Es gibt zu viele Raser in Reichelsheim, so wie hier in der Ortsdurchfahrt Heuchelheim - darin sind sich die Stadtverordneten einig. Ein Verkehrskonzept soll nun die gesamte Stadt in den Blick nehmen, nicht nur einzelne Punkte.	FOTO: NICI MERZ
+
Es gibt zu viele Raser in Reichelsheim, so wie hier in der Ortsdurchfahrt Heuchelheim - darin sind sich die Stadtverordneten einig. Ein Verkehrskonzept soll nun die gesamte Stadt in den Blick nehmen, nicht nur einzelne Punkte. FOTO: NICI MERZ

»Die Stadt muss sicherer werden«

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
    schließen

Reichelsheim (dab). Die SPD-Fraktion hat angeregt, ein Verkehrskonzept für das gesamte Stadtgebiet zu erstellen. Dem schlossen sich CDU und Freie Wähler an; das Votum war einstimmig.

»Die Stadt muss sicherer werden, die Situation ist teilweise katastrophal«, sagte Yvonne Straschek, die den Antrag erläuterte. Die SPD habe einen Arbeitskreis rund ums Thema Verkehr gegründet und konkrete Beispiele in allen Stadtteilen aufgelistet, wo Handlungsbedarf bestehe.

Der Magistrat solle ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept in Auftrag geben mit dem Ziel, eine Verkehrsberuhigung in allen sechs Stadtteilen zu erreichen. Die Bürger sollen nach dem Willen der SPD einbezogen werden: durch Befragungen, Stadtteilrundgänge und Info-Veranstaltungen. Zudem sollen die Ergebnisse künftiger Verkehrsschauen »zeitnah und transparent« den Bürgern dargestellt werden.

Mit wem soll geblitzt werden?

In dem Konzept sollen unter anderem diese Themen enthalten sein: Geschwindigkeitsreduzierungen, Barrierefreiheit, das Einrichten von Zebrastreifen und Querungshilfen, der vermehrte Einsatz von Geschwindigkeitsmessanzeigen, das Aufhängen von Verkehrsspiegeln, eine Analyse der Parkplatzkapazitäten und die Kontrolle des ruhenden und fließenden Verkehrs.

Außerdem fordert die SPD in dem Antrag, die Struktur, Arbeitsweise und Einsatzzeiten des gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks aufzuzeigen. Reichelsheim arbeitet hier bislang mit Florstadt und Niddatal zusammen. Früher gehörte auch Ranstadt zu diesem interkommunalen Verbund, bevor die Gemeinde sich andere Partner suchte. Wölfersheim hat im Juni den Austritt beschlossen, um künftig mit Butzbach, Münzenberg und Rockenberg zusammenzuarbeiten. Der Magistrat soll prüfen, ob Reichelsheim ebenfalls dort Mitglied werden könnte.

»Bislang wurde das Thema Verkehrsberuhigung immer nur einzelfallbezogen angegangen«, sagte Straschek. »Hiervon wollen wir uns mit diesem Antrag lösen und den großen Wurf wagen.« Eine beruhigte Verkehrssituation sei die Voraussetzung für eine hohe Wohn- und Lebensqualität in allen Stadtteilen. Das Ziel sei, Beschwerden aus der Bevölkerung »deutlich und dauerhaft« zu verringern. Dies rechtfertige die »erheblichen Kosten« von vorerst 40 000 Euro, die in den Haushaltsplan 2021 eingestellt werden sollten. Die Dorferneuerung in Blofeld habe gezeigt, dass bei den Behörden erst mit einem Verkehrskonzept Erfolge erzielt werden konnten. Alle anderen Versuche, dort Gehör für die Anliegen der Bürger zu finden, seien gescheitert.

Polizeidienst berücksichtigen

Die zu hohe Geschwindigkeit sei in allen Stadtteilen ein Thema, signalisierte FW-Fraktionsvorsitzender Hans-Günter Scholz die Zustimmung der Freien Wähler. Sein Eindruck: »Es wird durchgeknattert.«

Scholz’ Fraktionskollege Carsten Eckhold schlug vor: Der angeforderte Sachstandsbericht des Magistrats solle dahingehend erweitert werden, dass darin auch die Auswirkungen des Freiwilligen Polizeidienstes aufgeführt werden. Dem schlossen sich sowohl SPD als auch CDU an.

Für die Union hatte Dr. Erich Sehrt zuvor bereits die Zustimmung zu einem gesamtstädtischen Verkehrskonzept bekundet. So sei etwa die geplante Auflistung, wie oft die vorhandenen Geschwindigkeitsmessanzeigen eingesetzt würden, sinnvoll. »Denn diese Messungen zeigen durchaus Wirkung«, sagte Sehrt. 40 000 Euro im nächsten Haushalt für das Konzept einzuplanen, erscheine ihm zwar recht viel. »Aber vielleicht geht es ja auch etwas günstiger.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare