Für den Neubau der Kita in Reichelsheim müsste das Wäldchen gerodet werden. Noch ist die Politik nicht zu einer finalen Entscheidung gekommen. 
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Für den Neubau der Kita in Reichelsheim müsste das Wäldchen gerodet werden. Noch ist die Politik nicht zu einer finalen Entscheidung gekommen. 

Wäldchen

Sportplatz als Alternative für neue Kita in Reichelsheim?

Der Standort für eine neue Kita in Reichelsheim war erneut Thema im Ausschuss. Rudolf Zentgraf von der BI "Wäldchen" hat dabei sein Konzept für einen Alternativstandort vorgestellt.

"Wir haben ein Konzept entwickelt, durch das wir alle Bedingungen und Interessen unter einen Hut bekommen. Der Alternativstandort alter Sportplatz ist für den Neubau der Kita optimal", sagte Rudolf Zentgraf von der Bürgerinitiative "Rettet das Reichelsheimer Wäldchen" am Donnerstag im Bürgerhaus Weckesheim. Dort traf sich der Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung, Landwirtschaft und Umwelt zu einer zweiten Sondersitzung.

Der Ausschuss beschäftigte sich erneut mit der Vorlage des Magistrats vom Juni 2017: "Neubau einer fünfgruppigen Kiat in Reichelsheim". Dieser soll auf dem Grundstück neben dem Bürgerhaus entstehen. Dafür müsste aber das Wäldchen gerodet werden, wogegen sich die BI einsetzt.

Im Ausschuss stellte Zentgraf sein Konzept für den Standort alter Sportplatz vor. Der Vorsitzende des SV Reichelsheim, Cenk Gönül (Freie Wähler), unterstütze dies. Der FC Inter könne auf dem neuen Sportplatz in Reichelsheim trainieren, alternativ in Beienheim oder Weckesheim. Später könne man nach Fördermitteln suchen, um einen modernen Sportplatz zu bauen.

"Standort Wäldchen teurer"

Den Einwand der Stadtverwaltung, der alte Sportplatz müsse aufwändig aufgefüllt werden, damit sich die neue Kita nicht mehr im Hochwasserbereich befinde, kritisierte Zentgraf. "Die BI hat anhand der Höhenvermessung und des vorhandenen Bodengutachtens festgestellt, dass der alte Sportplatz lediglich um 21 Zentimeter mit verdichtungsfähigem Recyclingmaterial aufgefüllt werden muss und der Bau dann sofort starten kann", sagte der BI-Sprecher.

Das Wäldchen müsse dagegen gerodet, die teils über vier Meter tiefen Wurzeln müssten ausgebaggert, mit Natursteinmaterial ersetzt und verdichtet werden. Der Standort sei deutlich kostenintensiver, und auch der Bauaufwand sei deutlich höher, was zu einer Zeitverzögerung führe. Außerdem biete sein Konzept viele Synergieeffekte, sagte Zentgraf, zum Beispiel sei die gewünschte Infrastruktur (Gas, Wasser, Strom, Kanal, Telekommunikation) gleich zweifach vorhanden, am "Steinbeißer" und am Bürgerhaus, deren Räume man ebenfalls nutzen könne. Auch der Umbau der Straßeninfrastruktur sei günstiger.

SPD: Weichen vom Standort nicht ab

Ausschussvorsitzender Erik Faber (CDU) bat die Fraktionen, ihre Position nochmals darzulegen. SPD-Fraktionsvorsitzender Eckhard Fritsch stellte die Kita-Belegungspläne der Stadt vor, um die Dringlichkeit eines Neubaus hervorzuheben. "Wir brauchen die Kita sehr dringend, wir bauen sie für das Wertvollste, was wir haben: unsere Kinder. Wir werden von dem Standort nicht abweichen", sagte er.

CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Erich Sehrt wollte sich für seine Fraktion noch nicht festlegen. "Die Kita muss gebaut werden, auch wenn dies eine immense finanzielle Belastung für die Stadt darstellt. Wir müssen uns aber noch weitere Fachinformationen einholen, um über den genauen Standort entscheiden zu können."

"Wir haben mehrfach nach einem Bodengutachen für das Wäldchen gefragt. Zunächst hieß, es sei keins vorhanden, obwohl es bereits seit 2018 existiert", zeigte sich Cenk Gönul (FWG) irritiert. Dieses Gutachten zeige die Schwachstellen des ursprünglichen Standortes auf. Die Freien Wähler sprächen sich daher für den Sportplatz aus, es sei denn, ein Gutachten belege, dass der Standort nicht geeignet sei.

BI: Wir klagen nicht

Ein wenig hitzig wurde es, als Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert (SPD-Fraktion) Zentgraf kritisierte. "Es wird gedroht, dass gegen das Projekt geklagt wird. Ich bitte dringend darum, dass die Kinder weiter im Vordergrund stehen und nicht am Ende die Leidtragenden sind. Wir brauchen die Kita dringend und können keine weitere Verzögerung gebrauchen", sagte Strebert. Zentgraf wies diesen Vorwurf von sich. Die BI wolle nicht klagen, es sei aber nicht auszuschließen, dass der NABU oder BUND dies tue.

Die Fraktionen sind nun zu weiteren Beratungen angehalten, um dann eine Entscheidung zu treffen. Wann diese fällt, ist noch nicht klar. Die Stadtverordneten tagen am Donnerstag, 17. Dezember.

Von Timo Goldschmidt

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