Christa Bachmann geht nach fast 40 Jahren in der Kita "Purzelbaum" in Beienheim in den Ruhestand. In dieser Zeit hat sie viel Wandel erlebt.	FOTO: NIC
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Christa Bachmann geht nach fast 40 Jahren in der Kita »Purzelbaum« in Beienheim in den Ruhestand. In dieser Zeit hat sie viel Wandel erlebt. FOTO: NIC

Neuer Lebensabschnitt

Reichelsheimer Kita-Leiterin geht in den Ruhestand

  • vonMarion Müller
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Kita-Leiterin Christa Bachmann hat schon viele Kinder kommen und gehen sehen. Nach fast 40 Jahren in der Kita »Purzelbaum« in Beienheim geht sie in den Ruhestand und hat viel erlebt.

Schon im Flur sind viele Kinderstimmen zu hören. In Christa Bachmanns Gruppe haben die Kinder gerade das Frühstück beendet. Noch schnell Hände waschen, dann wird gepuzzelt.

Bachmann ist seit Mai 1983 Erzieherin in der städtischen Kita »Purzelbaum« in Beienheim und seit August 1984 die Kita-Leiterin. Ende des Monats geht sie in den Ruhestand - nach fast 40 Jahren. »Als ich hier anfing, waren wir zwei Gruppen und zwei Erzieher«, sagt Bachmann.

Damals sei es ein Dorfkindergarten gewesen. Die Öffnungszeiten vormittags von 8 bis 12 Uhr. Allerdings mussten berufstätige Frauen in dieser zeit arbeiten und konnten ihre Kinder nicht pünktlich abholen. »Frauen sind die, die am meisten Last tragen«, sagt die 64-Jährige. Das habe sie auch während der Corona-Pandemie wieder gemerkt. »Es hat sich in den 40 Jahren nicht viel geändert, was die Gleichberechtigung angeht.« Viele Mütter hätten noch immer ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihre Kinder erst nachmittags abholten.

Kita »Purzelbaum: Strengere Erziehung und weniger Diskussionen

»Der Anspruch vor 40 Jahren war ein anderer.« Das spiegele sich nicht nur in den Anforderungen für die Erzieher wider. Auch die Kinder und die Erziehung durch die Eltern hätten sich gewandelt. »Jede Zeit hat ihre Zeit und jede Zeit ist anders. Das heißt nicht, dass sie besser oder schlechter war«, betont Bachmann.

Kinder hätten sich früher zu Hause mehr bewegt. Heute müssten die Erzieher häufiger mit den Kindern nach draußen gehen. Früher seien Kinder zudem autoritärer und strenger erzogen worden. Man habe noch ein bisschen mehr Wert auf gutes Benehmen gelegt. »Heute haben Kinder dafür mehr Rechte und werden selbstbewusster erzogen«, sagt Bachmann. Ihrer Meinung nach werde aber zum Teil zu viel diskutiert. »Das Kind kann nicht alles verstehen, weil es auch gar nicht die Lebenserfahrung hat.« Die Grenzen zu erweitern sei okay, aber manchmal fehle einfach der Punkt. Gerade Grenzen zu setzen sei heute ein Thema. »Kinder brauchen eine klare Linie, damit sie zurecht kommen.« Grenzen setzen habe auch etwas mit Sicherheit zu tun.

Aber nicht nur die Erziehung der Kinder ist heute anders. Auch der Anspruch an Erzieher habe sich geändert. Früher musste etwa ein dreijähriges Kind trocken sein. Heute gehöre Windeln wechseln alleine schon mit den U-3-Kindern dazu. Früher habe im Kindergarten eher die Betreuung der Kinder im Vordergrund gestanden. »Heute will man den Charakter und die Eigenschaften der Kinder mehr stärken«, erklärt Bachmann. Aber vor allem solle heute die Selbstständigkeit von Kindern mehr gefördert werden.

Kita »Purzelbaum«: Bereits zwei Generationen erlebt

Als Leiterin der Kita müsse sie immer an alles denken. Es seien viel mehr Verwaltungsaufgaben und Dokumentation von Hygiene, auch vor Corona-Zeiten, und der Entwicklung der Kinder notwendig. Man führe quasi ein kleines Unternehmen.

In ihren fast 40 Jahren hat die scheidende Kita-Leiterin einige Kinder kommen und gehen sehen. »Ich fand’s immer toll, wenn Kinder zu uns kommen, und ich sehe die Fortschritte in ihrer Selbstständigkeit«, sagt die 64-Jährige. Es sei bewundernswert, wie schnell Kinder lernten. Bachmann sagt, sie habe bereits zwei Generationen in der Kita erlebt. »Es ist eine Vertrautheit da, wenn man die Eltern schon hier betreut hat und jetzt ihre Kinder.« Diese Vertrautheit mit Eltern und Kindern werde Bachmann fehlen, sagt sie. Sie wohne zwar in Beienheim, und »mich kennt hier fast jeder«, aber das sei was anderes.

Bachmann verlässt die Kita mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie freue sich auf ihren Ruhestand. Ein neuer Abschnitt beginne. Aber: »Ich wollte mich von den Eltern auf dem Sommerfest verabschieden«, sagt Bachmann. Das sei aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen. Sie habe sich in Briefen verabschieden müssen. »Es war jetzt nicht so schön, aber ich kann es nicht ändern und habe mich damit abgefunden.«

Bachmann freut sich auf ihren Ruhestand - vor allem »auf die selbstbestimmte Zeit«, sagt sie. Sie wolle nun mehr Laufen gehen und im Dezember, wenn sie 65 wird, mit dem Seniorenticket Hessen erkunden. »Ich möchte mehr Kultur und kleinere Städte kennenlernen.« Den Vorgarten der Kita wolle sie weiter pflegen. Aber Bachmann sagt, sie wolle die Kita nicht bewusst besuchen: »Ruhestand heißt Abschied.«

Reichelsheimer Kita: Erzieher gesucht

Nachfolgerin von Christa Bachmann als Kita-Leiterin ist Carmen Singer. »Ein schweres Amt habe ich übernommen«, sagt sie. Horst Wenisch, Koordinator für die Reichelsheimer Kindergärten, lobt Bachmann: »So eine vertrauensvolle und ruhige Zusammenarbeit mit einer Kita-Leiterin hatte ich selten.«

In Reichelsheim gibt es laut Wenisch derzeit drei offene Erzieher-Stellen. Hinzu kämen zwei weitere mit dem Bau der neuen Kita »Wichtelwiese« in Dorn-Assenheim.

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