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Pfarrerin Angela Schwalbe und Kirchenvorstandsvorsitzender Manfred Winter feiern gemeinsam mit einer kleinen Zahl an Gläubigen über Ostern einen Präsenzgottesdienst - sind sich der Zwiespältigkeit des Angebots in der Reichelsheimer Laurentiuskirche aber bewusst.

Coronavirus-Pandemie

Ostern in Zeiten der Pandemie: So ist ein Gottesdienst unter Corona-Regeln wirklich

  • vonInge Schneider
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Gründonnerstag in der evangelischen Laurentiuskirche in Reichelsheim: Das zweite Osterfest in Zeiten der Coronavirus-Pandemie - und ein in diesen Tagen seltener Präsenzgottesdienst. Ein Besuch.

Der Nachvollzug des letzten Abendmahles Jesu Christi wurde am Abend des Gründonnerstags in der Reichelsheimer Laurentiuskirche unter extremen Hygiene- und Distanzauflagen gefeiert - und lediglich für eine Zahl von zwölf Gottesdienstteilnehmern sowie vier haupt- und ehrenamtlichen Personen, die für die Gestaltung der Feier verantwortlich waren. Es war der Auftakt des zweiten Osterfestes in Zeiten der Pandemie.

Normalerweise zugelassen sei das Gotteshaus für bis zu 180 Anwesende, sagt Pfarrerin Angela Schwalbe, unter Corona-Regeln für 38. Sie selbst war noch in der Kirche negativ auf das Sars-CoV 2-Virus getestet worden, trug aber, wie alle Anwesenden, einen Mund-Nasen-Schutz. Darüber hinaus standen Desinfektionsmittel ebenso zur Verfügung wie Einweghandschuhe zum Austeilen eines Wandel-Abendmahles, das ausschließlich in Form der Hostie gereicht wurde.

Die Gottesdienstbesucher hatten sich vorab namentlich anmelden müssen, ehe sie der Feier ohne Gesang beiwohnen durften. Dr. Ralf Schäfer begleitete einfühlsam Solistin Natalie Stoll. Diese trug wenige, dafür umso berührendere Lieder vor - aus Sicherheitsgründen in mehr als zehn Metern Abstand zur Gemeinde. Die Abendmahlsgeschichte aus dem Evangelium nach Matthäus verlas Lektorin und Kirchenvorsteherin Martina Petri.

Pfarrerin Schwalbe hatte die Stimmung innerhalb der Gemeinde bereits vorab in ihrem Grußwort zum Kirchenblatt wiedergegeben: »Wir sind alle müde und mürbe von einem Jahr Pandemie, von der Sehnsucht nach ›Normalität‹, vom Nicht-Wissen, wann und wie es weitergeht. Spirituell gesehen befinden wir uns in einer Wüstenzeit. Ausgetrocknet und durstig nach Leben.«

Parallelen zum letztem Abendmahl

In ihrer Predigt, die, wie der gesamte Gottesdienst, kurz und komprimiert gehalten war, zeigte Schwalbe die Parallelen zum letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern ebenfalls in einer Situation von Unsicherheit und Ängsten gehalten habe. Das von ihm eingesetzte Geheimnis um Brot und Wein sei dagegen ein starkes Hoffnungszeichen: »Jedes Abendmahl erinnert uns seitdem daran: Wir sind gestärkt, befreit und geliebt. Wir leben unter Gottes Schutz, wir dürfen sogar die Angst vor dem Tod verlieren, da wir wissen: Auf den Karfreitag folgt der Ostersonntag, im Kreuz und im Tod ist das Leben.«

Im Anschluss an den Gottesdienst erläuterten die Pfarrerin und der Kirchenvorstandsvorsitzende Manfred Winter den Prozess, durch den die Entscheidung für die Präsenzfeiern zustande gekommen war: »Wir sind uns der Zwiespältigkeit dieses Angebotes bewusst. Sie spiegelt sich auch in der Haltung des Kirchenvorstands wider. Gern hätten wir die Entscheidung mit den anderen Gemeinden und im Kooperationsraum abgestimmt. Die Fülle der Aufgaben hat uns aber derart gebunden, dass es dazu nicht mehr kam.«

Aushalten von Unklarheit

Nach einem Jahr fast ausschließlich digitaler Gottesdienste habe man gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen die Feiern an den Osterfeiertagen vorbereitet, die mit allen Vorkehrungen der aktuellen Situation Rechnung tragen sollte: Gründonnerstag als kurze Abendmahlsfeier, Karfreitag als kurze Andacht zur Todestunde Jesu und einen Osterspaziergang zwischen Reichelsheim, Heuchelheim und Dorn-Assenheim.

Nach der Verschärfung der Corona-Lage hätten schlichtweg die Ressourcen gefehlt, um komplett oder gar parallel auf ein digitales Angebot umzusatteln. »Die Rückmeldungen dazu sind unterschiedlich«, erklärten Schwalbe und Winter. »Sie reichen von der Dankbarkeit, endlich wieder einmal in Präsenz in der Kirche zu sitzen, bis zum Bedauern, über die Feiertage auf den gewohnten Podcast verzichten zu müssen. Aber auch das ist in diesem Jahr Karfreitag und Ostern. Das Aushalten von Unklarheit. Und die Hoffnung, dass etwas Gutes draus wird.«

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