Silvia Möller verlässt nach 18 Jahren "ihre" Kita Holzwurm

Reichelsheim (kai). Silvia Möller liebt ihren Beruf. Sie liebt Kinder, freut sich über die alltäglichen Kleinigkeiten: wenn ein ihr anvertrautes Kind aufs Baumhaus klettert, im Wald spielt oder zu ihr kommt, erzählt und ihre Nähe sucht. Seit fast 18 Jahren leitet sie die städtische Kindertagesstätte Holzwurm – diese Ära endet in ein paar Tagen.

Für die Erzieherin und Mutter zweier erwachsener Kinder ergab sich eine neue Herausforderung. "Wer bekommt mit 50 noch ein tolles Angebot?" Der Wechsel vom öffentlichen Dienst ins Team eines Mütter- und Familienzentrums, nach Bad Nauheim, steht bevor.

"Bei allem, was wir hier in Reichelsheim umgesetzt haben, war mein Ziel, familienorientiert zu arbeiten", bilanziert Möller. Als sie wenige Monate nach der Eröffnung die Leitung der Kita Holzwurm übernahm, galt es, das gewünschte offene Konzept umzusetzen. Der Kindergarten, komplett aus Holz gebaut, wirke einladend und warmherzig, das sei ideal für ein offenes Konzept. Revolutionär sei das damals gewesen, Chaos hätten Kritiker prognostiziert. Stück für Stück wuchsen alle hinein. Anfangs galt es, den neuen Kindergarten, der vormittags und nachmittags geöffnet hatte, zu etablieren, auch wegen der Lage. "Ihr gehört ja nicht dazu, ihr liegt hinter der Bahn", bekam sie mal zu hören.

Längst sind die Berührungsängste gewichen. Dank des Engagements von Möller und ihrem Team haben sie die Einrichtung zu einer Marke reifen lassen. "Die Kita Holzwurm mit Silvia Möller war immer meine Anlaufstelle für neue Ideen", sagt Büroleiter Horst Wenisch. Hier wurden als erstes die Öffnungszeiten, auch über Mittag, erweitert. Die Schulkinderbetreuung am Nachmittag kam hinzu, die Gruppe für Zweijährige. Anfangs seien Ganztagseinrichtungen für Kinder verpönt gewesen. Dass Mütter den ganzen Tag arbeiten, sei unvorstellbar gewesen. "Das spornte mich an, auf die geänderten Familienstrukturen zu reagieren", erzählt Möller. "Wir wurden belohnt: Die Eltern kamen."

Sie bezog die Eltern stets mit ein. Gemeinsam wurde das Außengelände naturnah gestaltet. Ein Elterncafé kam hinzu, ein Eltern-Kind-Treff für die ganz Kleinen. "Wir laden junge Familien frühzeitig ein, damit sie die Kita unverbindlich kennenlernen können."

Bei aller Arbeit achtet Silvia Möller aber auch darauf, dass das Private nicht zu kurz kommt. Sie näht leidenschaftlich gern, ist eine sehr geschickte Handwerkerin, restauriert ihr eigenes Fachwerkhaus, sät, hackt und erntet im Garten. Etwas gestalten, anpacken, Ideen umsetzen – das liegt ihr. Deshalb wurde es für sie nichts mit ihrem ersten Berufswunsch: Krankenschwester. Nach kurzer Zeit gab sie die Ausbildung, trotz guter Noten, auf. Sie heuerte in Altenheimen an, um ihre Idee zu verwirklichen: Senioren beschäftigen, ihnen ein Freizeitangebot machen. "Das lief gut, doch irgendwann wollte ich auch eine abgeschlossene Ausbildung haben." Als sie ihre Erzieherinnen-Ausbildung begann, war ihr Sohn schon geboren, und sie hatte in Steinfurth mit anderen Eltern als Verein eine Krabbelstube aufgebaut.

Nun geht es beruflich zu einem anderen Verein. Ehe es soweit ist, steht der Abschied in Reichelsheim an. Im Kindergarten gibt es am Mittwoch eine Feierstunde. Ganz privat geht’s mit den Eltern und den Kindern noch auf den Glauberg. Einen Wunsch hat Möller für "ihre" Kita: "Sie soll sich stetig weiterentwickeln, die Verantwortlichen sollen immer einen Schritt vorausdenken." (Foto: kai)

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