinden. FOTOS: DPA/PV

Wer was wann wie pflegen muss

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Reichelsheim(dab). Nach Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens Reichelsheim/Weckesheim/Heuchelheim sind zahlreiche Naturschutzflächen ins Eigentum der Stadt übergegangen. Diese Flächen sind von unterschiedlicher Größe und Art, beispielsweise Gräben, Feldgehölze, Flachwasserteiche, Blühstreifen und Ausgleichsflächen. Detaillierte Pflegeauflagen für diese neuen Flächen, außerdem Pflegedefizite der Entwässerungsgräben sowie unterschiedliche Zuständigkeiten in der Verwaltung - all das hat vor sechs Jahren zu der Entscheidung geführt, die Pflege von städtischen Grundstücken außerhalb bebauter Bereiche neu zu organisieren. Das Ergebnis ist ein Landschaftspflegeplan, der einmalig im Wetteraukreis und in seinem Umfang wohl sogar in ganz Hessen ist.

Büroleiter Horst Wenisch hat den Stadtverordneten den Plan nun vorgestellt, den seine Kollegin Claudia Geier aus der Finanz- und Liegenschaftsverwaltung erarbeitet hat. Digital sind darin über 250 Flächen mit einer Gesamtgröße von 130 Hektar erfasst, versehen mit Bildern und den Informationen, wer was wann wie zu pflegen hat. Der Plan ist von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Wetteraukreises bereits genehmigt worden und lag den Stadtverordneten jetzt zur Kenntnisnahme vor.

Veränderung gehört zum Konzept

"Die Pflegeanweisungen sind nicht als starres Konzept zu verstehen, sondern sie werden sich ständig weiterentwickeln", erklärte Wenisch, dass der Plan jedes Jahr aktualisiert werde. Denn die UNB trage häufig Änderungswünsche für die Entwicklung von Schutzzonen, etwa für Insekten, Rebhühner, Grauammern und Kiebitze, an die Stadt heran. "Die Änderungen in der Nutzungsart, den Pflegezeitpunkten oder des Saatgutes werden den Plan ständig verändern."

Um den Landschaftspflegeplan zu erstellen, mussten zunächst alle betroffenen Grundstücke aufgelistet werden. Dann wurde ermittelt, welche regelmäßigen Pflegemaßnahmen dort nötig sind und wann und in welchem zeitlichen Abstand sie durchgeführt werden sollen. Diese Daten wurden digital in ein Geoinformationssystem überführt. Darüber wird auch die Auftragsplanung gesteuert, mithilfe von automatischen Wiedervorlagen, ebenso wird die Ausführung dokumentiert. "In enger Zusammenarbeit mit der UNB wurde das naturschutzfachliche Wissen der Fachbehörde mit unseren praktischen Anforderungen des Pflegeplans zusammengeführt", sagte Wenisch. "Die Landwirte haben mit praktischen Hinweisen zur Unterstützung des Projekts beigetragen."

Von der Zielbestimmung des Landschaftspflegeplans bis zu dessen Genehmigung hat es insgesamt fünf Jahre gedauert. Das lag laut Wenisch unter anderem an der Auswahl eines passenden Programms, an der mehrfachen Überarbeitung aller Daten, weil zum Beispiel neue Saaten mit anderen Pflegebedingungen ausgebracht wurden, und nicht zuletzt an dem Abarbeiten aller aufgelaufenen Pflegedefizite.

Im Ackerland "untergegangen"

Auch das Ausfindigmachen, Neuvermessen und Markieren der rund 250 Flächen nahm einige Zeit in Anspruch. Wie Wenisch anhand von Fotos ebenso darstellte, waren viele Flächen teilweise im angrenzenden Ackerland der Landwirte "untergegangen".

Der Großteil der regelmäßigen Arbeiten aus dem Plan soll vom Bauhof ausgeführt werden. Einigen Jagdpächtern ist auf deren Wunsch hin die Anlage von Blühstreifen übertragen worden. Aufwendige Arbeiten wie das Ausbaggern großer Gräben, das Spülen von Durchlässen oder das Auf-Stock-Setzen großer Feldgehölze wird extern vergeben.

Um den Pflegestau zu beheben, seien seither rund 80 000 bis 100 000 Euro im Jahr ausgegeben worden. Wenisch rechnet damit, dass es künftig weniger sein werden - zwischen 50 000 und 70 000 Euro.

"Dieser Pflegeplan ist überall nachgefragt, er hat einen modellhaften Charakter", lobte Stadtverordnetenvorsteherin Lena Herget-Umsonst (SPD). Die Stadt Butzbach wolle das Gerüst übernehmen, ergänzte SPD-Fraktionsvorsitzender Eckhard Fritsch. CDU-Fraktionssprecher Dr. Erich Sehrt, selbst Jagdpächter, betonte den zukunftsweisenden Wert des Plans. Ein "weiter so" werde es angesichts der veränderten Klimasituation nicht mehr geben können. FW-Fraktionschef Hans-Günter Scholz wies ebenso auf das veränderte ökologische Bewusstsein hin - auch in der Landwirtschaft.

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