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Von der Taube zum Papagei

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Reichelsheim/Florstadt/Niddatal(hh). "Der Abschied von Vertrautem berührt mich tief in der Seele", sagte Markus Stabel nach fast acht Jahren als Seelsorger der Pfarrgruppe Wickstadt/Dorn-Assenheim. Gegenseitige Anerkennung prägte einen bewegenden Abschiedsgottesdienst, der auch die Herausforderung nicht außen vor ließ, aus zwei von "unterschiedlichen Persönlichkeiten und Strukturen geprägten Pfarreien" eine homogene Pfarrgruppe zu formen. Stabel wechselt nach Pohlheim ins Dekanat Gießen. Unisono lobten Redner seine Kompetenz als Brückenbauer, zwischen beiden Pfarreien sowie im Dialog mit den evangelischen Nachbarn.

"Pastorale Ziele müssen auf die Gegebenheiten vor Ort Rücksicht nehmen", blickte Stabel auf den 26. September 2011 zurück. Es war sein erster Besuch in den Gemeinden, der in einem bezeichnenden Fazit endete: "Das wird kein leichtes Geschäft." Geistliche Stütze erhielt er von seinem damaligen Dekanatspfarrer: "Sei gut und gerissen wie ein Schwan, arglos wie eine Taube und fromm wie ein Lamm." Das Motto wurde ihm Wegbegleiter zur Lösung so mancher Probleme. Dabei konnte er immer auf die Unterstützung vieler Hände zählen. Ob bei der Feier zu seinem 50. Geburtstag oder im Beistand in "persönlich und emotional schwierigen Zeiten".

"Ich wollte einen blühenden Garten aus der Pfarrgruppe machen", skizzierte Stabel seine Agenda und schloss mit einem Schuss Selbstkritik. "Die Saat ist vorbereitet, es ist nun an der Gemeinde, diese zur Ernte zu bringen." Sein Wunsch an die Gläubigen: "Leben Sie Einheit und Einigkeit in Achtsamkeit und gegenseitiger Wertschätzung".

Das Engagement als Brückenbauer illustrierten die Verwaltungsräte Mario zur Löwen (Wickstand) und Michael Petri (Dorn-Assenheim). Stabel sei ein Motor der Ökumene gewesen; der gemeinsame Aspekt war sein Programm. Er bewahrte die Traditionen beider Pfarreien, bündelte deren Ressourcen. So entstanden gemeinsame Initiativen bei der Vorbereitung der Sakramente, bei Erstkommunion und Firmung. Ministranten- und Seniorenarbeit wurden zentral koordiniert, Pfarrfeste und Fronleichnam einheitlich veranstaltet. Auch die Idee eines gemeinsamen Pfarrgemeinderates ab der kommenden Legislaturperiode geht auf Stabel zurück.

Routinierter Seelsorger

Das große Spektrum der Würdigungen und kreativen Geschenke brachte die breite Wertschätzung Stabels als routinierter Seelsorger zum Ausdruck. Mit Bildbänden erinnerten die Pfarrgemeinderäte Jürgen Michalak und Edith Schneider an die Zeit in der Pfarrgruppe. Eine Statue der Kirchenpatronin St. Maria Magdalena sollte nicht nur diese Zeit lebending erhalten, die Begleiterin Jesu fungiert auch als Schutzheilige der Winzer und Weinhändler. "Ein perfektes Geschenk", bedanke sich der im Rebenanbau versierte Pfälzer Pfarrer.

Auch Ministranten und Kommunionkinder waren gekommen, um ihrem Pfarrer Tschüss zu sagen. Ihre Wünsche verpackten sie in einen bunten Strauß Rosen als Synonym für Freundschaft, Respekt, Freude oder positive Energie. Stabel hatte den richtigen Draht zur Jugend, verstand deren Sprache. Eine Ministrantin: "Das Highlight und voll cool waren die blinkenden Turnschuhe am Heiligen Abend."

Danke sagten zudem Wilhelm Erwin Petri vom Stefanuskreis sowie Vertreter der umliegenden evangelischen Kirchengemeinden. Seine Wünsche hatte der Gesangverein "Concordia" musikalisch auf den Punkt gebracht, der Abschiedschor war fröhlich afrikanisch: "Mashiti, lasst uns singen."

Ein Imbiss gab Gelegenheit zu persönlichen Worten. Und auf seinen Wandel im Stil, der sich in den vergangenen Jahren vollzog, angesprochen, reagierte Stabel süffisant: "So können aus grauen Tauben bunte Papageien werden."

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