Stimmakrobaten mit Dudelsack und Federboa

Reichelsheim (kai). Mit Schalk, Witz, Charme und ihren einzigartigen Stimmen haben die Viertakter am Samstagabend das Auftaktkonzert zum Christkindlmarkt gestaltet.

Martin Brückmann, Martin Steiner, Holger Johannsen und Günter Kaiser sangen fast zwei Stunden in der vollbesetzen Laurentiuskirche. Organisiert hatte den Abend die evangelische Kirchengemeinde.

Die Viertakter präsentierten ein breites Spektrum vom klassischen Weihnachtslied, Operettenszenen, Volksliedern, Rock bis zum Kinderlied – ganz nach dem Motto eines ihrer Auftaktstücke: "Ich brauche keine Millionen, ich brauch weiter nichts als Musik, Musik, Musik."

Ihre Stimmen paarten sie mit imitierten Instrumenten, mal ein Bass, dann die Luftgitarre, Trompeten oder zum Finale Dudelsäcke. Flott wechselten sie von einem Stil zum nächsten, inszenierten die Lieder mal mit Federboa, Schaukelpferd oder Baby-Mützchen. Immer mitten im Geschehen, wenn es galt, etwas Amüsantes umzusetzen: Günter Kaiser. Er brillierte als Marlene Dietrich. "Auf die langen Beine haben wir heute verzichtet", scherzte Steiner, ehe sie zusammen "Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" anstimmten. Anschließend erzählte Kaiser, im Internet nach Elvis- und Jopi-Heesters-Witzen gesucht zu haben. "Nichts gefunden, da stand ›Elvis lebt".

" Den Beweis für diese Theorie lieferte er mit seinen Kollegen gleich selbst. Ein typischer Elvis-Song gefolgt von einer schaurig schönen Inszenierung vom "Kriminaltango". Wunderbar ließen sie ihre Stimmen ein Feuerwerk entfachen – mal sanft und leise, dann verrucht und sofort darauf ansteckend fröhlich. Stimmakrobaten eben.

Die Viertakter lieferten den Beweis, dass Instrumente überflüssig sein können, mit gepflegten, geschulten Stimmen und der nötigen Portion Spaß alles machbar ist – auch Rock’n’ Roll. Den zweiten Teil starteten die vier Sänger mit dem Beatles-Song "Can’t buy me love". Von den Beatles zu Johnny Cash ist es bei den Viertaktern nur eine kurze Moderation, einmal Ton angeben und schon sind sie in Nashville. Klar, dass sie auch ein Pferd und einen Cowboy in ihrer Truppe haben: Martin Steiner galoppierte singend auf einem Stoffpferd vorm Publikum her. Von den USA zurück nach Deutschland: "Mädel rück an meine grüne Seite" – mit sächsischem Dialekt, wunderbar die flotten Szenenwechsel der Sänger, die sich selbst gern als den kleinsten Männerchor der Welt bezeichnen.

Eine Persiflage auf die echten Männerchöre brachten sie gleich mit: Notenmappen hervorkramen, trödeln, räuspern, die Noten verlieren, tauschen, die Mappen wenden.

Dann stimmen sie zum scheinbaren Durcheinander den Kiss-Klassiker "I was made for loving you" an – dafür ernten sie Jubelpfiffe aus dem Publikum. Ebenso wie für ihre Interpretation von "La Montanara" – schnell wickeln sie die Hosenbeine hoch, hervor kommen rote Stutzen, und dann stimmen sie gewaltig den Klassiker an. Weiter in die Schweiz, zum Jodeln, anmoderiert im schweizerischen Dialekt von Günter Kaiser, amüsant, wie auch seine Stepp-Einlage.

Völlig unerwartet das "letzte Stück vor der Zugabe": "Hey Wickie". Spätestens jetzt kullern die Freudentränen bei den Zuschauern.

Zum Genießen auch die Zugaben: den kuschelnden Teddybären, die Dudelsackeinlage, ganz ohne Gesang und als finalen "Rausschmeißer" das Sandmännchen. Ein Auftakt zum Christkindlmarkt auf absolut hohem Niveau.

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