Neues Rathaus soll 2 Millionen Euro kosten

Reichelsheim (dab). Der Bau des Rathauses hat noch nicht begonnen, da sind die geschätzten Kosten schon um über 375 000 Euro gestiegen. Die Stadtverordneten wollten am Mittwoch bei ihrer Sitzung in Beienheim dieser Summe, die dem Wert eines Einfamilienhauses entspreche (CDU-Fraktionschefin Karin Lauer), nicht zustimmen.

Zunächst wollen sie sich in zwei Ausschüssen vom Niddaer Architekturbüro von der Heid unter anderem erklären lassen, wieso die Kostenberechnung um 13,5 Prozent höher ausfällt als die -schätzung.

Statt 1,6 Millionen Euro stehen nun also knapp 2 Millionen Euro für das neue Rathaus im Raum. Über die tatsächlichen Kosten – nach Ausschreibung und Bau – sagt dies zwar noch nichts aus. Doch die nun vorgelegte Steigerung laut konkreter Konstenberechnung verärgerte die Stadtverordneten sichtlich. "Das macht die Konsolidierungsanstrengungen von drei Jahren zunichte" (Rainer Schauermann, SPD), "Wie sollen wir das den Bürgern gegenüber vertreten? Ich persönlich kann das nicht" (Karin Lauer, CDU), "Das Vertrauen fehlt" (Martin Welti, Grüne) – so formulierten die Fraktionssprecher ihren Unmut und ihr Unverständnis.

"Der Preis war das maßgebliche Kriterium für das Büro von der Heid", erinnerte Schauermann daran, dass ursprünglich drei Architekten ihre Ideen für den Rathaus-Neubau vorgestellt hatten. Das Heid’sche Modell war das günstigste im Wettbewerb, was letztlich den Ausschlag gegeben hatte, dass das Parlament diesem Entwurf zugestimmt hatte. "Das sehr renommierte Büro ist als stringent bekannt. Wir haben uns auf die Kostenschätzung verlassen", betonte auch Lauer.

Bürgermeister Bertin Bischofsberger erläuterte, wie die höheren Kosten – für die kein zusätzliches Darlehen aufgenommen werden müsse, weil sie mit liquiden Mitteln finanziert werden könnten – zustande gekommen waren. Zum einen durch Änderungswünsche wie eine größere Außenanlage mit Personaleingang und -stellplätzen (45 000 Euro), dadurch Erweiterung der Außenbeleuchtung (16 500 Euro), ein eigenes kleines Gebäude für Mülltonnen und Fahrradstellplätze (11 000 Euro), Verlängerung des Ostflügels wegen geänderter Raumzuordnung, dadurch mehr Baukörper (13 000 Euro), ein Dusch- und Umkleideraum für die Mitarbeiter (4200 Euro) sowie Umgestaltung des Foyers zum Bürgerbüro (8500 Euro).

Zum anderen seien die Baukosten um rund 66 000 Euro gestiegen. Die restlichen Zusatzkosten von über 210 000 Euro resultierten aus der von der ersten Schätzung um 13,5 Prozent abweichenden Kostenberechnung. Dies liege, laut Aussage des Architekten, "im Toleranzrahmen", sagte Bischofsberger.

"Aber nicht im Toleranzrahmen der SPD-Fraktion", entgegnete deren Vorsitzender Schauermann. Die einzige politische Entscheidung, die in den Entwurf eingearbeitet worden sei, sei das Bürgerbüro gewesen, das mit 8500 Euro zu Buche schlage. Die restlichen, deutlich teureren Änderungswünsche wollte er im Ausschuss näher erläutert haben: Wieso seien zum Beispiel der Duschraum, die Parkplätze für die Mitarbeiter-Autos und die maßstabgetreue Möblierung erst jetzt eingearbeitet worden? Seien diese Änderungen wirklich nötig, und wenn ja, hätte die Notwendigkeit nicht schon vorher bekannt sein müssen?

Schauermanns Kritik richtete sich aber in erster Linie gegen die Planer. "Das, was das Büro vorgelegt hat, halten wir für inakzeptabel." Doch der SPD-Vorsitzende ging noch weiter: "Ganz übel wird das Gefühl", wenn man bedenke, dass das Büro von der Heid auch den Umbau der Kita Flohkiste in Weckesheim geplant habe, der am Ende 650 000 statt 450 000 Euro gekostet habe.

Der Architekt soll nun, auf Vorschlag der CDU, zu den Ausschusssitzungen gebeten werden, um dort Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Die Grünen wollten zudem wissen, wieviel Geld bislang in das Projekt "Rathaus-Neubau" geflossen ist. Diesem ergänzten Antrag stimmten alle Stadtverordnete zu. (Skizze: Büro von der Heid)

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