Kita-Leiterin Christiane Vix unterhält sich mit den Kindern über die Anschaffung. "Die Filter sind für die frische Luft", sagt ein Mädchen. 50 Stück stehen nun in den Reichelsheimer Kitas, zehn in der Verwaltung. FOTO: IHM-FAHLE
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Kita-Leiterin Christiane Vix unterhält sich mit den Kindern über die Anschaffung. "Die Filter sind für die frische Luft", sagt ein Mädchen. 50 Stück stehen nun in den Reichelsheimer Kitas, zehn in der Verwaltung. FOTO: IHM-FAHLE

Für 20 000 Euro

Mehr Schutz, aber kein Allheilmittel: Stadt kauft Luftreiniger für Kitas

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Wie kann man Menschen noch besser vor einer Corona-Infektion schützen? Reichelsheim hat für die vier städtischen Kitas für 20 000 Euro Luftreiniger gekauft.

Im Rathaus in Reichelsheim ist an alle Hygieneregeln gedacht. Einlass nur nach Klingeln, Händedesinfektion, Maske. Ende Juli gab es hier drei Corona-Infektionen bei Mitarbeiterinnen. Alle Mitarbeiter tragen Gesichtsbedeckung, wenn sie in dem Gebäude herumgehen, Bürgermeister Bertin Bischofsberger (CDU) etwa, während er gerade in das Büro von Hauptamtsleiter Horst Wenisch kommt. "Die Investition für die Luftfilter in unseren Kitas hat der Magistrat gern unterstützt und das Geld zur Verfügung gestellt", ist Bischofsberger erfreut über die Neuerung für die Kinder aus Reichelsheim.

Wenisch stellt die Filter dieser Zeitung nun vor. "Wir hatten seit März die Kindergärten runtergefahren, mit Notgruppen, das haben wir alles mitgemacht. Momentan sind die Kitas im Fast-Normalbetrieb wieder geöffnet." Mit der Kinderbetreuung komme die Kommune gut zurecht, es habe noch keinen Corona-Fall gegeben. "Wir lüften und versuchen, die Jungen und Mädchen viel draußen spielen zu lassen, um Kinder und Erzieherinnen zu schützen." Dazu gehören auch die Hygienemaßnahmen. Um dies zu unterstützen, habe die Stadt jetzt 60 Lüftungsgeräte angeschafft, die vorletztes Wochenende aufgestellt wurden.

Wenisch führt zur Kita "Holzwurm", nicht weit vom Rathaus entfernt. Unbefangen spielen die Kinder, betreut von Erzieherinnen mit Gesichtsvisieren, etwa die Kita-Leiterin Christiane Vix. Ein Mädchen erklärt: "Die Filter sind für die frische Luft. Damit man nicht krank wird." Sie spielt mit ihren Freundinnen in der Nähe eines der Geräte. "50 Stück sind in den Kitas und zehn in den Räumen der Stadtverwaltung, in denen Publikumsverkehr herrscht", erläutert Wenisch.

Entfernt Viren, Staub und Haare

Das Modell, das die Stadt einsetzt, erziele eine Reinigungswirkung von 99,95 Prozent, was gutachterlich belegt sei. "Es hat Grob-, Kohle- und Hepa-Filter, zieht die Viren und Aerosole an und behält sie bei sich. Und nach einer gewissen Zeit sind sie wirkungslos. Aber nicht nur Viren, sondern auch Staub." Beim Kauf habe die Kommune darauf geachtet, was für das Raumvolumen passt, wie laut die Laufgeräusche sind, wie effektiv das Gerät ist.

Vorn ist ein optisches Signal in Ringform. "Wenn der blau ist, ist die Luft total unbelastet, wenn er leicht violett wird, ist Staub und Dreck in der Luft. Und wenn er rot wird, ist die Luft belastet." Falls so etwas mal passiert, sollte man den Filter auf höchste Leistung laufen lassen. Über SARS-CoV-2 sage die Belastung nichts aus. "Da sind ja auch Grippe- oder sonstige Viren, Staub und Haare. Es sammelt sich viel auf den Filtern an, wenn die Kinder im Raum herumspringen." Deshalb müsse das Lichtsignal nicht gleich beunruhigen. Alle Erzieherinnen seien eingewiesen und könnten das Gerät bedienen. Auch, wenn die Pandemie eines Tages vorbei sei, könne die Stadt die Luftreiniger verwenden, da sie auch Grippe- und andere Viren neutralisieren. "Luftfilter gibt es nicht erst seit Corona, momentan wird das eben aktuell. Die nächsten Monate oder Jahre werden wir sie laufen lassen und beobachten, wie sich Grippeinfekte verändern."

Morgens um sieben Uhr würden die Filter angeschaltet, bevor der Betrieb losgeht. "Es wälzt vier- bis sechsmal pro Stunde die Luft um. Alle zehn, fünfzehn Minuten haben wir frische, gereinigte Luft." Das sei die Sicherheit, die Reichelsheim den Kindern und Erzieherinnen geben wollen, aber es ist nur zusätzlich. "Es ersetzt nicht Lüften, Hygiene und sonstige Standards. Nicht dass man denkt, man hat einen Luftfilter und jetzt ist alles gut in den Räumen. Ein Allheilmittel ist es nicht."

Stadt erwägt Kauf von CO2-Messgeräten

Reichelsheim überlegt aktuell, auch CO2-Messgeräte anzuschaffen, die Kohlenstoffdioxid, Feuchtigkeit und Temperatur anzeigen, wie Hauptamtsleiter Horst Wenisch erläutert. Die Erzieherinnen könnten dadurch ein noch besseres Gefühl bekommen, wann die Luft schlecht wird. Mitunter reiche es nicht, alle zwanzig Minuten zu lüften. "Manchmal muss es vielleicht schon nach zehn Minuten sein, wenn die Kinder toben."

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