An ihrem ersten Tag als Bürgermeisterin von Reichelsheim hat Lena Herget-Umsonst ein Lächeln im Gesicht - trotz Schmerzen wegen eines Bandscheibenvorfalls. Die Mitarbeiter haben sie mit Blumen und Geschenken willkommen geheißen.	FOTO: PV
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An ihrem ersten Tag als Bürgermeisterin von Reichelsheim hat Lena Herget-Umsonst ein Lächeln im Gesicht - trotz Schmerzen wegen eines Bandscheibenvorfalls. Die Mitarbeiter haben sie mit Blumen und Geschenken willkommen geheißen. FOTO: PV

Amtsantritt

Reichelsheim: Neue Bürgermeisterin startet mit Schmerzen ins Amt ‒ trotzdem voller Tatendrang

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Die neue Bürgermeisterin von Reichelsheim startet gebremst ins Amt, jedenfalls körperlich: Ein Bandscheibenvorfall macht ihr zu schaffen, doch stoppt nicht den Tatendrang.

Reichelsheim - Ihren ersten Arbeitstag im Reichelsheimer Rathaus hatte sich Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst anders vorgestellt. Statt mit Vollgas ins neue Amt zu starten, wird sie erst einmal auf die Bremse treten müssen: Am Montag ist bei ihr ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert worden. Vor einer Woche hatte Lena Herget-Umsonst zu Hause etwas getragen, nichts Schweres, und sich dabei verrenkt. So dachte sie zumindest.

Die Schmerzen aber wurden schlimmer, zogen vom Rücken ins Bein und sorgten für ein Taubheitsgefühl. Röntgen- und MRT-Bild brachten am Montag Klarheit: Ein schwerer Bandscheibenvorfall liegt vor. Heute steht ein Termin beim Neurologen an. »Ich hoffe, dass es ohne Operation geht, aber die Chancen stehen nicht gut«, sagt die 32-Jährige.

Bürgermeisterin herzlich im Rathaus in Reichelsheim empfangen

Der Tatendrang, mit dem die neue Bürgermeisterin von Reichelsheim ihr Amt angehen will, ist ihr trotz der Schmerzen anzumerken. »Ich werde mir jetzt gleich das Stehpult von Herrn Wenisch, unserem Büroleiter, ausleihen«, sagt sie, nachdem sie vom Arzt direkt zurück ins Rathaus gefahren ist. »Ich hätte mir einen glücklicheren Start gewünscht, aber Gesundheit geht vor.« Sie wolle schnellstmöglichst wieder fit werden. Bis dahin werde sie trotzdem jeden Tag im Rathaus sein und, neben dem Stehpult, auch die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen.

Ihre Mitarbeiter, die sie aber lieber als Kollegen bezeichnet, seien sehr rührig und mitfühlend. Überhaupt hätten sie ihr einen herzlichen Empfang im Rathaus bereitet. »Ich hatte das Gefühl, dass sie sich freuen über ihre neue Kollegin.« Neben guten Wünsche gab es Blumen und Geschenke zum Start. Die neue Chefin/Kollegin hatte für jeden ein persönliches Anschreiben mitgebracht, einen Glückskäfer und einen Piccolo - als Ersatz für eine Stehparty, die pandemiebedingt nicht möglich war.

Reichelsheim: Erster Termin für neue Bürgermeisterin ist eiserne Hochzeit

Einige Unterlagen hatte Herget-Umsonst bereits am Wochenende ins Rathaus gebracht. Auch ein erster Termin stand schon an: eine eiserne Hochzeit am 1. Januar. Dort gratulierte sie an der Haustür, ebenso wie bei den beiden 80. Geburtstagen am Montag.

Die Glückwunschkarten hatte sie mit einem Kugelschreiber unterzeichnet, den ihr die Kollegen aus der Friedberger Verwaltung zum Abschied geschenkt hatten. »Auch einen kleinen Adolfsturm werde ich mir noch ins Büro stellen.«

Dominieren werden aber Fotografien aus Reichelsheim. »Ich möchte ein schönes, charakteristisches Bild von jedem Stadtteil an der Wand.« Etwas Besonderes aus ihrem Heimatort ist schon da: ein Schild mit der Aufschrift »Bürgermeisterei Blofeld«. Die Eigentümer des früheren Wohnhauses von Bürgermeister Wilhelm Weitzel hatten das Schild zufällig gefunden und es Herget-Umsonst als Leihgabe überreicht.

Neue Bürgermeisterin in Reichelsheim: „Übergabe war vorbildlich“

Der erste Termin, der am Montag in ihrem Kalender stand, war das Treffen mit den Abteilungsleitern um 10.30 Uhr. »Wir werden diese Woche noch mehrere Sitzungen haben, bei denen ich mich auf Stand bringen lasse.« Denn obwohl sie als langjährige Stadtverordnete mit den Themen vertraut ist: »Es ist etwas anderes, ob man das ehrenamtlich macht oder hier im Rathaus sitzt.«

Auch mit ihrem Vorgänger Bertin Bischofsberger hat sie sich mehrmals getroffen. »Die Übergabe war vorbildlich«, sagt Herget-Umsonst. Bischofsberger habe auch angeboten, weiterhin bei Fragen zur Verfügung zu stehen. Dies habe ihr übrigens auch Ehrenbürgermeister Gerd Wagner versprochen. »Er ist zwar seit zwölf Jahren nicht mehr im Amt, aber immer noch up-to-date.« Darüber sei sie ebenso froh wie über die Unterstützung durch Büroleiter Horst Wenisch: »Er ist ein Garant für Verlässlichkeit und eine gut funktionierende Verwaltung.«

Außer mit ihm habe sie sich in den vergangenen Wochen auch mit Bürgermeisterkollegen ausgetauscht, allen voran Eike See aus Wölfersheim und dessen Vorgänger Rouven Kötter sowie Florstadts Rathauschef Herbert Unger. »Ich habe mir zwar auch ein Buch über Verwaltungsführung gekauft, aber die Theorie ist ja nur ein Teil. Besser ist es, mit erfahrenen Praktikern zu sprechen.«

Erste Frau im Amt in Reichelsheim

Zum Amtsbeginn hat sie einen 100-Tage-Plan erstellt, auf dem u. a. diese Themen stehen: Verkehrskonzept, Busanbindung Singbergschule, Status Kita-Neubau. »Und ich würde unheimlich gern als Standesbeamtin eingesetzt werden.«

Lena Herget-Umsonst (SPD) ist die erste Frau, die das Bürgermeisteramt in Reichelsheim bekleidet. Sie hatte sich am 1. November mit 58,95 Prozent der Stimmen gegen Holger Hachenburger (CDU, 21,83 Prozent) Cenk Gönül (FW, 18,5 Prozent) durchgesetzt. Herget-Umsonst ist die Nachfolgerin von Bertin Bischofsberger (CDU), der zwölf Jahre Bürgermeister war und nicht mehr kandidiert hatte. (Dagmar Bertram)

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