Reichelsheimer SPD erobert absolute Mehrheit

  • vonOliver Potengowski
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Reichelsheim (sax). Mit einem Stimmenzuwachs von rund 10 Prozentpunkten auf 54 Prozent hat die SPD die absolute Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung erobert. Ihre Gewinne gingen zulasten der CDU, die rund 4,4 Prozentpunkte verloren hat, sowie der Freien Wähler (FW, minus 5,3 Prozentpunkte). Eckhard Fritsch, bisher Fraktionsvorsitzender der SPD, betont, dass das Ergebnis auch eine Verantwortung bedeute.

Drei Mandate gewinnt seine Partei in der Stadtverordnetenversammlung hinzu und ist mit dann 15 Mitgliedern deutlich stärker als CDU und FWG zusammen. Die CDU fällt von 31,8 auf 27,4 Prozent zurück, was sieben - statt bislang neun - Sitzen in dem Gremium entspricht. Durch ihr Wahlergebnis von 18,6 Prozent der Stimmen verliert die FWG ein Mandat und ist künftig mit fünf Abgeordneten vertreten.

CDU enttäuscht

»Ich denke, mit einer absoluten Mehrheit können wir unser Wissen und unseren Tatendrang umsetzen«, freut sich Fritsch über das Ergebnis. Damit wird es für Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst (SPD) leichter, Politik nach den Vorstellungen ihrer Partei zu machen. Sie war bei der Wahl als Spitzenkandidatin angetreten, nimmt das gewonnene Mandat aber freilich nicht an.

Eine Opposition, die Projekte verhindern könnte, ist durch die Mehrheitsverhältnisse nahezu ausgeschaltet. Trotzdem sieht Fritsch das Wahlergebnis nicht als Freibrief. Er vertraue auf die Sprachkultur und die Kommunikation, durch die sich die Stadtverordnetenversammlung Reichelsheim von den Gremien anderer Kommunen unterscheide. »Wir holen jeden ins Boot, der mit uns arbeiten will«, verspricht er. Dass die SPD die anderen Fraktionen nach Belieben überstimmen könne, sieht er als besondere Verantwortung, auch diesen Möglichkeiten zu lassen, um Politik mitzugestalten. »Man muss mit einer absoluten Mehrheit behutsam umgehen.«

Dr. Erich Sehrt, bisher Fraktionsvorsitzender der CDU, will sehen, ob dieses Versprechen auch in die Tat umgesetzt wird. Dass die SPD jetzt die absolute Mehrheit habe, bedeute in jedem Fall eine Veränderung. »Das Parlament hat sich gegenseitig gut kontrolliert, und das ist nun futsch.«

Seine Enttäuschung über den Ausgang der Wahl verbirgt Sehrt nicht. Er bedauert, dass inhaltliche Themen wie das Scheitern der »Neuen Mitte« offenbar keine Rolle gespielt hätten. »Es wurden Entscheidungen von SPD und FW getroffen, die den Bürger richtig viel Geld gekostet haben.«

Hans-Günter Scholz, bisher Fraktionsvorsitzender der FW, sieht einen wesentlichen Grund für den Wahlerfolg der SPD bei Bürgermeisterin Herget-Umsonst. Ihr Wahlkampf habe weiter gewirkt. »Das ist ein Punkt, wo die Bürger sagen: Da geben wir das Vertrauen auch für die Fraktion.« Dabei lobt er, die Verwaltung sei seit Herget-Umsonsts Amtsantritt sehr viel offener geworden. Trotzdem kündigt er an, Entwicklungen weiter kritisch zu hinterfragen. Dabei würden die FW auch ökologische Themen im Blick behalten. »Wir stellen die Opposition dar, die den Finger in die Wunde legt.« Aus diesen Diskussionen könne in kollegialer Zusammenarbeit eine positive Entwicklung für die Stadt entstehen.

Reichelsheim Wahl- berechtigte Beteiligung % CDU %SPD %Freie Wähler %Reichelsheim 2021 1.643 20,02 18,89 57,20 23,91 2016 1.638 44,57 26,30 44,32 29,38 Beienheim 2021 1.161 18,86 14,02 63,85 22,12

2016

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