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Fast 40 Gläubige haben sich am Samstagabend im katholischen Pfarrgarten in Dorn-Assenheim zum ökumenischen Gottesdienst mit Reisesegen versammelt. Eingeladen dazu haben die evangelische Kirchengemeinde Reichelsheim und die katholische Pfarrgruppe Wickstadt/Dorn-Assenheim.

Reisesegen unterm Lindenbaum

  • Ines Dauernheim
    VonInes Dauernheim
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Reichelsheim (kai). »Uns verbindet sehr viel. Wer nicht an Gott glaubt, glaubt an alles«, sagte Pfarrer Kai R. Wornath zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes im Garten des Pfarrheims in Dorn-Assenheim. Gemeinsam mit seiner evangelischen Kollegin Angela Schwalbe predigte der katholische Geistliche am Samstagabend in erfrischender Weise über Urlaub, die freie Zeit und das Zurruhekommen.

Musikalisch bereicherten Ralf Schäfer am E-Piano, Klaus-Peter Schneider an der Trompete und Tenor Michael Möbs den Gottesdienst im Schatten von Weinreben und Lindenbaum.

»Wir haben beide in der Bibel nach Urlaub gesucht und keine Stelle gefunden«, sagte Wornath den fast 40 Gästen, unter ihnen Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst. »Das Wort hat seinen Ursprung im Althochdeutschen und kommt von Erlaubnis, den Ur - den Bauern, den Dienstherren - um Erlaubnis zum Entfernen von der Arbeit zu fragen«, erklärte Schwalbe.

»Es gibt aber sehr wohl eine Stelle in der Bibel, in der von Ruhe und Pause die Rede ist«, erläuterte Wornath in der Dialog-Predigt. In Genesis, dem 1. Buch Mose, steht: »Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.« Wornath erklärte: »Wir Menschen brauchen auch Pausen, Zeit, um mal aus dem Hamsterrad rauszukommen, Zeit, um nachzudenken.« Schwalbe ergänzte: »Sich mal frei machen können, zurücklehnen, schauen, was man geschafft hat, und sich loben wie Gott: ›Siehe es war sehr gut.‹« Beide erinnerten daran, dass der Sonntag zum Ruhen da sei. Als das Christentum nicht beliebt gewesen sei, im Kommunismus, sei die Arbeitswoche auf zehn Tage ausgedehnt worden. »Das endete katastrophal, der Sieben-Tage-Rhythmus entspricht dem menschlichen Biorhythmus«, berichtete Wornath. »Am Sonntag sollen wir uns Ruhe gönnen«, sagte Schwalbe. Nun sei es an der Zeit, sich auf den Urlaub zu freuen.

Spontan griff Wornath das Mikrofon und ging durch die Reihen, bat jeden Gläubigen, zu sagen, was Urlaub für ihn bedeute. Die Antworten ähnelten sich: nichts tun, das Meer und auch die Berge genießen, anders leben, ein Projekt im Haus oder Garten umsetzen, sich bedienen lassen, Zeit zum Meditieren haben. »Reisen ist wie eine Zäsur, wir wünschen, dass Sie einen guten Engel an der Seite haben und von Gott umgeben sind«, schloss Schwalbe die Predigt.

Essen und reden

Begleitet von E-Piano und Trompete sang die Gemeinde das Glaubensbekenntnis. Zum Ende des Gottesdienstes sprachen Wornath und Schwalbe den Besuchern den Reisesegen zu. Anschließend luden beide Gemeinden zum Imbiss ein. »Das ist gelebte Ökumene, tauchen Sie das evangelische Laugengebäck in den katholischen Dipp«, forderte der katholische Pfarrer auf. Tatsächlich blieben die Gäste noch lange im Pfarrgarten und tauschten sich aus, schmiedeten weitere ökumenische Pläne und genossen sichtlich die christliche Gemeinschaft.

Unterhaltsames Teamwork: Gemeinsam predigen Pfarrerin Angela Schwalbe und Pfarrer Kai R. Wornath. Musikalisch begleiten Klaus-Peter Schneider (verdeckt), Ralf Schäfer und Michael Möbs den Gottesdienst.

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