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»Das Mulchen ist mehr Arbeit«, sagt Götz Wollinsky. Um dem erhöhten Arbeitsaufwand entgegenzuwirken, ist für das Projekt ein spezieller »MulchTec Planter« entwickelt worden.

Klimaschutz

Mit Mulch gegen den Klimawandel

  • VonSophie Mahr
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Der Pappelhof in Beienheim nimmt an einem wegweisenden Versuch teil: Wie kann der Ackerbau auf das zunehmend extreme Klima reagieren? Erste Ergebnisse weisen auf bekannte und überraschende Vorteile des Anbaus mit Mulch hin.

Heftige Gewitter und Niederschläge, extreme Hitzewellen, trockene Sommer - der Klimawandel trifft in aller Härte vor allem einen Wirtschaftszweig: Ackerbau. Die Uni Gießen führt zusammen mir regionalen Ackerbauern ein Projekt durch. Es ist ein Versuch, auf den Klimawandel zu reagieren. Das Experiment zeigt erste vielversprechende Erkenntnisse. Mit dabei ist der Pappelhof aus Beienheim. Dieser wird von Götz Wollinsky und Rüdiger Preuß gemeinsam bewirtschaftet.

Auf dem 2500 Quadratmeter großen Acker ist eine ungewöhnliche grüne Schicht zu sehen - gehäckselter Mulch aus Inkarnatklee, Zottelwicke und besonders langem Roggen. »Diese Mischung wird im September gesäht und, abhängig von der Witterung, bis Mitte Ende Mai angebaut«, sagt Wollinsky. Anschließend werde direkt auf dem Feld gemulcht. Das heißt, die Mischung wird vor Ort zu Mulch verarbeitet. Das ergibt die grüne Schicht. Preuß pflanzt dann auf demselben Feld das Gemüse an: Kürbis, Weißkohl, Zuckermais und Sellerie.

Weniger Wasser benötigt

An dem Projekt nimmt auch der Hof Obersteinberg von Familie Fay in Pohlheim teil. Fays setzen ihre zarten Gemüsepflanzen in quadratförmige Schlitze einer für den Mulchanbau speziell entwickelten Maschine, diese drückt die Jungpflanzen dann zwischen den Mulch in den Boden. Die Landwirte wässern anschließend die Oberfläche, danach gehen sie weiter, Schritt für Schritt, Pflänzchen für Pflänzchen. »Es ist ordentliche Handarbeit«, sagt Landwirtin Anne Fay. Das Pflanzen sei nicht aufwendiger als normal, berichtet Wollinsky. »Aber das Mulchen ist mehr Arbeit.«

Doch es lohne sich: »Der Sommer 2020 war extrem trocken«, sagt Fey. »Ohne den Mulch wäre die Ernte wesentlich schlechter ausgefallen. Die Schicht hält Wasser besser im Boden und unterdrückt Unkraut.« Wollinsky stimmt zu: »Ganz ohne Bewässerung ging es bei der Hitze in den letzten Jahren trotz Mulch nicht. Doch man braucht auf jeden Fall weniger Wasser. Dieses Jahr mussten wir bis auf das Angießen nach dem Pflanzen noch gar nicht wässern. «Zudem bestehe die Hoffnung, dass ein weiterer Vorteil darin liege, dass man durch den Mulch weniger Probleme mit Unkraut und vor allem Schädlingen habe.

Mehr Ertrag bei Kürbissen

Bryan Dix vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Uni Gießen kann dies mit ersten wissenschaftlichen Ergebnissen belegen. Er begleitet den Bioanbau mit Mulch auf Ackerflächen des Pappelhofs und des Hofs Obersteinberg sowie auf Feldern in Buseck, Wettenberg und Braunfels. Zum Vergleich werden die Gemüsearten auf einem Kontrollfeld in Gießen ohne Mulch angebaut.

Beim Anbau mit einer Mulchschicht und dem späteren zusätzlichen Nachstreuen mit Mulch hätten die Landwirte beim Hokkaidokürbis 39 Prozent mehr Ertrag erzielt als auf der Kontrollfläche in Gießen, berichtet Dix. Auf den Flächen mit Mulch habe man in den trockenen Monaten im Juni und im Juli vergangenen Jahres außerdem »eine signifikant höhere Bodenfeuchtigkeit beobachtet«. Auf Versuchsfeldern ohne Mulch, die nicht bewässert wurden, habe man aufgrund der Sommerhitze überhaupt keinen Ertrag erzielen können, sagt der Agrarwissenschaftler.

»Der Mulch schützt den Boden vor Wasserverlusten«, sagt Dix. Die Schicht führe außerdem zu einer langsameren Bodenerwärmung und könne so dauerhaft geringere Humusabbauraten durch Bodenorganismen hervorrufen. Dies trage zu einer Verbesserung der Ackerfläche bei, die bei schweren Regenfällen mehr Wasser aufnehmen könne.

Ungewöhnliche Erkenntnis: Weniger Schädlinge an Mulchgemüse

Der Anbau mit Mulch sei aufwendig und platzraubend. Die Pflanzen, aus denen der Mulch hergestellt wird, werden selbst angebaut und blockieren zwischen Oktober und Mai Ackerfläche. Das Potenzial für die Landwirtschaft aber sei hoch, betont Dix,

Er hat derweil weitere Erkenntnisse beim Anbau mit Mulch festgestellt: So seien die geernteten Hokkaidokürbisse z. B. tendenziell größer als die Früchte auf dem Vergleichsfeld. »Und einen Effekt können wir uns noch nicht komplett erklären«, sagt Dix. So sei das Gemüse mit Mulchanbau von Schädlingen weitgehend verschont geblieben. »Beim Kohl haben wir Eier und vereinzelte Raupen des Kohlweißlings gefunden, aber keinerlei Schäden an den Kohlköpfen festgestellt.« Der Agrarwissenschaftler sagt: »Vermutlich weil die Mulchschicht Käfern und Spinnen, die Schädlinge fressen, ein Habitat bietet.«

»Mulchgemüse Hessen«

Das Forschungsprojekt »Mulchgemüse Hessen« ist bisher auf drei Jahre ausgelegt. Bei diesem Projekt soll ein »Kombi-Mulchverfahren« erprobt werden. Ein Ziel des Vorhabens sei es, durch dieses Verfahren qualitativ hochwertiges regionales Gemüse mit ökologischem Mehrwert zu ähnlichen Preisen wie herkömmliches Gemüse produzieren zu können. Das Projekt wird von der EU und vom Land Hessen mit Geldern in Höhe von 400 000 Euro gefördert.

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