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Grabungsleiterin Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling und Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal diskutieren über die Verfärbung im Erdreich, die sich später als Brunnen herausstellt.

"Wichtelwiese"

Ausgrabungen vor dem Kita-Bau fördern Ungewöhnliches zutage

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Die Wetterau ist seit Jahrtausenden relativ dicht besiedelt. Deshalb war der Fund eines römischen landwirtschaftlichen Gebäudes bei den Arbeiten zum Bau des Kindergartens "Wichtelwiese" in Dorn-Assenheim keine große Überraschung. Ungewöhnlich ist, dass sich auch Spuren eines anderen Baus fanden.

Nur wenige Zentimeter unter der Wiese am Dorfrand von Dorn-Assenheim beginnt die Geschichte. Der neue Kindergarten wird nahezu auf demselben Bodenniveau errichtet wie das ungefähr 18 Meter lange und sieben Meter tiefe römische Gebäude, dessen Grundmauern bei den Vorbereitungen für den Neubau zum Vorschein kamen. Weil durch die Bauarbeiten und insbesondere die Pfahlgründung der Kita diese historischen Spuren zerstört werden, mussten sie vorher archäologisch erforscht und für die Nachwelt dokumentiert werden.

Ungewöhnliche Funde in Dorn-Assenheim: Gebäude aus der Frühzeit nach Christi Geburt

Bei dem Gebäude handelt es sich nach Einschätzung des Kreisarchäologen Dr. Jörg Lindenthal um ein einzeln stehendes landwirtschaftliches Gebäude aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christi Geburt. "Im Moment deutet nichts darauf hin, dass das Gebäude Teil einer größeren Anlage ist", erklärt er. Solche einzeln stehenden Gebäude aus der römischen Besiedlung seien in der Wetterau von Luftbildaufnahmen bekannt. In Friedberg und bei Gambach sei jeweils eins dieser Gebäude auch archäologisch untersucht worden, wobei eins relativ schlecht erhalten gewesen sei, so Lindenthal.

"Es sieht aus, als ob hier Leute dabei gewohnt haben", beschreibt er die Interpretation der Funde weiter. Denn bei der Grabung seien Reste von Koch- und Essgeschirr gefunden worden. Besonders freut sich Lindenthal über Putzreste, die ihm Grabungsleiterin Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling zeigt. "Anhand dieses einen Brockens kann man sich das Gebäude gut vorstellen." Es sei ähnlich wie der rekonstruierte Limeswachturm bei Rommelhausen verputzt gewesen.

Ungewöhnliche Funde in Dorn-Assenheim: Der Zufall kommt zu Hilfe

Ein Glücksfall ist der Schnitt durch die Innenseite des Gemäuers, den Faulstich-Schilling und ihre Helfer parallel zur kürzeren Außenmauer angelegt haben. "Wir können durch diesen einen Schnitt sehen, dass es einen Vorgängerbau gab", deutet Lindenthal auf dunkle Verfärbungen im Erdreich, die sich rechteckig an den Mauern abzeichnen. Dass der Profilschnitt genau die Pfostenreste eines Vorgängerbaus erfassen würde, war bei seiner Festlegung nicht vorherzusehen.

Drainagerohre zeugen von der landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche.

Auch eine weitere dunkle Verfärbung in der Mitte zwischen den Mauern stellt sich als glücklicher Zufall bei der Wahl der Schnittführung heraus. Zunächst lässt sie sich noch nicht eindeutig erklären. Fest steht, dass auch an dieser Stelle Erde für eine Grube ausgehoben worden war.

Die weiteren Grabungen bestätigen, dass es sich um Spuren eines Brunnens handelt. "Da sieht man schön den hölzernen Brunnenkasten", freut sich Lindenthal. Während um diesen Befund herum der Boden für den Kita-Neubau mit Schotter tragfähiger gemacht werden soll, werden die Archäologen den Brunnen weiter ausgraben. "So häufig haben wir diese Brunnen in den Gebäuden nicht", begründet Lindenthal den Aufwand.

Ungewöhnliche Funde in Dorn-Assenheim: Hoffen auf Holz

"Wenn wir Glück haben, dann haben die Römer den Brunnen tief genug gegraben, sodass Holz erhalten ist", erläutert er, welche Erkenntnisse der Fund bieten könnte. Wenn der Brunnenkasten aus grob gehauenem Holz und die äußeren Holzschichten erhalten wären, ließe sich anhand der Jahresringe die Bauzeit des Gebäudes sehr genau bestimmen. "So wie es aussieht, scheint der Brunnen aus der Holzbauphase des Gebäudes zu stammen", vermutet Lindenthal. Damit hätte man vielleicht Reste der Frühphase der römischen Besiedlung der Wetterau. Außerdem fänden sich in Brunnen öfter Spuren, die genauere Hinweise auf die frühere Nutzung des Gebäudes gäben.

Was die baubegleitende Grabung aber nicht zeigt, ist, ob es sich bei den Grundmauern tatsächlich nur um die Reste eines einzelnen Gebäudes handelt oder ob weitere Holzgebäude in unmittelbarer Nachbarschaft standen. Denn dazu müsste die weitere Umgebung untersucht werden. Lindenthal erklärt: "Wir wissen nicht: Haben wir einen kleinen Hoftypus vor uns oder eine Hofanlage, die nur aus Holzgebäuden und einem Steinbau bestand?"

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