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Wilhelm Dönges 1921-2001

Politiker mit Herz und Hand

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Reichelsheim. Am morgigen 1. Mai wäre Wilhelm Dönges aus Dorn-Assenheim 100 Jahre alt geworden. Der Melbacher Thomas Gerlach hat unter anderem im Archiv der WZ gestöbert, um mit einem Artikel an die zwölfjährige Amtszeit (1960 bis 1972) als Bürgermeister der damalig selbstständigen Gemeinde Dorn-Assenheim zu erinnern.

Wilhelm Dönges wurde am 1. Mai 1921 in Dorn-Assenheim geboren. Dort besuchte er die Volksschule und später in Reichelsheim die landwirtschaftliche Berufsschule, war sein Elternhaus doch durch die Landwirtschaft geprägt. Nachdem er 1942 nach Frankreich in den Krieg ziehen musste, lernte er während eines Heimaturlaubs 1943 seine spätere Ehefrau Lieselotte Jung kennen und lieben. Nach Kriegsende kehrte er, nach kurzer Gefangenschaft, nach Dorn-Assenheim zurück. 1947 heirateten beide und zogen in das Elternhaus von Lieselotte in der Untergasse. Die Schwiegereltern von Wilhelm betrieben eine Brennstoffhandlung neben der Landwirtschaft. Hier brachte sich Wilhelm mit ganzer Kraft ein, denn Brennstoffe wie Kohle, Brikett und Holz mussten erst aus Vogelsberg und Taunus geholt werden.

Schon als Jugendlicher widmete sich Dönges der Musik, spielte Tenorhorn. Gemeinsam mit zwei Mitbürgern ließ er nach Kriegsende den bis heute aktiven Musikverein Harmonie wieder aufleben, dessen Vorsitzender er später war.

1960 wurde der parteilose Dönges, der in der Bevölkerung sehr beliebt war, zum ehrenamtlichen Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Dorn-Assenheim gewählt. Dieses Amt übte er über zwölf Jahre bis zur Gebietsreform 1972 aus. In seine Amtszeit fielen zahlreiche große und kleine Projekte, wie der Ausbau eines Kanalnetzes sowie der Bau eines Schulgebäudes und eines Feuerwehrhauses. Da ihm als Ehrenamtlichem lediglich eine Sekretärin und ein Gemeinderechner in Halbtagstätigkeit zur Verfügung standen, widmete er seine gesamte Zeit den Aufgaben als Bürgermeister. Die Landwirtschaft wurde währenddessen in der Hauptsache von einem seiner Söhne fortgeführt, aber auch die übrigen Kinder mussten mithelfen. Da die Familie inzwischen gewachsen war (aus der Ehe gingen zwei Töchter und sechs Söhne hervor), wurde es im Haus zu eng und es musste ausgebaut werden. Dazu kam, dass Küche und Wohnzimmer im Hause Dönges oft zu »Dienstzimmern« umgewidmet wurden, wenn Dorn-Assenheimer in den Abendstunden oder am Wochenende mal schnell mit einem bürokratischen Anliegen zu »ihrem« Wilhelm gingen, bei dem die Tür stets offenstand; denn der war »immer im Dienst«!

Als mit der Gebietsreform Dorn-Assenheim der Stadt Reichelsheim angegliedert wurde, endete die ehrenamtliche Zeit des Bürgermeisters Wilhelm Dönges. Er wurde als Standesbeamter und Sachgebietsleiter im Ordnungsamt der neuen Stadtverwaltung angestellt. Auch hier erfreute er sich großer Beliebtheit bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Mitte der 80er Jahre. Danach war er aber, in Sonderfunktion und durch den Regierungspräsidenten eingesetzt, weiterhin noch viele Jahre als Standesbeamter im Ortsgericht tätig. Dem Ortsgericht stand er sowohl als Vorsitzender als auch später als Stellvertreter von 1968 bis 1995 vor. Neben der Mitgliedschaft und den Ehrenämtern in zahlreichen Vereinen, im Aufsichtsrat der Landbank Horlofftal und in der Kirchengemeinde, war er unter anderem auch Sitzungspräsident im Dorn-Assenheimer Karneval. Für die zahlreichen, jahrzehntelangen ehrenamtlichen Tätigkeiten erhielt er den Ehrenbrief des Hessischen Ministerpräsidenten und er wurde 1997 zum Ehrenmitglied des Ortsgerichts ernannt. In dem neuen Lebensabschnitt widmete er sich seiner großen Familie mit zahlreichen Enkel- und Urenkelkindern. Jetzt fand er auch die Zeit für die Schafzucht in einer eigenen kleinen Schafherde. So lebte er im Alter noch einmal seinen Traum und zog mit seinen Heidschnucken, ausgerüstet mit Steckzaun, Schafwagen und Stock viele Jahre von Weide zu Weide rund um Dorn-Assenheim. Am 3. Januar 2001 verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit im Friedberger Krankenhaus. Thomas Gerlach

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