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Die Leiterinnen (v. l.) Christina Benner, Ute Hennich und Helena Braun, freuen sich über mehr Platz für ihr Team.

Pflege

Sozialstation Mittlere Wetterau zieht um: Mehr Platz für die Sozialstation in neuen Räumen

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Die Mitarbeiterinnen der Sozialstation Mittlere Wetterau ziehen in diesen Tagen weitgehend unbemerkt ins Neubaugebiet Weckesheim um. Doch dadurch wird sich einiges ändern.

Die Sozialstation Mittlere Wetterau hat klein angefangen. Der ambulante Pflegedienst wurde 1995 von den Kommunen Echzell, Reichelsheim, Florstadt und Wölfersheim als Zweckverband gegründet. Das Ziel: Senioren sollten möglichst lange allein zu Hause leben können. Sechs Schwestern kümmerten sich damals um etwa 50 Patienten. Heute sind 40 Menschen in der Sozialstation beschäftigt, die 200 Pflegebedürftige betreuen. Auch Hauswirtschaft und Demenzbetreuung gehören inzwischen zum Angebot.

Ein Problem gab es: das Gebäude, in dem Routen geplant, Besprechungen durchgeführt und Dokumentationen geschrieben wurden. Die kleinen angemieteten Büros im Weckesheimer Hainweg reichten seit Jahren nicht mehr aus. "Dort mit einem Team von 40 Menschen zu arbeiten, war logistisch fast nicht mehr machbar", sagt Pflegedienstleiterin Christina Benner. Die Pflegefachkräfte zum Beispiel hatten keine eigenen Arbeitsplätze, sondern mussten warten, bis ein Rechner des Leitungsteams frei war. "Das war anstrengend für alle Beteiligten", erzählt Benner. Das wird nun anders.

Sozialstation Mittlere Wetterau zieht um: Schlüsselverwaltung mithilfe der EDV

In dem eingeschossigen Gebäude im Neubaugebiet haben die Pflegekräfte ein eigenes Büro, zwei weitere Büros stehen für Ute Hennich von der Verwaltungsleitung und für Christina Benner und Helena Braun von der Pflegedienstleitung zur Verfügung.

Die kommunale Sozialstation Mittlere Wetterau ist nun im Neubaugebiet Weckesheim untergebracht.

Es gibt außerdem einen großen Besprechungsraum, der mit einer Multimediawand ausgestattet ist. So können die Touren einfacher geplant und auch Fortbildungen besser durchgeführt werden. In dem 270 Quadratmeter großen Gebäude sind darüber hinaus Umkleiden mit Duschen und eine Küche untergebracht.

Zu den Neuerungen zählt auch eine computergesteuerte Verwaltung der 200 bis 250 Schlüssel. Der Schrank lässt sich nur durch Eingabe eines Codes öffnen. Zudem ist jeder Haken, an dem ein Schlüssel hängt, mit der Technik verbunden. So wird dokumentiert, wer wann einen Schlüssel ab- und wieder hingehängt hat. "Das ist eine optimale datenschutzrechtliche Verwaltung", sagt Horst Wenisch, Büroleiter der Stadtverwaltung Reichelsheim und Verbandssekretär der Sozialstation.

Sozialstation Mittlere Wetterau zieht um: Im Kostenrahmen

"Die veranschlagten Baukosten von unter 800 000 Euro haben wir eingehalten - inklusive Möbeln, EDV und Außenanlagen", betont Wenisch. Ein Neubau sei sinnvoller gewesen, als wieder Räume anzumieten. Obwohl die Sozialstation nun viermal so groß sei wie zuvor, seien die Betriebskosten niedriger, etwa durch die moderne Heizung. Rechne man noch die Miete ab, seien über zwei Drittel der Finanzierungskosten gedeckt. "Den Rest können wir uns leisten."

Eine adäquate Umkleidemöglichkeit - das gab es vorher nicht.

Der Neubau sollte wieder nach Weckesheim, "weil der Standort zentral in unserem Betreuungsgebiet liegt", erklärt Wenisch. Die Stadt Reichelsheim hat dem Zweckverband das Grundstück in Erbbaupacht überlassen. Dazu gehört auch ein Parkplatz für die 16 Autos der Sozialstation - und eine Erweiterungsfläche, die erst einmal eine Blühwiese werden soll. "Wenn es nötig ist, kann das Gebäude um mindestens die Hälfte erweitert werden", sagt Wenisch.

Gab es beim ersten Spatenstich Ende Mai 2019 noch einen großen Bahnhof, ist die Einweihungsfeier nun coronabedingt auf unbestimmte Zeit verschoben. "Abstand halten ist gerade im Umgang mit alten und kranken Menschen ein Muss", betont Wenisch.

Das Ziel des Neubaus ist auch ohne Festakt erreicht: für bessere Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter zu sorgen. Benner: "Ich freue mich für mein Team. Es ist jetzt einfach viel, viel schöner."

Sozialstation Mittlere Wetterau zieht um: "Wir sind weder Opfer noch Helden"

Die meisten Menschen, die von der Sozialstation Mittlere Wetterau betreut werden, gehören zur Corona-Risikogruppe. "Wir waren ganz früh dran und haben schon Anfang März einen Pandemie-Plan erstellt", sagt Pflegedienstleiterin Christina Benner. Der Mundschutz wurde kurz darauf zur Pflicht - "lange, bevor er sich endlich überall durchgesetzt hat". Als das Desinfektionsmittel zur Neige ging, kaufte Benner vorsorglich Seife und Küchenrollen ein - und wurde dafür "von wohlmeinenden Bürgern beschimpft". Zum Glück sei die Sozialstation rechtzeitig vom Wetteraukreis und von der Feuerwehr versorgt worden, "das war wie ein Fest", und auch der Nachschub sei gesichert. Benner ist es wichtig, in der Krise nicht problem-, sondern lösungsorientiert zu denken. "Das ganze Team hat eine positive Haltung, das macht mich sehr stolz." Was sie hingegen gar nicht mag: "Wenn wir als Opfer oder Helden gesehen werden. Wir sind weder das eine noch das andere. Wir möchten unseren Beitrag leisten, und den dürfen wir auch leisten." Einen Corona-Fall in der Sozialstation gab es bislang nicht. 

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